Medizin Mit Gedanken Handprothesen steuern

Die Zerstörung eines wichtigen Nervenstrangs ist wie eine „innere Amputation“. Drei Männern, die nach Unfällen ihre Hände nicht mehr nutzen konnten, haben Ärzte nun in einem äußerst aufwendigen Verfahren geholfen.
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Oskar Aszmann, Leiter des Christian Doppler Labors für Wiederherstellung von Extremitätenfunktionen an der Medizinischen Universität Wien. Sein Team führte die Behandlung der drei Männer durch. Quelle: dpa
Bionische Rekonstruktion

Oskar Aszmann, Leiter des Christian Doppler Labors für Wiederherstellung von Extremitätenfunktionen an der Medizinischen Universität Wien. Sein Team führte die Behandlung der drei Männer durch.

(Foto: dpa)

WienAllein mit der Kraft ihrer Gedanken können drei in Österreich operierte Patienten ihre Handprothesen bewegen. Bei den drei Männern sei eine sogenannte bionische Rekonstruktion gelungen, schreibt das Team der Medizinischen Universität Wien im Fachblatt „The Lancet“. Durch Motorrad- und Kletterunfälle war bei den Männern das Armnervengeflecht zerstört worden, das unter anderem die Hand steuert.

Bei der bionischen Rekonstruktion wird ein Muskel aus dem Oberschenkel als Signalverstärker für die vorhandenen Nerven in den Unterarm transplantiert. Da die Männer schon seit Jahren ihre Hände nicht mehr nutzen konnten, mussten sie ihr Gehirn für diese Art neuronaler Signale monatelang trainieren.

Dann wurden ihnen die funktionslosen Hände amputiert und durch Prothesen ersetzt. Auf den bei anderen Methoden üblichen Einsatz von Elektroden zur Steuerung der Prothesen verzichten die Ärzte. Vielmehr sei bei dem komplexen neuromuskulären Eingriff „eine interaktive Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine“ entstanden, so Oskar Aszmann von der Medizinischen Universität Wien.

Zelltherapie lässt Gelähmten wieder gehen
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Darek Fidyka im Park des Akron Neuro-Rehabilitationszentrums in Wroclaw (Polen). Vor vier Jahren war sein Rückenmark durch eine Messerattacke schwer geschädigt worden, Fidyka war gelähmt. Dank einer neuartigen Behandlungsmethode kann er heute wieder laufen.

huGO-BildID: 39875792 In an undated handout picture released by the British Broadcasting Corporation (BBC) British professor Geoff Raisman, chair of
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Geoff Raisman vom University College London gehörte zu dem Team aus britischen und polnischen Medizinern, das Darek Fidyka behandelte.

huGO-BildID: 39875796 In an undated handout picture released by the British Broadcasting Corporation (BBC) Pawel Tabakow, consultant neurosurgeon at
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Pawel Tabakow von der Universität in Wroclaw leitete das Chirurgenteam, das dem Patienten Nervenzellen aus der Nase ins verletzte Rückgrat verpflanzte.

huGO-BildID: 39875801 In an undated handout picture released by the British Broadcasting Corporation (BBC) Professor Wagih el-Masri (L), a surgeon an
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Seine ersten Schritte machte Darek Fidyka (r.) an einem Barren.

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Heute kann er mit einer speziellen Gehhilfe wieder ohne fremde Unterstützung gehen.

huGO-BildID: 39875807 In an undated handout picture released by the British Broadcasting Corporation (BBC) Bulgarian man Darek Fidyka (R), who suffer
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Neurologe Geoff Raisman (hier l. mit Tabakow und Fidyka) schätzt den Behandlungserfolg höher ein als einen Spaziergang auf dem Mond: „Ich glaube, das ist der Augenblick, in dem eine Lähmung rückgängig gemacht werden kann.“

Inzwischen können die Männer alltägliche Dinge wie das Zuknöpfen von Hemden oder das Einschenken einer Tasse wieder selbst leisten. Sie könnten nicht nur weitgehend in den Alltag zurückkehren, sondern hätten auch kaum mehr Schmerzen, so Aszmann. „Die Betroffenen verspüren oft starke Phantomschmerzen. Diese verschwinden durch die bionische Rekonstruktion, da das Phantom durch die wieder gewonnene Funktionalität der Hand ersetzt wird.“

Erstmals angewandt wurde das Konzept der bionischen Rekonstruktion von Aszmann im Jahr 2009. Die Medizinische Universität Wien gilt als weltweit einziger Ort, an dem diese Technik angewandt wird.

Die britischen Transplantations-Experten Simon Kay und Daniel Wilks aus Leeds warnen allerdings vor zu großen Hoffnungen. „Die aktuellen Ergebnisse sind ermutigend“, schrieben sie in einem Kommentar. Das Verfahren sei ein zusätzlicher Ansatz, Nervenreize und Prothesen zueinanderzubringen.

Allerdings müsse die langfristige Bilanz für eine Einschätzung abgewartet werden. Dazu zähle auch, wie oft und unter welchen Umständen die Patienten ihre Prothese nutzten.

  • dpa
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