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Medizin Viele Erwachsene leiden ohne ihr Wissen an ADHS

Auch Erwachsene leiden an der psychischen Störung ADHS. Im Job oder privat fangen sie ständig neue Sachen an, ohne etwas zu Ende zu bringen. Viele wissen nicht, dass sie betroffen sind und Ärzte ihnen helfen können.
27.08.2012 - 14:56 Uhr 14 Kommentare
Innere Anspannung und Unruhe sowie Emotions-Ausbrüche sind Kennzeichnen von ADHS. Die psychische Störung kommt auch im Erwachsenenalter vor. Quelle: dpa

Innere Anspannung und Unruhe sowie Emotions-Ausbrüche sind Kennzeichnen von ADHS. Die psychische Störung kommt auch im Erwachsenenalter vor.

(Foto: dpa)

Trier Nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene leiden an der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung ADHS. Viele von ihnen wüssten aber gar nicht, dass sie betroffen seien, sagt der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier, Alexander Marcus, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Er schätzt, dass bundesweit zwei bis drei Prozent der Erwachsenen derartige Probleme mit Konzentration und Aufmerksamkeit haben. „Dass ADHS auch im Erwachsenenalter eine große Rolle spielt, ist erst in den letzten Jahren so bewusstgeworden. Ursprünglich ist man davon ausgegangen, Ende der Pubertät lässt das nach.“

Die erkennbare motorische Unruhe lasse zwar nach. Es bleibe jedoch die „innere Anspannung, diese Ablenkbarkeit, diese Unruhe, das Sich-Nicht-Dauerhaft-Mit-Etwas-Auseinandersetzen-Können“, erläutert der 61-Jährige, der derzeit mehr als 100 ADHS-Patienten in der Klinik betreut. Beispiele könnten etwa sein: Eine Hausfrau fängt ständig neue Tätigkeiten an, ohne etwas zu Ende zu bringen. Ein Jugendlicher, der eine Ausbildung nach der anderen abbricht. Und ein Erwachsener, der einen Job nach dem anderen annimmt. „Man setzt sich ständig unter Druck und denkt, man leistet nichts. Dabei hat man unheimlich viel gemacht, nur nichts zu Ende gebracht.“

Bei Erwachsenen mit einer ADHS-Störung bestehe zudem eine höhere Gefahr, drogenabhängig zu werden oder mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. „Es wird einfach ausprobiert, ohne sich über mögliche Konsequenzen im Klaren zu sein“, sagt der Mediziner. Im Geschäft wolle man eigentlich bezahlen, habe es an der Kasse aber schon wieder vergessen. „Das glaubt einem niemand.“ Würden diese Fälle erkannt und richtig behandelt, könnte man nicht nur Betroffenen helfen, sondern auch Straftaten vermeiden. Eine Behandlung bestehe meist aus einem Mix aus Therapie, Beratung und Medikamenten.

Die ADHS-Störung trage man seit seiner Kindheit in sich, sagt Marcus. Aber: „Je schlauer jemand ist, desto später fällt es auf.“ Über lange Zeit könne sie kompensiert werden - wenn man dann im Studium aber für ein Examen lernen müsse: „Dann geht es plötzlich nicht mehr. Das kriegt man nicht hin.“ Bei Kindern schätzt der Experte den Anteil von Betroffenen mit ADHS auf fünf bis sechs Prozent.

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    Hinter ADHS verberge sich oft mehr als eine verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, meint der Chefarzt. Viele hätten auch „ein Riesenproblem“, Emotionen zu regulieren. „Sie sind plötzlich traurig, wütend, zornig oder ängstlich, ohne dass es dafür einen Auslöser gibt.“ Sie könnten in Gesprächen nicht zuhören und vergäßen Termine. Leider sei es heute noch schwer, einen Arzt für die Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter zu finden. „Es gibt immer noch eine zu geringe Zahl.“

    • dpa
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    14 Kommentare zu "Medizin: Viele Erwachsene leiden ohne ihr Wissen an ADHS"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Leider hat man als ADSler nicht nur mit den ADS typischen Problemen zu kämpfen, sondern auch noch mit den Vorurteilen
      der Mitmenschen. Zu Eurer Information:In meiner Kindheit hatten meine Eltern noch gar keinen Fernseher, ich habe mich stets normal ernährt und war täglich draußen an der frischen Luft und dennoch habe ich ADS. Gezappelt habe ich übrigens nie.

    • Vielleicht sollte man mal die Betroffenen fragen, die seit Jahren / Jahrzehnten fehldiagnostiziert und somit falsch behandelt waren und nun durch die korrekte Diagnose ADHS endlich effektive Unterstützung bekommen,- die im Übrigen nicht nur aus Medikamenten besteht.

    • Ja, eine wunderbare und effektive Art und Weise der Psychiatrie neue Pfründe für die Pharmaindustrie zu erschließen. Man muss zunächst eine Krankheit erfinden, die auf ungefähr jeden Menschen zutrifft, dann muss man die riesige Werbetrommel bearbeiten, bis die Leute sich überprüfen und feststellen, ja, ich bin häufig zappelig, nervös, unausgeglichen. Also brauche ich auch Ritalin. Ist ja auch einfacher als weniger fernzusehen, die Diät umzustellen, seinen Lebenswandel zu ändern. Die Pille ist da der leichte Weg hinaus, und der Arbeitgeber und die Krankenkassen erkennen mein Krankheitsbild voll an. Super! Nur ab jetzt habe ich dann meine Ursache im Leben an die Pharmaindustrie abgegeben.

    • Ob es sich in jedem einzelnen Fall wirklich um ADHS im Erwachsenenalter handelt oder nur um einen Marketing-Gag von Psychiatrie und Pharma-Industrie, wäre noch zu eruieren. Schon bei Kindern wird Ritalin derart leichtfertig verschrieben, teils weil der Arzt keine Lust oder Kompetenz hat, ordentlich die tatsächliche Ursache zu diagnostizieren, teils weil einige Erwachsene Ruhe vor dem Kind haben wollen, teils weil es einfach Mode ist.

    • Wieder mal Werbung der Psychiatrie und der Psychopharmaindustrie um an mehr Patienten und damit Einkommen zu kommen. Geholfen hat die Psychiatrie noch nie jemanden, außer dem eigenen Geldbeutel.

    • ADS ist natürlich "überdiagnostiziert". Liegt daran, dass die Symptome auch andersweitig hervorgerufen und verstärkt werden können.

      Trotzdem handelt es sich bei der Krankheit (ja, nichts anderes ist es) vor allem um fehlende Transmitter im Hirn. Da kann jemand genauso wenig für, wie für ein fehlendes Bein oder ähnliches. Und nur weil es nicht offensichtlich ist, können trotzdem Leute unter dieser Sache leiden.

      Ich bekomme regelmäßig das Kotzen, wenn ich die Presseberichte so lese...eine vernünftige Aufklärungsarbeit ist lange überfällig.

      Ein Medikament (ob nun Ritalin oder andere) ist nichts weiter als die Krücke, die einem ermöglicht mit der ständigen "Behinderung" besser leben zu können und Strategien zu entwickeln sein Leben zu ordnen.

    • und bildungsmäßig ist DE für ADHSler überhaupt nicht geeignet. Viel zu starr und unflexibel. Warum braucht man für bestimmte Fernstudiengänge einen bestimmten Beruf??? Was soll das? Man lernt eh wieder alles neu -- die Vorkenntnis braucht man nicht. Eine Frechheit!

      und wieso kann man in anderen Ländern in einen nicht zur Vorbildung passenden Master, in dem man nur wenige Zusatzmodule vorher belegt, in DE aber nicht??

      ich brauch anderswo nur ein paar Zusatzmodule und komm rein. In DE muss alles immer passen wie mit Schlüssel-Schloss-Prinzip.

      dann ist nichts vorheriges anrechenbar. Anderswo sind vorherige Bildungsmaßnahmen voll anrechenbar für weiteres.

      DE ist in Bildungsdingen für Berufesammler viel zu unflexibel und starr. Man wird hier regelrecht in Berufen festgetackert und in Tätigkeiten - ist ja abartig

      Das wollt ich schon immer mal gesagt haben!








    • ich vermute das zu haben. Ich bin aber auch motorisch unruhig. So unruhig, dass ich in einer Vorlesung angesprochen wurde, ich möge bitte die Beine stillhalten, man sei schon ganz nervös von meinem Gezappel

      ich seh mich selbst als Berufesammler.

      ich brauch die gar nicht, ich sammel die nur. Fühl mich schnell gelangweilt überall. Ich lern gerade den 3., will danach aber was neues studieren, also schon wieder die Richtung/das Fach wechseln. Langfristig hab ich noch etwas anderes ins Auge gefasst.

      für mich wär sowas wie ein Rotationsprinzip/Personalpool gut. Also das man ganz leicht innerhalb von einer Firma mal Stellen wechseln kann, oder einfach tauschen kann mit jemanden. Natürlich muss die Bezahlung aber gleich gut sein.

      aber da Arbeitnehmer in DE eh nur Sklaven sind, interessiert das ja keinen.

      Dann wird man einfach rausgeschmissen und gut ist.
      Deshalb werde ich mich wohl selbständig machen nachher -- nach dem gewechselten Master/Zweitstudium - je nach dem.

      ab ca. 38 kriegt man in der BRD auch keine Stelle mehr: zu alt.

    • Frank, Sie haben recht. ADHS IST eine Krankheit und ich freue mich für Sie, dass Sie mit Ihrer medikamentösen Einstellung nach 32 Jahren ein ausgeglicheneres Leben führen können.
      Was aber unmöglich sein kann, ist, dass 80 Prozent aller Erwachsenen und Kinder an dieser Krankheit leiden.

    • Frank, Sie haben recht. ADHS IST eine Krankheit und ich freue mich für Sie, dass Sie mit Ihrer medikamentösen Einstellung nach 32 Jahren ein ausgeglicheneres Leben führen können.
      Was aber unmöglich sein kann, ist, dass 80 Prozent aller Erwachsenen und Kinder an dieser Krankheit leiden.

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