Medizin Wundheilung mit Drachenblut

Das Blut des Komodowarans macht zwar nicht unverwundbar, aber es ist trotzdem ein besonderer Saft: Es enthält Bestandteile, die vor gefährlichen Bakterien schützen. Forscher wollen das auch für Menschen nutzbar machen.
Die größte lebende Echse besitzt starke Abwehrkräfte gegen Krankheitskeime.
Komodowaran

Die größte lebende Echse besitzt starke Abwehrkräfte gegen Krankheitskeime.

BerlinDrachentöter Siegfried badete einst im Blut des von ihm erlegten Lindwurms, um so unverwundbar zu werden. Genützt hat es ihm bekanntlich wenig, was allerdings nicht am Drachenblut selbst lag. Das nämlich ist tatsächlich ein ganz besonderer Saft, wie Wissenschaftler der George Mason University im US-Bundesstaat Virginia jetzt herausgefunden haben.

Die Forscher um Mikrobiologin Monique van Hoek nahmen das Blut moderner Drachen genauer unter die Lupe: Komodowarane (engl. „Komodo Dragon“), die größten heute noch lebenden Echsen. Im Auftrag der Defense Threat Reduction Agency, einer Behörde des US-Verteidigungsministeriums, sollten die Wissenschaftler nach neuen Wirkstoffen zur Bekämpfung gefährlicher Krankheitskeime suchen, um US-Soldaten künftig besser vor Attacken mit biologischen Kampfstoffen zu schützen.

Exotische Giftmischer im Tierreich
Komodowaran
1 von 10

Mundgeruch macht einsam, heißt es plakativ. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum Menschen sich tunlichst vom Maul der indonesischen Komodowarane (Varanus komodoensis) fernhalten sollten. Die vor allem auf der Insel Komodo beheimateten Echsen sind veritable Jäger, die auch deutlich größere Beute wie Hirsche oder Büffel überwältigen können - und auch vor Angriffen auf den Menschen nicht zurückschrecken.

Lange dachten Wissenschaftler, dass ein tödlicher Bakteriencocktail aus dem Speichel die Waffe der Tiere wäre: Er sollte eine letale Blutvergiftung auslösen. Erst vor wenigen Jahren erkannte man dann jedoch, dass die Warane ebenfalls mit Gift arbeiten: Eine Analyse ihres Toxindrüseninhalts ergab eine Mixtur aus Proteinen, die sowohl die Blutgerinnung hemmt als auch Muskelstarre und Bewusstlosigkeit hervorruft.

Sporngans
2 von 10

Erfahrene Jäger in Westafrika wissen: Hände weg von der Sporngans (Plectropterus gambensis). Denn dieses Geflügel ist hier oft völlig ungenießbar – und eine Mahlzeit kann im Extremfall tödlich enden. Zur Hauptmahlzeit dieser in weiten Teilen Afrikas beheimateten Glanzentenart gehören bestimmte Ölkäfer, die wiederum ein hochpotentes Gift namens Cantharidin produzieren.

Und das macht die Gans ganz schön giftig. Trotzdem wurde es früher in sehr geringen Dosen als Aphrodisiakum verwendet, da es die Genitalien anschwellen lässt. Doch bereits zehn Milligramm reichen aus, um einen erwachsenen Menschen zu töten. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Dick Daniels)

Schlitzrüssler
3 von 10

Verglichen mit den Reptilien oder Amphibien verfügen nur sehr wenige Säugetierarten über Gifte, die sie zur Verteidigung oder Jagd einsetzen können. Neben verschiedenen Spitzmäusen und dem Plumplori (Nycticebus kayan) – einer Primatenart – trifft dies beispielsweise auf die Schlitzrüssler zu. Diese urigen Insektenfresser leben ausschließlich in der Karibik und produzieren in einer Speicheldrüse im Unterkiefer ein potentes Nervengift.

Dieses Gift leiten sie über eine Furche in einem der unteren Schneidezähne in das gebissene Opfer und überwältigen so auch eine relativ große Beute. Ihr Toxin nützt ihnen aber leider nichts gegen Lebensraumzerstörung und eingeschleppte Arten. Die beiden überlebenden Schlitzrüsslerspezies auf Kuba und Hispaniola sind daher stark gefährdet, und erst vor wenigen Jahren entdeckten Mitarbeitern des britischen Durrell Wildlife Conservation Trust wieder einige Exemplare in Haiti. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Seb az86556)

Pfeilgiftfrosch
4 von 10

Wer im Regenwald mit besonders intensiven Farben aufwartet, deutet oft an: "Friss mich nicht, mein Gift ist tödlich!" Das gilt für den Pfeilgiftfrosch, der zu den giftigsten Tieren der Welt zählt. Sein Batrachotoxin ist so potent, dass ein typischer Frosch 10 bis 20 Menschen töten könnte. Es verhindert die Reizleitung in den Nerven und sorgt dafür, dass Muskeln sich dauerhaft zusammenziehen: Der Tod kommt dann durch einen Herzinfarkt.

Die indigene Bevölkerung des Choco-Regenwalds in Kolumbien nutzte sein Hautsekret daher lange für die Jagd mit Pfeil und Bogen, weil getroffene Beutetiere rasch verenden. Ihr Gift beziehen die Lurche aus ihrer eigenen Nahrung, toxischen Käfern und Milben, die sie gefahrlos verspeisen können. Fehlt dieses Futter wie etwa in der Terrarienhaltung, verlieren die Frösche bald ihre Gefährlichkeit.

Hundertfüßer
5 von 10

Wachsender Beliebtheit bei Terrarienfreunden erfreuen sich tropische Hundertfüßer: Bis zu 25 Zentimeter lang können diese Gliederfüßer werden, deren Anzahl an Beinpaaren stark variieren kann. Ganz unproblematisch ist ihre Haltung allerdings nicht, denn die auch Skolopender genannten Tiere sind flink, wendig, aggressiv und können schmerzhaft zubeißen.

Aus ihrem zu Giftklauen umgebauten ersten Beinpaar geben sie dann einen reizenden Cocktail ab, der Azetylcholin, Serotonin sowie Histamin beinhalten kann. Manche Arten produzieren sogar Blausäure. Das Gift ist für einen gesunden Erwachsenen normalerweise nicht tödlich, aber der Schmerz strahlt über den ganzen Körper aus, und es kann zu zeitweiligen Lähmungserscheinungen kommen. (Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Franz Winter)

Kugelfisch
6 von 10

Manche Delikatessen zu verspeisen, kann mit dem Tod enden – beispielsweise der Genuss von Fugu, einer japanischen Spezialität, die aus dem Muskelfleisch von Kugelfischen zubereitet wird. Nur speziell ausgebildete Köche dürfen sich an die Zubereitung wagen, denn neben dem ungiftigen Muskelfleisch befinden sich die giftige Haut, die Leber und die Eierstöcke des Meeresfischs.

All diese Körperteile enthalten das nach dem lateinischen Familiennamen des Tiers benannte Tetrodotoxin, das zu den potentesten natürlichen Giften der Erde gehört. Schon zehn Mikrogramm wirken letal und lähmen alle Körpernerven, aber nicht das Hirn: Man erstickt bei vollem Bewusstsein, wenn keine Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Wahrscheinlich erzeugen die Fische ihr Gift nicht selbst, sondern nehmen es über Bakterien auf. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 3.0/Chris 73)

Zweifarbenpitohui
7 von 10

Vögel sind nicht unbedingt als Gifttiere bekannt. Neben der oben erwähnten Sporngans kennt die Wissenschaft bislang nur noch sechs weitere giftige Arten – die vor allem in Neuguinea vorkommen wie dieser Zweifarbenpitohui (Pitohui dichrous) aus der Familie der Pirole.

Nur durch Zufall entdeckten Biologen, dass im Gefieder und der Haut der Vögel das von den Pfeilgiftfröschen bekannte Batrachotoxin vorhanden ist: Beim Fangen hatten die Tiere einen Forscher gekratzt, worauf dieser Körperbereich zeitweilig taub wurde. Die einheimischen Papua verschonen daher meist die Pitohui, wenn sie jagen – weil sie kaum genießbar sind. (Foto: Wikipedia/CC BY-SA 2.0/markaharper1)

Im Fokus der Forscher standen dabei sogenannte antimikrobielle Peptide – kleine Eiweißmoleküle, die sich in allen Lebewesen finden und dort als eine Art erste Abwehrfront des Immunsystems den Kampf gegen schädliche Bakterien aufnehmen. In Zeiten zunehmender Antibiotika-Resistenzen setzen Mediziner große Hoffnungen in diese Abwehrwaffen. „Synthetische Peptide sind ein möglicher neuer Ansatz, um Bakterien zu bekämpfen, die gegen die üblichen Antibiotika resistent geworden sind“, so van Hoek.

Kommodowarane sind Aasfresser und leben auch sonst in einem Bakterien-reichen Umfeld, entsprechend gut muss ihr Immunsystem mit potenziellen Krankheitskeimen umgehen können. Das machte sie für van Hoek und ihre Kollegen zu attraktiven Forschungsobjekten.

Tatsächlich konnten die Wissenschaftler mehr als 200 Peptide im Körper der Tiere nachweisen. Eines davon modifizierten sie durch Neuordnung seiner Aminosäuren und schufen so ein synthetisches Peptid mit noch stärkerer Wirkung, dem sie den Namen DRGN-1 gaben.

Hartnäckige Bakterienverbände werden bekämpft
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%