Mediziner warnen Klimawandel befeuert Allergien

Der Husten und das Schniefen werden von Jahr zu Jahr schlimmer: Allergiker spüren bereits heute Anzeichen der weltweiten Erwärmung, sagen Ärzte. Und die Prognosen für die Zukunft sehen düster aus.
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Schon heute bekommen Heuschnupfengeplagte und Asthmatiker erste Folgen der globalen Klimaerwärmung zu spüren. Quelle: gms
Pollenallergie

Schon heute bekommen Heuschnupfengeplagte und Asthmatiker erste Folgen der globalen Klimaerwärmung zu spüren.

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Berlin„Papa, ich kann kaum noch atmen.“ Als Barack Obama noch zu Zeiten als US-Präsident von einem Asthmaanfall seiner Tochter Malia im Alter von vier Jahren erzählte, sprach er von schrecklichen Ängsten. Seine Tochter musste in die Notaufnahme – und er selbst hatte so etwas wie ein Aha-Erlebnis über mögliche Folgen des Klimawandels.

Schon heute bekommen Heuschnupfengeplagte und Asthmatiker erste Folgen der globalen Klimaerwärmung zu spüren. Deutsche Experten warnen vor zunehmend aggressiven Pollen insbesondere in Städten. Sie rechnen im Zuge des Klimawandels mit einer weiteren Verbreitung von Allergien und dadurch bedingtem Asthma in der Bevölkerung.

Was gegen Pollen hilft
Volksgeißel Allergie
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Allergietest

Die Nase läuft, die Augen sind gerötet - im Frühjahr liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, dass die Pollenallergie zugeschlagen hat. Doch statt einer Selbstdiagnose ist ein Allergietest sinnvoll, um Hausstaub-, Tierhaar- oder andere Allergien ausschließen zu können. Denn nur wer weiß, was er wirklich hat, kann die schlapp machenden Symptome auch richtig bekämpfen.

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A bee collects pollen from a sunflower in Utrecht
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Aktueller Pollenflug

Zu wissen, was wann fliegt, erleichtert dem Allergiker seinen Alltag. Für den langfristigen Überblick helfen Portale wie pollenflug.de. Hier steht eine Jahresübersicht der Pollen-Flugsaison zur Verfügung. Berücksichtigt werden die Durchschnittsvorkommen der einzelnen Pollen, gemittelt aus den Daten des vergangenen Jahres. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf die tagesaktuelle Berichterstattung, um zu erfahren, wie heftig die Pollen gerade in der Luft vertreten sind.

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ALLEE JOGGEN
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Sport im Freien meiden

Sind die Pollen besonders heftig unterwegs, sollten Allergiker das Freie meiden. Vor allem Sport an der frischen Luft kann dann unangenehm werden. Während der Pollensaison werden daher eher Sportarten empfohlen, die in der Halle oder im Fitness-Studio stattfinden. Die Sportkleidung sollte erst vor Ort angezogen werden, da sie schon auf dem Weg zum Sport Pollen aufnehmen kann, die dann beim Training zur Belastung werden.

Auch sind Sportarten mit heftigen Belastungsphasen wie Basketball oder Fußball nicht zu empfehlen. Sinnvoller ist es, Ausdauersport zu betreiben.

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Urlaub in der Pollenzeit buchen

Nichts wie weg! Am besten lässt sich der Pollenflug in Regionen aushalten, wo es die kleinen Quälgeister gar nicht gibt. Generell gilt, dass Küsten und Hochgebirge (ab 1500 Meter) ideale Urlaubsziele für Pollenallergiker sind. Dort wachsen zwar Gräser, aber zumeist Sauer- oder Riedgräser, die in der Regel keine Beschwerden auslösen. Auch die Tropen sind für Allergiker gute Reiseziele.

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Opel Cascada
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Achtung beim Autofahren

Kontakt zur Pollenluft lässt sich auch gut im Auto vermeiden - sofern die Fenster geschlossen bleiben und die Lüftung aus ist.

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Winterwetter auf dem Feldberg
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Pollen in der Bude

Regelmäßiges Lüften ist wichtig, um ein gutes Raumklima zu schaffen. Wer unter einer Pollen-Allergie leidet, sollte sich jedoch genau überlegen, wann er das Fenster aufreißt. Am Tag sollten die Fenster generell geschlossen bleiben. Ideal ist ein kurzes Lüften ab 23 Uhr.

Außerdem ist der Pollenflug von Region zu Region unterschiedlich. Auf dem Land ist die Konzentration vor allem am Morgen zwischen vier und sechs Uhr sehr hoch, in der Stadt eher am frühen Abend.

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Aufbauarbeiten IFA 2012
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Der richtige Staubsauger

Pollen können besonders hartnäckig sein, wenn sie sich in der Wohnung festsetzen. Regelmäßiges Putzen ist also wichtig. Allergiker sollten allerdings darauf achten, einen Staubsauger mit Feinstaubfilter zu besitzen, damit die frisch aufgesaugten Pollen nicht wieder durch die Wohnung wirbeln können.

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Tatsächlich haben sich die Bedingungen für das Pflanzenwachstum hierzulande verbessert. „Es gibt ganz klare Daten: In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Pollensaison in Deutschland schon deutlich verlängert. Aber sie ist auch intensiver geworden“, sagt der Leiter des Allergie-Centrums der Berliner Charité, Torsten Zuberbier.

Rund 15 Prozent der Deutschen leiden nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) an Heuschnupfen, knapp neun Prozent an Asthma bronchiale. Während bei Heuschnupfen die oberen Atemwege in Mitleidenschaft gezogen sind, ist es bei Asthma die Lunge: Betroffene haben zum Beispiel Anfälle von Atemnot. Nicht-allergisches Asthma kommt relativ selten in Reinform vor.

„Patienten berichten uns, dass ihre Symptome von Jahr zu Jahr schlimmer werden“, sagt die Direktorin des Instituts für Umweltmedizin des Helmholtz Zentrums München und der TU München, Claudia Traidl-Hoffmann. Besonders betroffen sieht sie zwei Gruppen: „Kinder sind besonders empfänglich“, so die Medizinerin. „Was aber auch dramatisch ist: Wir sehen jetzt einen Anstieg von Ekzemen und Allergien bei älteren Menschen über 70 Jahren.“ Menschen, die ein Leben lang beschwerdefrei waren, bekommen vermehrt eine Allergie.

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Die schlechte Nachricht vorweg: Es gibt keine Therapie gegen Allergien. Das liegt daran, dass bislang niemand die genauen Ursachen für Allergien kennt. Und solange die Ursache unbekannt ist, ist auch die Heilung unmöglich.

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Allergietest im Klinikum
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Genauso falsch ist der Glaube, mit einem Bluttest zuhause feststellen zu können, ob man allergisch ist - und gegen welchen Stoff. Wer keine Lust auf falsche Interpretationen und damit eine falsche Behandlung hat, sollte zum Hautarzt oder Allergologen gehen.

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Auch gibt es Allergien keineswegs nur in unserer modernen Welt - Stichwort Desinfektionsmittel: Schon im Mittelalter soll es Allergien gegeben haben. Was richtig ist, ist aber, dass wenig Bewegung, und viel Heizungsluft unsere Atemwege anfälliger machen. Und das ist in der Tat ein Merkmal unserer Gesellschaft.

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Es schadet dem Immunsystem von Kindern also nicht, wenn man viel mit Desinfektionsmitteln hantiert. Genauso wenig wird das Kind zum Allergiker, wenn man ihm vor dem ersten Geburtstag sogenannte hochallergene Lebensmittel wie Tomaten und Erdbeeren gibt. Wissenschaftliche Beweise für den Nutzen dieser Art Schonkost gibt es keine.

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Weiterbildung Senioren
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Genauso wenig richtig ist, dass ältere Menschen keine Allergien mehr bekommen können. Allergien können sich zu jeder Zeit und in jedem Alter entwickeln. Das Alter spielt nur bei dem Allergieauslöser eine Rolle: Erwachsene reagieren in der Regel auf andere Stoffe allergisch als Kinder.

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huGO-BildID: 37295817 FILE - In a Monday, April 5, 2010, file photo, Shane Nantz kicks up a cloud of pollen as he mows the front yard of his west Cha
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Pollen, eines der häufigsten Allergene bei Erwachsenen, fliegen übrigens nicht nur im Frühjahr und im Sommer. Zwar ist die Pollen- und damit auch die Heuschnupfen-Hochsaisaon zwischen April und August, Pollen können aber das ganze Jahr über fliegen.

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Narzissenduft
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Ebenfalls sehr weit verbreitet ist die Allergie gegen Tiere - nicht aber gegen Tierhaare. Die allergischen Reaktionen werden nicht von den Haaren ausgelöst, sondern von Urin-, Kot- und Speichelresten, die an den Tierhaaren oder Federn haften.

(Foto: dpa)

Experten sehen neben einem veränderten Lebensstil der Menschen einen klaren Zusammenhang zu Umweltbedingungen, die vom Klimawandel maßgeblich beeinflusst werden. Mehrere Faktoren zusammen sorgen für einen stärkeren und stärker reizend wirkenden Pollenflug, aber auch eine größere Empfänglichkeit beim Menschen.

„Pollen, die im städtischen Bereich in der Nähe von Hauptstraßen gebildet werden, sind mit Dieselrußpartikeln besetzt und dadurch für die Atemwege indirekt aggressiver“, sagt Zuberbier. „So können auch leichter Allergien entstehen“. Hinzu kommt: Pflanzen wie Gräser und Kräuter, die zum Beispiel an Hauptverkehrsstraßen wachsen und dort viel CO2 ausgesetzt sind, stoßen verstärkt Pollen aus. Sie werden mit dem Treibhausgas regelrecht gedüngt.

Traidl-Hoffmann setzt Pflanzen in Gewächshäusern Bedingungen aus, wie sie in Zukunft erwartet werden. Sie beobachtet dabei: „Unter Trockenstress, Ozon-, CO2- und Stickoxidbelastung setzen Pflanzen vermehrt Allergene frei, was dann auch dazu führt, dass mehr Symptome entstehen. Aber auch alle empfindungsfördernden Substanzen schüttet die Pflanze unter diesen klimatischen Stressbedingungen vermehrt aus.“ Setzt sich der Klimawandel fort wie prognostiziert, erwarten die Experten ganzjährige Beschwerden bei Betroffenen. Und eine weitere Zunahme der Pollenallergien.

Wie das allein bei Menschen, die gegen Beifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia) allergisch sind, aussehen könnte, haben Forscher europäischer Hochschulen hochgerechnet. Demnach könnte sich die Zahl der Betroffenen in Europa bis zum Jahr 2060 mehr als verdoppeln – auf bis zu 77 Millionen, berichteten sie im Fachblatt „Environmental Health Perspectives“.

Ursachen sind der Klimawandel und die dadurch begünstigte Ausbreitung der eingeschleppten Pflanze. Die größten Zuwächse sind laut Studie unter anderem in Deutschland zu erwarten.

  • dpa
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