HIV- und Tuberkulose-Impfstoffe Bill und Melinda Gates investieren in deutsche Biotechfirma Biontech

Die Gates-Stiftung investiert rund 50 Millionen Euro in das Mainzer Biotechunternehmen Biontech. Mit dem Geld sollen HIV- und Tuberkulose-Impfstoffe erforscht werden.
Update: 04.09.2019 - 16:06 Uhr Kommentieren
Bill Gates investiert in deutsche Biotechfirma Biontech Quelle: AP
Bill und Melinda Gates

Die Gates-Stiftung investiert zunächst rund 50 Millionen Euro in Biontech.

(Foto: AP)

Frankfurt Die Mainzer Biotechfirma Biontech gewinnt mit der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung einen weiteren prominenten Forschungspartner und Finanzier. Zusammen mit der Gates-Stiftung will Biontech HIV- und Tuberkulose-Impfstoffe erforschen. Die Gates-Stiftung investiert dazu zunächst 55 Millionen Dollar (rund 50 Millionen Euro) in Biontech. Die Gesamtinvestition kann nach Angaben der beiden Unternehmen später auf bis zu 100 Millionen Dollar steigen.

Die neuen Impfstoffprogramme erweitern das Produkt-Portfolio von Biontech im Bereich der Infektionskrankheiten. Die Finanzierung diene der Entwicklung von präklinischen Impfstoff- und Immuntherapiekandidaten für HIV- und Tuberkulose-Infektionen, die präventiv eingesetzt werden und im Fall von HIV eine dauerhafte Remission ohne antiretrovirale Therapie ermöglichen sollen.

Biontech sieht sich als Spezialist im Bereich immunologischer Therapieansätze und gilt außerdem neben der Tübinger Firma Curevac, bei der die Gates-Stiftung ebenfalls engagiert ist, als eines der führenden Unternehmen im Bereich der RNA-Wirkstoffe. In der Entwicklung von Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten kooperiert das Mainzer Unternehmen bereits mit dem US-Pharmariesen Pfizer. Darüber hinaus unterhält Biontech umfangreiche Allianzen mit den Pharmakonzernen Roche, Sanofi und Eli Lilly auf dem Gebiet der Krebsforschung. Unter anderem testet Biontech dabei individualisierte Krebsimpfstoffe auf Basis von RNA-Molekülen.

Die Partnerschaft mit der Gates-Stiftung ermögliche es, die Infrastruktur im Bereich der Infektionskrankheiten weiter auszubauen und zudem neue Programme zu initiieren, heißt es bei dem Mainzer Unternehmen. Biontech wird dabei nach eigenen Angaben die Rechte für die Vermarktung der Impfstoff- und Immuntherapiekandidaten in den etablierten Gesundheitsmärkten der Welt behalten und die Impfstoffe kostengünstig für Hochrisikopopulationen in stark betroffenen Ländern zur Verfügung stellen.

Die neue Allianz unterstreicht die relativ starke Stellung deutscher Biotechfirmen im Bereich der Immunologie. Bereits 2015 hatte sich die Gates-Stiftung im Rahmen einer Forschungs-Allianz an der Tübinger Curevac beteiligt. Diese Kooperation, die unter anderem auf die Entwicklung von Impfstoffen gegen Malaria und Grippe zielt, wurde Anfang 2018 erweitert.

Mit dem Einstieg bei Biontech will die Stiftung ihr Portfolio an innovativen Ansätzen nun zusätzlich erweitern – mit dem Ziel, effektive neue immunbasierte Therapien zu entwickeln, um das globale Auftreten von HIV und Tuberkulose drastisch zu reduzieren. „Trotz der seit 1990 bemerkenswerten Verbesserung der Gesundheit weltweit sind die derzeitigen Ansätze zur Prävention und Behandlung von Tuberkulose – der weltweit häufigsten Todesursache durch Infektionskrankheiten – und HIV nach wie vor unzureichend“, erklärte dazu Lynda Stuart, die für Impfstoffe und Immunbiologie zuständige Direktorin der Gates-Stiftung.

Die Tübinger Biotechfirma Immatics hat unterdessen vor wenigen Tagen eine potenziell milliardenschwere Allianz mit dem US-Pharmahersteller Celgene für die Entwicklung von neuartigen Krebs-Immuntherapien besiegelt. Auch Unternehmen wie Affimed und Medigene konnten in den letzten Jahren amerikanische Pharma- und Biotechfirmen als Partner für die Entwicklung von Krebs-Immuntherapien gewinnen.

Mehr: Deutsche Unternehmen wie Immatics oder Biontech haben in der Forschung viel zu bieten. Doch die industrielle Bilanz der Biotechfirmen fällt mäßig aus.

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