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Krankenhauskonzern Helios Wie der neue Alltag bei Europas größtem Klinikkonzern aussieht

Die Corona-Pandemie hat den Betrieb bei Helios nachhaltig verändert. Über Hygieneregeln und Zonen für Infizierte hinaus wird die Branche auch ambulanter und digitaler werden.
02.06.2020 - 21:00 Uhr Kommentieren
Künftig werden die Krankenhäuser des Konzerns in drei Zonen unterteilt. Quelle: Bloomberg
Helios-Klinik in Berlin

Künftig werden die Krankenhäuser des Konzerns in drei Zonen unterteilt.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Nachdem über Wochen für potenzielle Corona-Patienten Betten freigehalten und Operationen verschoben wurden, rüstet sich die Krankenhausbranche nun für die Wiederaufnahme des Regelbetriebs. Aber diesen Begriff hält Francesco De Meo nicht mehr für angemessen. „Denn die neue Normalität nach Corona hat mit dem Regelbetrieb, wie wir ihn vor der Pandemie kannten, nicht mehr viel zu tun“, sagt der Chef der Krankenhausholding Helios Health im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Helios ist Europas führender Krankenhausbetreiber mit zuletzt mehr als neun Milliarden Euro Jahresumsatz. Das Unternehmen gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius und betreibt mehr als 130 Krankenhäuser in Deutschland und Spanien sowie knapp 200 ambulante Gesundheitszentren.

Die neue Krankenhausrealität wird auch für die Patienten künftig klar sichtbar sein. Denn Helios richtet in allen Häusern Zonen und Stationen für Covid-19-Infizierte und Nicht-Infizierte ein – in den drei Ampelfarben. Rot kennzeichnet Bereiche für Personen, bei denen eine aktuelle Corona-Infektion nachgewiesen ist, Gelb für die Patienten, bei denen die Corona-Diagnose noch nicht geklärt ist, und Grün für die nachweislich nicht infizierten Patienten.

„Die Einteilung gilt künftig schon ab der Aufnahme“, sagt der 56-jährige promovierte Jurist. „Wir werden alle Patienten, die zu uns kommen, auf Corona-Symptome prüfen, gegebenenfalls auf eine Infektion testen und sie dann in die entsprechenden Klinikzonen leiten.“

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    Auch die Bettensituation wird neu geordnet. Dreibettzimmer wird es wegen der Abstandsregeln künftig wohl nicht mehr geben. Wo der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, werden die Betten geräumt. „Die Corona-Pandemie hat die Einstellungen der Menschen verändert. Sie stellen andere Anforderungen an Hygiene und Behandlung und sorgen sich vor einer Infektion. Dem müssen wir gerecht werden, wenn wir in den kommenden Monaten wieder mehr Patienten behandeln wollen“, sagt De Meo.

    Die Reduzierung werde sich nicht wesentlich auf die Behandlungskapazitäten auswirken, da ohnehin nie alle Betten belegt seien: Die Auslastung in deutschen Krankenhäusern liegt bei rund 77 Prozent, die Branche hat Überkapazitäten.

    Während des Lockdowns hatten die Helios-Kliniken wie viele andere Krankenhäuser in Deutschland rund 50 Prozent Leerstand. Vor allem bei Hüft- und Knieoperationen gab es einen großen Einbruch, da zählte Helios nur noch knapp ein Viertel der Patienten gegenüber dem Vorjahr. Aber selbst bei Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten gab es einen Rückgang von 20 bis 30 Prozent.

    Der Rettungsschirm, den die Bundesregierung für die Branche beschlossen hat, fängt aber einen großen Teil der Ausfälle aus. „Die Tagespauschale von 560 Euro für jedes leer stehende Bett dürfte bei Helios gut zwei Drittel der wegfallenden Umsätze kompensieren“, meint Commerzbank-Analyst Oliver Metzger. Durch die Einsparung der variablen Kosten sollte sich der Corona-Effekt seiner Meinung nach insgesamt fast neutral auf das Ergebnis auswirken.

    12.000 Corona-Patienten in Spanien

    „Wir haben eine gesunde Mischung im Klinikportfolio“, sagt De Meo. „Wir haben fünf Maximalversorger, bei denen die Ausgleichspauschale nicht ausreichend ist. Dafür ist sie bei den kleinen Kliniken angemessen. Insgesamt sind die Ausgleichspauschalen nicht ganz auskömmlich, aber wir erwarten kein großes Problem in Deutschland.“ Zudem geht der Manager davon aus, dass die Helios-Kliniken in Deutschland wieder aufholen und mehr Menschen behandeln werden.

    Die Effekte der Coronakrise hat Fresenius bisher noch nicht in seine Jahresprognose einbezogen. Zur Jahresmitte sollen hierzu genauere Angaben gemacht werden. Im ersten Quartal war Helios beim Umsatz um sieben Prozent auf knapp 2,5 Milliarden Euro gewachsen. Der operative Gewinn erhöhte sich allerdings nur um zwei Prozent auf 274 Millionen Euro.

    Grafik

    Darin spiegelt sich vor allem die Corona-Welle in Spanien wider. Helios hatte dort mit 12.000 Covid-19-Patienten zehnmal mehr Corona-Patienten stationär behandelt als in Deutschland, wo es nur punktuell Hotspots gab. Die Gruppe ist in Spanien unter dem Namen Quirónsalud unter anderem auch in Madrid und Barcelona vertreten, wo es besonders viele Corona-Infizierte gab.

    Über Ausgleichszahlungen für die teuren Behandlungen der Covid-19-Patienten wird derzeit verhandelt. Die Gespräche seien auf einem guten Weg, sagt De Meo. Da man sowohl mit verschiedenen staatlichen als auch privaten Institutionen verhandeln müsse, dauere der Prozess länger.

    De Meo rechnet damit, dass das Thema Coronavirus die Branche bis ins kommende Jahr beschäftigen wird. Um den Versorgungsbedarf bei möglichen neuen Ausbrüchen besser vorhersehen zu können, hat das Unternehmen ein Tool entwickelt, das anhand verschiedener interner und externer Daten regionale und nationale Corona-Simulationen ermöglicht. „So wissen wir, welche Kapazitäten wir für Covid-19-Patienten bereitstellen müssen“, sagt De Meo.

    Wird eine neue Welle erwartet, stoppt das Unternehmen die Aufnahme sogenannter elektiver Patienten mit planbaren Operationen und kann innerhalb von einer Woche die entsprechenden Kapazitäten schaffen.

    Wie Deutschlands Krankenhäuser den höheren Hygiene- und Sicherheitsaufwand perspektivisch finanzieren werden, ist noch nicht klar. De Meo geht davon aus, dass diese Kosten künftig in den jährlich neu zu verhandelnden Fallpauschalen berücksichtigt werden.

    Das größte Problem der Branche bleibt für ihn aber der Mangel an Pflegekräften. „Dieses Problem können wir nur lösen, wenn wir das Problem der Überkapazitäten lösen“, sagt die Meo. Es sei ein Irrglaube, dass die vorhandenen Überkapazitäten Deutschland die Corona-Krise hätten besser meistern lassen. „Es ginge noch viel besser, wenn wir Strukturen hätten, die fokussierter und damit auch effizienter wären. Deswegen brauchen wir eine Grundsatzdiskussion über eine Strukturbereinigung“, so De Meo.

    Zukauf in Bonn

    In vielen Häusern war die wirtschaftliche Lage schon vor der Coronakrise angespannt, wie Umfragen aus der Branche zeigen. De Meo erwartet, dass einige Kliniken im Zuge des Herauffahrens des Patientenbetriebes neue wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen. „Wenn die Patienten nicht so kommen wie erwartet, wird das Defizit steigen.“

    Da die öffentlichen Haushalte wegen der in der Coronakrise aufgenommenen Schulden nicht mehr wie bisher die Defizite der Krankenhäuser ausgleichen könnten, rechnet er damit, dass wieder mehr Kliniken zum Verkauf stehen werden. Helios sei dabei weiterhin an Zukäufen interessiert, „aber selektiver als früher“, sagt De Meo.

    „Wir haben eine gesunde Mischung im Klinikportfolio.“ Quelle: Helios Health
    Helios-Chef Francesco De Meo

    „Wir haben eine gesunde Mischung im Klinikportfolio.“

    (Foto: Helios Health)

    Ein Zukauf müsste zu einem medizinischen Cluster passen, den Helios mit eigenen oder anderen Kliniken bilden könnte. Ein Beispiel dafür ist der Erwerb der Malteser Klinik in Bonn, den das Unternehmen am Freitag vor Pfingsten bekanntgab. „Das Klinikum Seliger Gerhard ergänzt mit seinem Angebot die Leistungsbereiche unseres Krankenhauses Siegburg sehr gut", sagt De Meo.

    Während Siegburg Schwerpunkte bei Kardiologie und Endoprothetik habe, decke das Haus in Bonn unter anderem die Bereiche Geriatrie, Palliativmedizin, aber auch Lungenerkrankungen ab. Beide Häuser liegen nur etwa 20 Kilometer auseinander und haben sich ergänzende Angebote in der Versorgung von Krebspatienten. „Gemeinsam können wir ein regionales Traumazentrum mit Unfallchirurgie bilden“, sagt De Meo.

    Zusammen mit dem 400-Betten-Krankenhaus, das zuletzt 66 Millionen Euro Jahresumsatz erzielte, erwirbt Helios noch zwei medizinische Versorgungszentren, ein Seniorenheim und eine Apotheke mit Logistikzentrum, das in erheblichem Maße auch dritte Anbieter versorgt.

    Dass auch Konkurrent Asklepios zukauft und mit der Akquisition von Rhön-Klinikum näher an den Marktführer Helios heranrückt, sieht De Meo gelassen. „Die geplante Übernahme hat auf unser Geschäft keine Auswirkungen. Die Strukturen im Krankenhausmarkt bleiben unverändert.“

    Schwung für die Digitalisierung

    De Meo erwartet, dass sich der Markt weiter konsolidieren wird und sich dabei in Richtung der zukünftigen Anforderungen an die medizinische Versorgung bewegt. Wachstumsmöglichkeiten sieht er vor allem im Ausbau der ambulanten Versorgung und digitaler Versorgungskonzepte. Auch deshalb hat der Konzern über seine Digital-Health-Tochter Curalie im März die Digitale Gesundheitsgruppe (DGG) gekauft.

    Curalie entwickelt digitale Angebote für die Rehabilitation und Nachsorge von Patienten, die DGG solche für Patienten mit chronischen Erkrankungen. Zudem betreibt sie die telemedizinische Plattform „TeLiPro“ für Hausärzte und Fachärzte, die während der Corona-Pandemie kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

    „In der Coronakrise ist die Bereitschaft der Patienten, sich digitalen Hilfen zu nähern, stark gewachsen. Von der digitalen Patientenaufnahme bis zur Nachsorge über eine Patienten-App: Wir erleben, dass alles, was wir digital aufgebaut haben, seit der Corona-Pandemie sehr viel stärker in Anspruch genommen wird. Da ist nun auch in Deutschland ein Knoten geplatzt.“

    Helios will nun weitere digitale Dienste aufbauen und ist dafür nicht nur mit Krankenkassen, sondern auch mit großen Unternehmen aus der Pharma- und Nahrungsmittelbranche im Gespräch.

    De Meo: „Auch das ist ein Teil der neuen Normalität nach Corona: Der Trend zu mehr ambulanten Behandlungen wird beschleunigt. Deswegen müssen wir die Vernetzung in den Bereich außerhalb der Kliniken ausbauen, um die Patienten auch dort erreichen zu können. Mit unserer digitalen Plattform haben wir die Chance, Patienten, Ärzte, Rehakliniken und andere Anbieter zusammenzubringen – auch über den Helios-Kosmos hinaus“, sagt De Meo.

    Mehr: Suche nach Corona-Medikament: Die Pharmabranche setzt neue Prioritäten

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