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Kampf gegen Covid-19 Mit Trumps Segen: Zuversicht für Antikörper-Therapien wächst

Nicht nur Donald Trumps Behandlung weckt Hoffnung. Nach positiven Daten rechnen Investoren und Mediziner mit ersten Notfall-Zulassungen für die Wirkstoffe.
08.10.2020 - 17:26 Uhr Kommentieren
Der US-Präsident rührt die Werbetrommel für die Antikörper-Therapie. Quelle: ERIN SCHAFF/The New York Times/R
Donald Trump

Der US-Präsident rührt die Werbetrommel für die Antikörper-Therapie.

(Foto: ERIN SCHAFF/The New York Times/R)

Frankfurt, New York Die Marketinghilfe kommt direkt aus dem Weißen Haus: Seit US-Präsident Donald Trump seine starken Covid-Symptome innerhalb von wenigen Tagen hinter sich gelassen hat, wird er nicht müde, den Antikörper-Cocktail des Biotech-Unternehmens Regeneron zu loben. 

„Es war unglaublich, ich habe mich sofort gut gefühlt“, sagte Trump am Mittwoch in einer Video-Botschaft und kündigte an, dass er eine Notfall-Zulassung durchsetzen will. „Ich will, dass Sie bekommen, was ich bekommen habe, und ich werde es gratis machen“, kündigte er an und erwähnte auch gleich noch das Antikörper-Medikament von Eli Lilly, das auch bald zugelassen werden könnte.

In der Vergangenheit war meist größte Vorsicht angebracht, wenn der US-Präsident Corona-Medikamente als Heilmittel anpries. Doch im Falle der Antikörper-Wirkstoffe, für die Trump in den vergangenen Tagen die Werbetrommel rührte, könnte nach Ansicht von Fachleuten größere Zuversicht angebracht sein.

Auf diesem Feld deuten sich inzwischen Fortschritte in der klinischen Erprobung an. So meldete jetzt Eli Lilly positive Daten für eine Kombination von zwei Antikörper-Wirkstoffen, die der US-Pharmakonzern gegen die Infektionskrankheit entwickelt.

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    Die Zwischenauswertung einer größeren, noch laufenden Studie zeigte danach, dass die beiden Wirkstoffe bei den behandelten Patienten eine deutliche Reduktion der Viruslast nach wenigen Tagen bewirkten. Lilly will nun eine Genehmigung zum Notfalleinsatz der Wirkstoffe bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen.

    Ähnliche Resultate hatte Anfang vergangener Woche auch Regeneron in einer Studie mit 275 Patienten berichtet. Das war wenige Tage, bevor der Präsident das Medikament am Freitag experimentell erhielt. 

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    Die Daten von Eli Lilly werden von manchen Experten indessen als noch überzeugender eingestuft. Analysten und Investoren jedenfalls reagierten deutlich positiv auf die jüngsten Daten des US-Konzerns, nachdem zuvor die Resultate der Antikörper als Einzelmedikament als eher enttäuschend eingestuft worden waren. Die Lilly-Aktie legte am Mittwoch um gut drei Prozent zu und gewann am Donnerstag im frühen Handel weitere zwei Prozent hinzu. Auch Regeneron legte zu.

    Brian Skorney von der Investmentbank Baird weist darauf hin, dass es von Regeneron noch wenig Daten gebe. Aber die Ergebnisse von Eli Lilly stimmten optimistisch, „dass diese Daten das Konzept untermauern können, dass die Senkung der viralen Ladung mit einem Antikörper-Cocktail klinische Vorteile bringt“, schreibt Skorney. 

    Notfall-Zulassung in Sicht

    Branchenexperten gehen nun davon aus, dass die FDA in Kürze beiden Medikamenten eine Notfall-Zulassung für den Einsatz der Antikörper-Produkte bei besonders gefährdeten Patienten erteilen könnte. Das Arsenal an offiziell zugelassenen Wirkstoffen gegen Covid-19 würde sich damit auf einen Schlag von zwei auf vier verdoppeln.

    Bisher sind als Covid-Medikamente offiziell nur das Antivirus-Mittel Remdesivir und das Kortisonprodukt Dexamethason zugelassen. Darüber hinaus hat die FDA vor wenigen Wochen auch der sogenannten Plasma-Therapie eine Notfallzulassung erteilt. Dabei werden Patienten mit dem Blutplasma von gesundeten Covid-Patienten behandelt. Diese Therapie haben viele Krankenhäuser in New York bereits im Frühjahr auf dem Höhepunkt der Coronakrise in der Stadt experimentell angewandt. 

    Lilly testet seine Antikörper-Kombination bei insgesamt 850 Patienten. Für rund 270 der Teilnehmer wurden jetzt die vorläufigen Daten ausgewertet. Der US-Konzern will nun außerdem noch eine weitere größere Studie starten, in der die beiden Antikörper sowohl als Monotherapie als auch in Kombination getestet werden. Diese Studie soll zusätzliche Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit und auch zum Einfluss der Medikamente auf den Anteil der Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, und die Sterblichkeit von Covid-Patienten liefern.

    Dazu liegen von Lilly und Regeneron bisher noch keine Aussagen vor. Doch wird davon ausgegangen, dass die Reduktion der Viruslast letztlich auch eine spürbare Reduktion der Sterblichkeit bewirkt.

    Der Vorteil der künstlich hergestellten Antikörper besteht darin, dass sie mit Hilfe gentechnischer Verfahren in sehr großen Mengen produziert werden können. Quelle: Mike Segar
    Im Labor von Regeneron

    Der Vorteil der künstlich hergestellten Antikörper besteht darin, dass sie mit Hilfe gentechnischer Verfahren in sehr großen Mengen produziert werden können.

    (Foto: Mike Segar)

    Entsprechenden Optimismus für die Substanzklasse etwa demonstrierte jetzt auch Microsoft-Gründer Bill Gates, der mit seiner Stiftung stark in der Förderung von Impfstoff-Projekten engagiert ist. „Das ist eine aufregende Entwicklung. Die Reduktion der Sterberate könnte ziemlich deutlich ausfallen“, sagte Gates in dieser Woche auf einer Konferenz.

    Mit Antikörpern versuchen die Pharmaforscher gewissermaßen, das Immunsystem nachzuahmen. Bei einer Immunreaktion gegen Infektionen bildet der Körper ebenfalls Antikörper, um die Erreger unschädlich zu machen.

    Bei der Substanzklasse handelt es sich um komplizierte Eiweißsubstanzen, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie sehr präzise an andere Moleküle oder Zellrezeptoren binden. Für die Covid-Wirkstoffe wurden die Antikörper ausgewählt, die an verschiedenen Stellen des Spike-Proteins auf der Oberfläche des Sars-CoV-2-Virus andocken. Die Pharmahersteller orientierten sich dabei jeweils an Antikörpern, die man im Blut von genesenen Covid-Patienten identifiziert hat.

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    Der Vorteil der künstlich hergestellten Antikörper besteht darin, dass sie mithilfe gentechnischer Verfahren in sehr großen Mengen produziert werden können. Sowohl Lilly als auch Regeneron haben parallel zu den klinischen Tests bereits mit Aufbau größerer Kapazitäten begonnen.

    Schneller Kapazitätsausbau

    Lilly geht davon aus, dass man von einem der beiden Antikörper im vierten Quartal bereits eine Million Einheiten produzieren kann. Für die Kombinationstherapie dürften im vierten Quartal zwar nur 50.000 Dosen verfügbar sein. Bereits im ersten Quartal 2021 werde man die Kapazitäten für das Kombinationspräparat aber deutlich erweitern.

    Regeneron hat bereits vor einigen Wochen eine Allianz mit dem Schweizer Pharmariesen Roche vereinbart, der über die weltweit größten Kapazitäten und auch die umfangreichste Erfahrung in der Antikörperproduktion verfügt. Das liegt an dem umfangreichen Sortiment von Roche an antikörperbasierten Krebsmedikamenten, die der Konzern in großen Anlagen in Kalifornien, Basel und im bayerischen Penzberg produziert.

    Die Zusammenarbeit ermögliche es, die Kapazitäten für die Covid-Medikamente von Regeneron mindestens um das Dreieinhalbfache zu vergrößern, erklärten die Unternehmen bei Abschluss der Kooperation.

    Roche will im Rahmen der Allianz den Vertrieb des Produkts außerhalb der USA übernehmen, während Regeneron für den US-Vertrieb zuständig ist. Auch bei Roche ist die Zuversicht groß. Das Regeneron-Mittel könne eine „kritische Verteidigungslinie“ gegen die Covid-19-Pandemie bilden, erklärte Roche-Pharmachef Bill Anderson.

    Mehr: Gilead und Regeneron profitieren von Trumps Therapie

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