Medizin Mit Nanotechnik Zahnbakterien abwehren

Immer mehr Menschen entscheiden sich für Implantate als Zahnersatz: Mit Nanotechnik wollen Karlsruher Forscher die Kunstzähne noch besser machen.
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Bakterien versuchen an einer Oberfläche mit der neu entwickelten Nanostruktur anzudocken. (Foto: Patrick Doll, KIT)
Nanotechnik unter dem Mikroskop

Bakterien versuchen an einer Oberfläche mit der neu entwickelten Nanostruktur anzudocken. (Foto: Patrick Doll, KIT)

BerlinDer Trend geht zum implantierten Lückenfüller: Trotz vergleichsweise hoher Kosten entscheiden sich Patienten immer häufiger für Implantate als Zahnersatz. Laut der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) lassen sich pro Jahr mehr als eine Million Menschen in Deutschland mit einem Zahnimplantat versorgen – Tendenz steigend.

Tatsächlich haben Implantate viele Vorteile: Sie sitzen fest im Kiefer und können daher nicht verrutschen wie ein herausnehmbarer Zahnersatz. Sie sind belastbar, meist gut verträglich und fühlen sich im Mund nach einer kurzen Gewöhnungszeit genauso an wie natürliche Zähne. Zudem verhindern sie den Knochenabbau im Kiefer, der bei Zahnverlust immer droht.

Doch wie jeder Eingriff sind auch Zahnimplantate nicht ganz ohne Risiko. So können sich im Wundbereich Bakterien ansiedeln und Entzündungen verursachen. Im schlimmsten Fall droht der Abbau von Knochensubstanz im Kiefer bis hin zum Verlust des Implantats.

Die größten Irrtümer bei der Zahnpflege
Gründliches Schrubben reinigt die Zähne vollständig
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oDieses Gerücht ist falsch. "Starkes Schrubben schadet eher. Das Zahnfleisch schwindet und das Zahnbein wird zusätzlich abgetragen, was wiederum offene Kanälchen zur Folge hat", erklärt Jochen Schmidt, Zahnarzt am Caree Dental in Köln. Gleiches gilt für harte Borsten. Der Experte rät deshalb zu elektrischen Zahnbürsten mit Druckkontrolle. Wer beim Zähneputzen vorsichtig ist und sanfte, kreisförmige Bewegungen macht, kann laut dem Experten nicht viel falsch machen.

Bei Karies muss immer gebohrt werden
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Ob gebohrt werden muss, hängt vom Einzelfall ab. Die sogenannte Infiltrationsmethode stellt beispielsweise eine sanfte Alternative zum Bohren dar. Insbesondere Angstpatienten und Kindern wird die behutsame Methode von immer mehr Zahnärzten empfohlen. Schmidt erklärt: "Hierbei wird die kariöse Stelle mit einem Ätzgel aufgeraut, dann mit einem farblosen Kunststoff-Gel aufgefüllt und versiegelt. Geeignet ist dieses Verfahren jedoch nur bei leichter Karies.“

Parodontitis schadet nur den Zähnen
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Leider ist auch diese Behauptung nicht richtig. Eine regelmäßige Zahnpflege ist nicht nur für die Zähne unerlässlich. Vermehrte Bakterien im Mundraum können neben Zahnfleischentzündungen und Parodontose laut dem Experten auch Gefäßverkalkungen und Herzinfarkte hervorrufen. In diesen Fällen geraten die Keime aus dem Zahnfleisch in die Blutbahn.

Nach dem Essen sofort die Zähne putzen
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Diese Aussage ist nicht nur ein großer Irrtum – mit diesem Verhalten schaden wir unseren Zähnen sogar. "Vor allem nach dem Verzehr säurehaltiger Lebensmittel wie Obst und Limonaden ist es besser, 30 Minuten warten", sagt Schmidt. Der Grund: Die Säure greift den Zahnschmelz an. Bis der Zahnschmelz vom Speichel wieder mit einer Schutzschicht überzogen ist, dauert es etwa 30 Minuten. Danach kann wieder geschrubbt werden, was das Zeug hält.

Regelmäßiges Zähneputzen reicht aus
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Eine herkömmliche Zahnbürste kann nur etwa Dreiviertel der Zahnoberfläche reinigen. In den Zahnzwischenräumen, in denen Karies häufig entsteht, bleiben Essensrückstände. "Deshalb ist Zahnseide unverzichtbar. Und das nicht nur abends vor dem Schlafengehen, sondern am besten nach jeder Mahlzeit", sagt Schmidt.

Zähneknirschen ist harmlos
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Ein großer Irrtum. Beim Zähneknirschen ist der Druck auf Zähne und Kiefergelenke zehn Mal höher als beim alltäglichen Kauen. „Dieser enorme Druck schadet den Zähnen. Entzündungen der Kiefergelenke, Kopf- oder Nackenschmerzen sind mögliche Folgen", warnt Schmidt. Kunststoffschienen, die in der Nacht getragen werden, können nachhaltige Schäden verhindern. Die Bayerische Landesärztekammer (BLZK) empfiehlt, den Ursachen der Symptomatik zusätzlich auf den Grund zu gehen, um das Knirschen richtig zu behandeln. Nicht selten sind Depressionen oder Stress Auslöser für den ungewöhnlich hohen Druck auf die Zähne.

Um den Löffelabdruck kommen Patienten nicht herum
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Die erfreuliche Nachricht zuerst: Der von vielen Patienten gefürchtete Löffelabdruck lässt sich durch neuartige Oralscanner vermeiden, die digitale Aufnahmen anfertigen. Möglich ist dies allerdings nur, wenn es sich bei den betroffenen Zähnen nicht um Implantate oder Teilprothesen handelt. Ist letzteres der Fall, müssen Patienten laut Schmidt nach wie vor mit dem klassischen Abdruck Vorlieb nehmen, der häufig einen Würgereiz auslöst.

Haupteinfallstor für Bakterien ist das sogenannte Abutment, also das Verbindungsstück zwischen der als Wurzelersatz im Kiefer verankerten Schraube und der sichtbaren Zahnkrone. An diesem Teil des Implantats wächst das Zahnfleisch mitunter nicht richtig an. Dadurch können sich Taschen bilden, über die Bakterien bis zum Kieferknochen gelangen.

Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben nun ein Verfahren entwickelt, um diese Schwachstelle weniger anfällig zu machen. Dazu nutzen sie einen sogenannten Elektronenstrahlschreiber, mit dem sich winzigste Strukturen auf ein Medium übertragen lassen, um die Oberfläche des Abutments mit feinsten Säulen zu überziehen.

Die nur 500 Nanometer hohen Strukturen machen es Bakterien schwerer, sich an dem Implantat anzuhaften und eine besonders hartnäckige Kolonie, einen sogenannten Biofilm, zu bilden. Gleichzeitig wird über die Strukturen das Wachstum der Zellen im Bereich der Wunde so gesteuert, dass sich das Zahnfleisch enger um das Implantat legt – das Einfallstor wird also dauerhaft geschlossen.

„Wir glauben, dass dieser strukturelle Ansatz zukunftsweisend ist“, so KIT-Forscher Patrick Doll. Dies umso mehr, als die Technik auch auf Gebiete außerhalb der Zahnmedizin übertragbar sein dürfte, Knochenimplantate etwa oder künstliche Gelenke. Vorher muss sich das bislang nur im Labor erprobte Verfahren allerdings noch im klinischen Test bewähren.

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