Medizin Forscher testen vorbeugende Behandlung gegen Alzheimer

Alzheimer trifft Millionen Menschen. Bisher gibt es keine Medizin gegen das Fortschreiten der Krankheit. Aber kann man ihr vorbeugen? Zwei neue Studien sollen das klären.
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Zwei Studien sollen einen mögliche vorbeugende Behandlung der Demenz-Erkrankung testen. Quelle: AP
Alzheimer bekämpfen

Zwei Studien sollen einen mögliche vorbeugende Behandlung der Demenz-Erkrankung testen.

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Phoenix Für Menschen, die bereits geistig Symptome von Alzheimer aufweisen, mag es zu spät sein, die Krankheit aufzuhalten. Aber könnte sie durch ein Behandlungsmittel verhindert werden, das sich auf die ganz frühen Änderungen im Gehirn konzentriert? Dann nämlich, wenn das Erinnerungsvermögen und die gedanklichen Fähigkeiten noch intakt sind? Wissenschaftler wollen das jetzt mit zwei großen Studien herausfinden.

Kliniken in den USA und einigen anderen Ländern sind dabei, Teilnehmer auszusuchen - und zwar gesunde ältere Leute. Es sind die einzigen Studien dieser Art in Sachen Alzheimer, die sich auf diese Bevölkerungsgruppe konzentrieren. Alles richte sich derzeit auf Vorbeugung, sagt Eric Reiman, der geschäftsführende Direktor am Banner Alzheimer's Institute in Phoenix, das die Untersuchungen leitet.

Alzheimer ist die am häufigsten vorkommende Art von Demenz. Bisher konnte die Wissenschaft keine Arznei finden, die etwas am Fortschreiten der Krankheit ändern würde. Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts sind 146 Versuche gescheitert, wie aus einem jüngsten Branchenbericht hervorgeht. Sogar Medikamente, die helfen, die Ablagerungen im Gehirn von Patienten mit Alzheimer zu beseitigen, haben sich bis jetzt nicht als erfolgreiches Mittel zum Stopp des geistigen Verfalls erwiesen.

Sieben Faktoren, die Alzheimer begünstigen
Alzheimer-Risiken minimieren
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Wer sich an bestimmten Stellen um eine gesündere Lebensweise bemüht, kann damit einer neuen Studie zufolge die Gefahr einer Alzheimer-Erkrankung merklich senken. Wie eine Untersuchung des Instituts für öffentliche Gesundheit an der Universität im britischen Cambridge herausfand, sollten dafür vor allem sieben Faktoren in den Blick genommen werden.

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Diabetes
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Eine Diabetikerin spritzt sich Insulin: Diabetes ist nur eine von mehreren Ursachen, die eine Alzheimererkrankung begünstigen. Eine gesunde Lebensweise kann helfen, das Diabetes vorzubeugen.

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Bluthochdruck weltweit größte Gesundheitsgefahr
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Schon Bluthochdruck allein ist eine große Gesundheitsgefahr. Im Zusammenhang mit Alzheimer-Erkrankungen zählt er laut Studie zu einem der wesentlichen bekannten und begünstigenden Faktoren. Aber auch genetische Vorbedingungen und äußere Einflüsse prägen das persönliche Risikoprofil.

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Mehr als halbe Milliarde Menschen zu dick
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Studienleiterin Carol Brayne erklärt, dass es wichtig sei, die Faktoren nicht isoliert zu sehen, sondern Zusammenhänge wie etwa zwischen Bewegungsmangel und Übergewicht zu berücksichtigen.

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Stressbewältigung und Burn-Out
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Die Wissenschaftler der Universität Cambridge gehen davon aus, dass Depressionen ebenfalls das Auftreten von Alzheimer begünstigen. Die Studie besagt, dass die Zahl der Alzheimer-Patienten weltweit von etwa 30 Millionen im Jahr 2010 auf rund 106 Millionen im Jahr 2050 steigen wird.

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Rauchen
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Weniger – oder besser gar nicht – zu rauchen, mildert das Risiko, im Alter an der „Krankheit des Vergessens“, wie ihr Entdecker Alois Alzheimer sie nannte, zu leiden. Die Alzheimer-Krankheit kann vor dem 50. Lebensjahr auftreten, ihre Häufigkeit steigt aber mit dem Alter stark an. Nur zwei Prozent erkranken vor dem 65. Lebensjahr. Bei den 85- bis 89-Jährigen leidet jeder Vierte an Demenz, bei den über 90-Jährigen jeder Dritte.

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Mangelnde Bildung
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Als siebten Faktor identifizierten die britischen Forscher mangelnde Bildung. Ihren Berechnungen nach könnten 8,5 Prozent der für das Jahr 2050 erwarteten Alzheimer-Fälle, also etwa neun Millionen, vermieden werden, wenn bei jedem der genannten sieben Faktoren die Risiken um zehn Prozent gesenkt werden. Quelle: afp

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Vielleicht, weil sie zu spät eingesetzt wurden, wie Reiman sagt - so, als ob man bei einem Menschen das Cholesterin nach einer Herzattacke senken würde, die bereits unumkehrbare Schäden angerichtet hat. „Wir haben auf schmerzliche Weise gelernt, dass wir sehr, sehr, sehr früh ansetzen müssen, wenn wir wirklich eine Therapie finden wollen, die etwas an der Krankheit ändert“, sagt auch Eliezer Masliah, Chef für Neurowissenschaft am in Maryland ansässigen Nationalen Alterungsinstitut NIA.

Seine Einrichtung beteiligt sich an der Finanzierung der Studien. Geld geben auch die Alzheimer's Association, mehrere Stiftungen sowie Novartis und Amgen, Hersteller von zwei experimentellen Medikamenten, die getestet werden. Ziel ist es, die frühesten Schritte bei der Bildung von Ablagerungen zu blocken – in Menschen, die keine Symptome von Demenz zeigen, aber aufgrund ihres Alters und eines bestimmten Gens ein höheres Erkrankungsrisiko aufweisen.

Wer teilnehmen will, muss sich zunächst in GeneMatch einschreiben. Das ist ein vertrauliches Register von Menschen, die an einer freiwilligen Teilnahme an verschiedenen Alzheimerstudien interessiert sind. Die Anwärter müssen zwischen 55 und 75 Jahre alt sein, und es darf bei ihnen bisher kein Anzeichen für das Einsetzen geistigen Verfalls festgestellt worden sein.

Sie werden auf das ApoE4-Gen hin untersucht, das Menschen nicht zwangsläufig zur Entwicklung von Alzheimer verurteilt, aber das Risiko erhöht. Ungefähr jeder Vierte besitzt eine Kopie dieses Gens, etwa zwei Prozent haben zwei, je eines von beiden Elternteilen.

Das Register besteht seit drei Jahren, und nach Angaben von Jessica Langbaum, einer der Banner-Studien-Leiterinnen, haben sich bisher mehr als 70.000 Menschen eingetragen. Die meisten von ihnen hätten persönlich miterlebt, was die Krankheit anrichte, bei einem Familienmitglied oder anderen ihnen nahestehenden Personen.

Langbaums 67-jährige Mutter Ivy Segal ließ sich per Wangenabstrich eine DNA-Probe abnehmen und schrieb sich im August ins Register ein. Ihr Vater war ein Patient im Banner-Institut und starb 2011 im Alter von 87 Jahren an Alzheimer. Mitzuerleben, was die Krankheit aus dem Mann gemacht habe, sei verheerend gewesen, schildert Segal.

Teilnehmer der Studien erhalten über mehrere Jahre hinweg experimentelle Medikamente oder Placebos. Sie werden in Abständen Gehirn-Scans unterzogen, und alle sechs Monate wird ihr Erinnerungs- und Denkvermögen getestet.

Eine Studie konzentriert sich auf Menschen mit zwei Kopien des Gens. Die einen erhalten alle paar Monate Injektionen eines Mittels, das dem Immunsystem helfen soll, Plaque vom Hirn zu entfernen. Die anderen nehmen täglich Tabletten eines Medikaments, das frühe Schritte einer Plaque-Bildung verhindern soll. Eine dritte Gruppe erhält Placebo-Versionen dieser experimentellen Medikamente.

Die zweite Studie umfasst Menschen, die entweder zwei ApoE4-Kopien haben oder eine plus nachgewiesene Anzeichen für beginnende Entwicklung von Plaque. Sie erhalten eine von zwei Dosen des Mittels zur Verhinderung von Plaque-Bildung oder Placebo-Tabletten.

Larry Rebeneck aus Surprise, einem Vorort von Phoenix, hat sich im August in GeneMatch eingeschrieben. „Ich habe miterlebt, wie es mit vielen Freunden und Bekannten bergab gegangen ist“, schildert der 71-Jährige.

Einer von ihnen etwa habe plötzlich aufgehört, an einem Stoppschild auf dem Weg zum Golfplatz anzuhalten – an einer Strecke, die sie seit Jahren sicher befahren hätten. Ein anderer habe nicht nur vergessen, wo er sein Auto geparkt habe, sondern auch, um welche Art von Fahrzeug es sich handelte.

„Es ist eine Krankheit, die jeden Tag etwas von dir wegnimmt“, sagt Rebeneck. Er hat sich entschlossen, herauszufinden, ob er das Gen aufweist, wenn ihm die Forscher die Gelegenheit dazu geben. „Es ist wie jedes andere Stück Information“, sagt der Senior. „Es hilft dir, dein Leben zu planen, und das bist du auch allen deinen Lieben schuldig.“

  • ap
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