Medizinisches Design iPod-Optik im OP-Saal

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Die tatsächliche Zahl der Anbieter dürfte sogar um einige Größenordnungen höher liegen - für die Designer bedeutet das einen härter werdenden Wettbewerb. "Die Medizintechnik-Unternehmen können sich inzwischen aussuchen, mit wem sie zusammenarbeiten wollen", sagt Held.

Mit dem Design haben auch Trends aus anderen Branchen Einzug gehalten. So spielte zum Beispiel die Markenentwicklung bis vor wenigen Jahren kaum eine Rolle. Doch um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, wird der Wiedererkennungswert der Medizintechnik-Produkte immer bedeutender.

Hersteller Siemens beispielsweise hat eigene Gestaltungs-Richtlinien aufgestellt. Designer müssen sich an vorgegebene Formen und Farben halten. Besonders bei Großgeräten wie Magnetresonanztomographen oder Computertomographen hat Siemens die Gestaltung vereinheitlicht: Helle Farben und geschickt gesetztes Licht sollen den Patienten Angst nehmen und neue Materialien den Geräten eine Art "Wellness-Charakter" verleihen.

Der Gelsenkirchener Designer Markus Wild hat dazu seine eigene Gestaltungsphilosophie entwickelt: "Je näher wir ein Produkt an unseren Körper lassen, desto individueller muss es im Design zu uns passen." Dabei gelte der Grundsatz: "Medizintechnikgeräte sollen nicht nach Klinik aussehen."

Wild folgt dieser Vorgabe. Er hat beispielsweise ein Gerät entworfen, mit dem Frauen den Zeitpunkt ihres Eisprungs für die Empfängnisregelung messen können - und dafür eine spielerische Lösung gefunden: In Phasen, in denen eine Empfängnis möglich ist, pulsiert das herzförmige Gerät in sanften Rottönen.

Im stark wachsenden Homecare-Bereich nähert sich das Design der Medizintechnik dem von Unterhaltungselektronik an, wie von MP3-Spielern, Handys oder Videokameras. Deren Hersteller stecken viel Aufwand in ansprechende Formen und glänzende Oberflächen - ein Stil, den die Kunden zunehmend auch bei medizinischen Produkten für den Heimgebrauch erwarten. Ein Beispiel: Für Kingfisher Healthcare hat Designer Wild eine Geräteplattform entwickelt, die sich sowohl zur Elektrostimulation in der Krankengymnastik als auch für die Muskelerholung einsetzen lässt. Die Benutzoberfläche erinnert dabei stark an moderne MP3-Spieler.

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