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Listing in den USA Tübinger Biotech-Unternehmen Immatics gibt Debüt an der Nasdaq

Der deutsche Konzern hat die Fusion mit Arya genutzt, um an die US-Technologiebörse zu gelangen. Das frische Kapital soll die Krebsforschung stärken.
02.07.2020 - 17:05 Uhr Kommentieren
Das Tübinger Unternehmen ist eine der führenden deutschen Forschungsfirmen in der Krebstherapie. Quelle: Immatics Biotechnologies GmbH
Labor bei Immatics

Das Tübinger Unternehmen ist eine der führenden deutschen Forschungsfirmen in der Krebstherapie.

(Foto: Immatics Biotechnologies GmbH)

Frankfurt Mit einem Listing an der US-Technologiebörse Nasdaq hat jetzt die deutsche Biotechfirma Immatics ihre Finanzbasis deutlich gestärkt. Dem Tübinger Unternehmen flossen im Zuge des Börsengangs insgesamt 253 Millionen Dollar (rund 224 Millionen Euro) an frischem Kapital zu, die nun zum Ausbau der Forschung im Bereich der Zelltherapien gegen Krebs genutzt werden sollen. In den ersten Handelsstunden wurde Immatics an der Börse mit rund 950 Millionen Dollar bewertet.

Das Unternehmen vollzog den Gang an die Nasdaq über eine Fusion mit einer bereits gelisteten, aber operativ nicht tätigen Firma, einer sogenannten „Special Purpose Acquisition Company“ namens Arya Sciences Acquisition Company, die nach Vollzug der Fusion in Immatics umbenannt wurde. Arya brachte 149 Millionen Dollar mit in die Fusion, weitere 104 Millionen Dollar flossen im Zuge einer Kapitalerhöhung zu.

Die bisherigen Immatics-Eigner, darunter SAP-Gründer Dietmar Hopp als Hauptfinanzier, halten auch nach der Transaktion eine Mehrheit an dem fusionierten Unternehmen. Mit etwa 25 Prozent Anteil (gegenüber bisher rund 40 Prozent) ist Hopps Beteiligungsgesellschaft Dievini dabei weiter größter Einzelaktionär.

Jeweils gut sieben Prozent halten laut Prospekt die Brüder Andreas und Thomas Strüngmann über ihre Gesellschaft AT Impf sowie die Finanzierungsgesellschaft Wellington Partners. Darüber hinaus gewinnt Immatics mit dem Deal eine Reihe neuer Investoren in den USA, darunter Perceptive Advisors, Redmile Group und Federated Hermes Kaufmann Funds.

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    Milliardenschwere Allianzen ausgelotet

    Immatics-Chef Harpreet Singh wertet den Gang an den US-Kapitalmarkt als wichtigen Schritt, um die Flexibilität des Forschungsunternehmens weiter zu stärken. „Sie verschafft uns eine hervorragende Reichweite sowie Flexibilität für unsere Mission, neue Therapiemöglichkeiten für Krebspatienten bereitzustellen“, erklärte Singh die Transaktion. „Der Börsengang ermöglicht es uns, substanzielle Mittel an Bord zu holen, um unseren zentrale Mission zu verfolgen, das heißt, unsere Produkte an Patienten zu erproben und für sie einen Mehrwert zu schaffen.“

    Insgesamt ist Immatics nun mit Finanzmitteln in Höhe von deutlich mehr als 300 Millionen Dollar ausgestattet. Diese Reserven will das Tübinger Unternehmen nun vor allem nutzen, um seine klinischen und präklinischen Programme für sogenannte adoptive Zelltherapien sowie bispezifische T-Zell-Rezeptor-Moleküle weiter voranzutreiben. Dabei geht es um Verfahren, mit denen Immunzellen gegen Tumorzellen aktiviert werden sollen.

    Grafik

    Das Unternehmen testet in Kooperation mit dem amerikanischen Krebsforschungszentrum MD Anderson mehrere Zelltherapien gegen Krebs in einer Phase-1-Studie. Darüber hinaus konnte Immatics zuletzt mehrere potenziell milliardenschwere Allianzen mit dem Pharmakonzern Amgen, der inzwischen zu Bristol-Myers Squibb gehörenden US-Firma Celgene und dem britischen Pharmariesen Glaxo-Smithkline vereinbaren.

    Der Gang des Unternehmens an die Nasdaq bestätigt unterdessen die wachsende Attraktivität des US-Kapitalmarkts für deutsche Biotechfirmen. Die Finanzierungsbedingungen dort gelten als weitaus besser als in Deutschland und in Europa, da dort eine deutlich größere Zahl erfahrener Investoren und Analysten im Bereich Biotech aktiv ist und bei Geldgebern größere Risikobereitschaft besteht. Zuletzt wagten im vergangenen Herbst die deutschen Biotechfirmen Biontech und Centogene den Sprung an die Nasdaq.

    Solche Erfolge dürften das Standing deutscher Biotechfirmen in den USA weiter stärken und weitere Vertreter der Branche an die Nasdaq locken. So plant neben Immatics die ebenfalls in Tübingen ansässige Biotechfirma Curevac ein Listing an der Nasdaq. Immatics-Chef Singh ist überzeugt: „Für hochinnovative Technologiefirmen ist die Nasdaq einfach die beste Börse der Welt.“

    Rückschläge aufgearbeitet

    Firmensitz und Hauptstandort von Immatics soll weiterhin Tübingen bleiben, wo auch die Mehrzahl der rund 200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Darüber hinaus unterhält das Unternehmen Standorte in München und im texanischen Houston. Immatics wurde im Jahr 2000 gegründet und gehört heute neben Biontech und Curevac zu den führenden deutschen Akteure in der Erforschung von Immuntherapien gegen Krebs.

    Grundlage ist dabei vor allem ein von Mitgründer Hans-Georg Rammensee entwickeltes Verfahren mit dem kurze Eiweißfragmente, so genannte Peptide, auf der Oberfläche von Krebszellen identifiziert werden können. Mit dem Versuch, aus diesen Peptiden eigene Krebsimpfstoffe zu entwickeln, ist Immatics vor vier Jahren zwar gescheitert.

    Von diesem Rückschlag konnte sich das Unternehmen aber inzwischen weitgehend erholen, indem es sich als Spezialist für die Erforschung tumor-spezifischer Rezeptoren positionierte und diese Fähigkeit für eine Reihe neuer Partnerschaften und den Aufbau einer eigenen neuen Pipeline an Entwicklungsprodukten nutzte.

    Zielstrukturen auf Krebszellen sind für Pharmaforscher als potenzielle Angriffspunkte von Medikamenten und Zelltherapien extrem wichtig. Eine maßgebliche Herausforderung für solche Therapien besteht darin, dass sie möglichst nur auf solche molekularen Mechanismen einwirken, die spezifisch für Tumorzellen sind.

    Ansonsten droht die Gefahr, dass gesunde Zellen zu stark angegriffen werden und die Nebenwirkungen zu hoch sind. Das gilt auch für die Immuntherapien, die darauf zielen, T-Zellen gegen Krebs zu aktivieren.

    Mehr: Biotechs wollen sich im Kampf gegen Covid-19 beweisen – und so mehr Geldgeber gewinnen.

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