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Medizin Neue Technologien mischen den Impfstoff-Markt auf

Der Bedarf an neuartigen Mitteln ist nicht nur wegen der Coronavirus-Pandemie hoch. Der Markt für Impfstoffe könnte sich in Zukunft stark verändern.
22.04.2020 - 18:02 Uhr Kommentieren
Die Impfstofftechnik hat sich im Laufe der Jahrzehnte weiterentwickelt. Quelle: BioNTech SE
Labor von Biontech

Die Impfstofftechnik hat sich im Laufe der Jahrzehnte weiterentwickelt.

(Foto: BioNTech SE)

Frankfurt „Abgesehen von sauberem Trinkwasser hat nichts die Sterblichkeit der Menschen so stark reduziert wie die Immunisierung“, ist der Infektionsforscher Paul Heath von der Londoner St.-Georges-Universität überzeugt. Impfstoffe gelten, noch vor Antibiotika, als wirkungsvollste und zugleich effizienteste Waffe gegen Infektionskrankheiten. Das dürfte auch für die Covid-19-Pandemie gelten – wenn es denn gelingt, wirksame Impfstoffe zu entwickeln.

Das Grundprinzip besteht dabei stets darin, das Immunsystem vorbeugend gegen bestimmte Bestandteile der Erreger, sogenannte Antigene, zu aktivieren. Bislang hat die Pharmaindustrie Impfstoffe gegen gut zwei Dutzend Infektionskrankheiten hervorgebracht.

Nach Schätzung der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) hat der Einsatz von Impfstoffen seit 1994 mehr als 300 Millionen Erkrankungen vermieden und damit mehr als 1,3 Billionen Dollar an Kosten für Gesundheitssysteme und Gesellschaft erspart.

Der Bedarf bleibt dennoch hoch, und dies nicht nur wegen Covid-19. Seit 1980 wurden rund 80 weitere krankheitserregende Viren identifiziert, darunter viele, für die bisher noch keine Impfstoffe zur Verfügung stehen. Dabei hat sich auch die Impfstofftechnik im Laufe der Jahrzehnte weiterentwickelt, sodass inzwischen mehrere Verfahren zur Verfügung stehen.

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    1. Tot- und Lebendimpfstoffe

    Bei dieser klassischen Impfstoffvariante wird eine durch Bestrahlung oder Chemikalien abgetötete oder abgeschwächte Variante des Erregers geimpft. Der Vorteil besteht darin, dass einmalige Impfungen relativ starke Immunantworten erzeugen können. In Einzelfällen kann es bei den Lebendimpfstoffen indes passieren, dass dabei eine krankhafte Infektion auftritt.

    2. Protein-basierte Impfstoffe

    In diesem Fall werden nicht komplette Viren geimpft, sondern nur einzelne, besonders relevante Eiweißbestandteile (Proteine), die eine Immunreaktion provozieren. Infektionen können dabei nicht ausgelöst werden. Häufig müssen solche Impfstoffe aber durch Zusatzstoffe, sogenannte Adjuvantien, verstärkt werden.

    3. Virale Vektoren

    Dabei handelt es sich um harmlose Viren, die man als gefährliche Erreger verkleidet. Dazu werden sie gentechnisch so modifiziert, dass sie Bestandteile des eigentlichen Erregers enthalten.

    4. Genbasierte Impfstoffe

    Die jüngste der Impftechnologien setzt darauf, die Körperzellen selbst als Impfstofffabriken zu nutzen. Mit speziell aufbereiteter DNA oder Messenger-RNA (mRNA) werden die Zellen dazu gezielt angeregt, Antigene des Erregers zu produzieren, auf die wiederum die Immunzellen mit einer Immunantwort reagieren.

    Noch sind solche RNA- oder DNA-Impfstoffe auf dem Markt nicht zugelassen. Die Forschung auf dem Gebiet machte in den letzten Jahren jedoch deutliche Fortschritte und könnte damit auch neuen Akteuren den Weg in das globale Impfstoffgeschäft ebnen.

    Derzeit wird der etwa 35 Milliarden Dollar große und relativ kräftig wachsende Impfstoff-Markt von vier großen Pharmakonzernen beherrscht: der britischen Glaxo-Smithkline, den US-Konzernen Pfizer und Merck & Co. sowie der französischen Sanofi. Sie dürften über 80 Prozent des Markts bestreiten.

    Die neuen Technologien werden den Markt aber deutlich erweitern, schätzt Stephane Bancel, Chef der US-Firma Moderna, die als Hauptkonkurrent von Biontech ebenfalls an einem Covid-19-Impfstoff auf RNA-Basis arbeitet. Das Umsatzpotenzial für diesen sowie vier weitere in Entwicklung befindliche Impfstoffe sieht Bancel bei 6,5 bis zwölf Milliarden Dollar.

    Mehr: Corona-Impfstoff: Biontech erhält erste Zulassung für klinische Studie in Deutschland

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