Medizinalhanf Bionorica-Eigentümer Michael Popp: Goldrausch mit Cannabis

Der Inhaber der Naturarzneifirma nutzt die Gunst der Stunde: Popp verkauft für Hunderte Millionen Euro das Geschäft mit Cannabismedizin nach Kanada.
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225,9 Millionen Euro bekommt Popp für seine Cannabis-Aktivitäten, die er in der Firma C3 zusammengefasst hat.
Michael Popp

225,9 Millionen Euro bekommt Popp für seine Cannabis-Aktivitäten, die er in der Firma C3 zusammengefasst hat.

FrankfurtMichael Popp ist ein Unternehmer, der was riskiert, wenn er an etwas glaubt. So hat es sich der Bionorica-Eigentümer jahrelang geleistet, in das Geschäft mit Cannabismedizin zu investieren, obwohl es ein millionenschweres Zuschussgeschäft war.

Der 59-jährige Pharmazeut ist andererseits auch ganz Kaufmann. Der, wenn ein Deal besonders lohnend ist, sich auch trennen kann. Deshalb hat Michael Popp eingewilligt, sein Cannabis-Geschäft mit Wirkung zum 1. Mai an die kanadische Canopy Growth Corporation zu verkaufen. 225,9 Millionen Euro bekommt Popp für seine Cannabis-Aktivitäten, die er in der Firma C3 zusammengefasst hat. Das ist mehr als das Achtfache des Umsatzes der Firma, die 2018 einen Umsatz von 27,1 Millionen Europa erzielte. Und damit doppelt so viel, wie normalerweise im Pharmamarkt bezahlt wird.

Das hat seinen Grund: Im Cannabismarkt herrscht Euphorie über die zukünftigen Wachstumsmöglichkeiten von Medizinalhanf, seit Cannabis für den therapeutischen Einsatz in Deutschland im März 2017 freigegeben wurde und immer mehr europäische Staaten über diesen Schritt diskutieren. Und davon profitiert auch Popp bei diesem Verkauf.

„Ab und zu muss man als Unternehmer auch mal ganz cool gegen seine Emotionen entscheiden“, sagt Popp und räumt ein, dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. Aber in einer Branche, die sich quasi in einer Art Goldrausch befinde, wäre Bionorica auf Dauer zu klein gewesen, um gegen die mittlerweile milliardenschwer bewertete börsennotierte Konkurrenz vor allem aus Kanada bestehen zu können.

Lukrativer Börsengang

Canopy Growth ist zwar umsatzmäßig kleiner als Bionorica (Umsatz 2018: 338 Millionen Euro), kann den Kauf aber problemlos bezahlen, seit die Firma durch den Börsengang im vergangenen Jahr rund fünf Milliarden kanadische Dollar (rund 3,3 Mrd. Euro) eingenommen hat.

An der Börse ist Canopy Growth derzeit mehr als 17 Milliarden US-Dollar wert, der Umsatz in den ersten neun Monaten des Ende März zu Ende gegangenen Geschäftsjahrs lag bei umgerechnet knapp 99 Millionen Euro.

Für Popp war es ein guter Zeitpunkt, das Geschäft um das Rezepturarzneimittel Dronabinol zu verkaufen. Hätte er es in den nächsten Jahren aus eigener Kraft weiterentwickeln wollen, beziehungsweise mit der Nachfrage Schritt halten wollen, hätte er viel Geld und Energie hineinstecken müssen. Denn C3 ist der einzige Hersteller von Dronabinol in Deutschland und Österreich, und die Zahl der Patienten hat sich binnen Jahresfrist auf 19 500 nahezu verdoppelt.

Jetzt kann Popp die Mittel und die Kapazitäten darauf konzentrieren, sein Kerngeschäft „mit Hochdruck weiterzuentwickeln“, wie er sagt. Das Potenzial für seine Naturarzneimittel ist in vielen Märkten noch längst nicht ausgeschöpft, Popp hat Pläne, in weitere Ländern zu expandieren und in bestehenden Märkten die Produktpalette auszuweiten.

So ganz verabschieden wird sich Popp aus dem Bereich aber nicht. Als Pharmazeut hat er schließlich ein wissenschaftliches Interesse an der Erforschung von Cannabis. Deshalb hat er mit Canopy eine langfristige Forschungskooperation vereinbart.

Canopy will die bisherigen Standorte der Bionorica-Tochter C3 in Neumarkt, Frankfurt und Wien mit derzeit rund 100 Mitarbeitern fortführen. Strategisches Ziel ist der schnelle und konsequente Auf- und Ausbau der internationalen Märkte.

„Diese Akquisition wird uns in die Lage versetzen, Ärzten in ganz Europa eine größere Angebotsvielfalt zu ermöglichen, unseren Absatz und unsere Geschäftspräsenz auf dem Kontinent zu erhöhen und neue Innovationen voranzutreiben“, sagt Bruce Linton, Chairman und Co-CEO von Canopy Growth.

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