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Interview Chris Boos über Corona-Tracking-Plattform: „Das Projekt zeigt, wozu wir fähig sind“

Chris Boos hat die Technologie mitentwickelt, die datenschutzkonforme Corona-Tracking-Apps möglich machen soll. Er verspricht maximale Privatsphäre.
01.04.2020 - 16:40 Uhr 1 Kommentar
„Wir schützen die Privatsphäre maximal.“ Quelle: Lêmrich für Handelsblatt
Chris Boos

„Wir schützen die Privatsphäre maximal.“

(Foto: Lêmrich für Handelsblatt)

Düsseldorf Die Plattform „Pan-European Privacy Preserving Proximity Tracing“ (Pepp-pt) soll die technische Grundlage für Corona-Tracking-Apps in verschiedenen europäischen Ländern bilden. 130 Wissenschaftler und Technologie-Experten waren an der Entwicklung beteiligt, darunter auch der Unternehmer und KI-Experte Chris Boos, der Mitglied des Digitalrats der Bundesregierung ist.

Herr Boos, ist die Plattform der große Schlag gegen Corona in der EU?
Ja, ganz sicher. Aus dem einfachen Grund, weil damit die Privatsphäre der Bürger und die Interoperabilität von Apps aus unterschiedlichen Ländern gewährleistet ist. Wir müssen den Binnenmarkt dringend wieder öffnen und uns frei bewegen können.

Geht das nur mit Technologie?
Oft sind Personen schon lange mit dem Coronavirus infiziert, bevor wir es messen können. Deswegen braucht man den Blick in die Vergangenheit, und der ist nie so klar und eindeutig wie mit einer Technologie, die zeigt, wen man getroffen hat. Diese Genauigkeit können Menschen gar nicht leisten.

Können durch die Technologie andere Maßnahmen wieder gelockert werden?
Ja. Studien haben gezeigt: Wenn 60 Prozent der Bevölkerung oder mehr eine solche Tracing-App einsetzen, können Infektionsketten so schnell unterbrochen werden, dass wir wieder vergleichsweise normal unseren Alltag leben können und trotzdem die Corona-Pandemie eindämmen.

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    Warum muss es eine neue Technologie sein? Im Ausland werden solche Apps schon eingesetzt.
    Das hat zum einen technische Gründe, etwa weil manche mit großen Menschenmassen nicht gut klarkommen. Vor allem aber schützen sie die Privatsphäre bei Weitem nicht so stark, wie wir das in Europa müssen und wollen.

    Das Team hat das Ganze in knapp einem Monat entwickelt. Sonst heißt es oft, Europa hängt technisch hinterher.
    Das Projekt zeigt, wozu wir fähig sind. Ich hatte schon immer die These: „Wir können, aber wir müssen nicht, deswegen waren wir nicht so schnell. Jetzt müssen wir, und wir bekommen das hin. Das ist eine wahnsinnige Teamleistung, die ihresgleichen sucht.

    Werden die Menschen die Apps nutzen?
    Das ist die große Frage. Wir machen ja nur die Technologie hinter den Apps, von denen es ja auch viele verschiedene geben wird. Aber ich glaube, die meisten wollen keine Orwell'schen Verhältnisse und Massenüberwachung. In die Richtung gingen ja auch einige Ideen. Aber wir haben gezeigt, dass es auch anders geht. Wir schützen die Privatsphäre maximal: Niemand kann erkennen, wer die App nutzt, wer wo war oder sonst etwas in der Art. Und ich glaube, es gibt einen Rückhalt in der Bevölkerung: Jetzt wird aus dem Spruch von Kanzlerin Merkel „Wir schaffen das“ ein „Wir machen das.“

    Bedeutet das, Sie sind mit der Technologie einer anderen zuvorgekommen, die die Menschen viel stärker überwacht hätte?
    Die Diskussion gab es ja auch in Deutschland, und einige haben auch danach gefragt. Aber jetzt gibt es ja eine Antwort darauf, die hoffentlich alle zufriedenstellt.

    Google und Apple sollen die Apps über ihre Betriebssysteme an alle Nutzer ausspielen. Das könnte Datenschützer auf den Plan rufen.
    Die Unternehmen haben keinen Zugriff auf die Daten der Apps. Es ist unmöglich, dass jemand Ihre ID rausfindet. Das ist Teil der Konzepts und der Grund dafür, warum wir das machen.

    Haben Sie keine Sorge, dass das „Tracing“ im Namen abschreckt?
    Uns geht es nicht ums Marketing, sondern um Ergebnisse. Da muss man Ross und Reiter nennen. Die Technologie speichert keine Orts- und keine Bewegungsprofile. Und wir bieten ja nicht die App an, sondern nur die Grundlage dafür. Die werden auch anders heißen.

    Laufen dann alle Apps über Ihre Systeme?
    Nein, wir bieten nur ein Backend an für die, die es möchten. Es ist wichtig, dass jedes Land seine eigene Infrastruktur nutzen kann. Selbst wenn es nur um anonyme Daten geht, sind sie immer noch Teil des Gesundheitssystems.

    Wie waren die Reaktionen bisher?
    Bisher fast nur positiv. Wer soll sich dagegen wehren, dass alle gleich behandelt werden, wir wieder zurück zur Normalität finden können und die Privatsphäre geschützt ist? Wir bekommen sowohl aus dem Arbeitnehmer- als auch aus dem Arbeitgeberlager positive Rückmeldungen. Die Technologie ist kein spaltendes, sondern ein verbindendes Element.

    Sie bitten um Spenden für die Arbeit an der Plattform.
    Bisher haben alle umsonst daran gearbeitet, weil es notwendig ist. Aber diese viele Arbeit sollte bezahlt werden und die Infrastruktur auch. Ich wäre aber äußerst verwundert, wenn die Wirtschaft nicht spenden wollen würde. Schließlich will sie sowohl den Markt als auch die Arbeitskräfte zurückhaben. Wenn ein großer Konzern eine Million spendet, ist das nichts im Vergleich zu dem, was er derzeit verliert.

    Herr Boos, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Neue Technologie für die Corona-App: Eine Chance auf Normalität

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