Ministerium prüft Zulassung HIV-Tests für den Hausgebrauch

Einen HIV-Test in den eigenen vier Wänden machen? In Deutschland ist das bislang nicht möglich, hier dürfen Schnelltests nur an Ärzte, Laboratorien und Einrichtungen wie Behörden verkauft werden. Das könnte sich ändern.
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Ähnlich wie beim Blutzucker-Test für Diabetiker wird auch beim HIV-Schnelltest ein Tropfen Blut aus dem Finger analysiert. Quelle: dpa
HIV-Heimtest

Ähnlich wie beim Blutzucker-Test für Diabetiker wird auch beim HIV-Schnelltest ein Tropfen Blut aus dem Finger analysiert.

(Foto: dpa)

BerlinIn Deutschland könnten schon bald HIV-Tests für zu Hause legal sein. In Europa seien seit kurzer Zeit erstmals Schnelltests erhältlich, die wesentlich genauer und einfacher zu handhaben seien als frühere Tests, sagte Susanne Wackers, Referentin beim Bundesgesundheitsministerium. Aktuell prüfe das Ministerium, ob dies zu einer Änderung der bisherigen Bewertung führen könne.

Bislang dürfen HIV-Schnelltests in Deutschland nur an Ärzte, medizinische Laboratorien und Einrichtungen wie Behörden verkauft werden. In Großbritannien und Frankreich sind sie hingegen auch für den Hausgebrauch legal.

HIV hat viel von seinem Schrecken verloren
Wie viele Menschen sind mit HIV infiziert?
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In Deutschland leben nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 83.400 Menschen mit HIV/Aids. Die meisten von ihnen wohnen in Großstädten wie Berlin, München, Hamburg, Frankfurt/Main und Köln.

Wer infiziert sich mit dem Virus?
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Männer, die Sex mit Männern haben, bilden mit geschätzt 53.800 Fällen die größte Gruppe. Etwa 10.500 Menschen haben sich nach RKI-Daten bei heterosexuellem Verkehr infiziert. Bei rund 7900 Betroffenen waren verunreinigte Spritzen beim Drogengebrauch die Ursache. Etwa 450 Menschen infizierten sich über kontaminierte Blutkonserven oder andere Blutprodukte. Darüber hinaus haben sich 400 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vor, während oder nach der Geburt bei ihrer Mutter angesteckt.

Wie viele Menschen wissen nichts von ihrer Infektion?
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RKI-Experten schätzen, dass in Deutschland etwa 13.200 Menschen mit HIV nichts von ihrer Infektion wissen. Das ist etwa jeder sechste Betroffene. Manchen hält die Angst vor einem positiven Ergebnis und vor Ausgrenzung davon ab, sich durch einen Test Gewissheit zu verschaffen.

Wie viele Menschen werden behandelt?
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Von den HIV-Infizierten, bei denen eine Diagnose gestellt wurde, sind 82 Prozent in einer antiretroviralen Therapie, die die Vermehrung der Viren eindämmt und den Ausbruch von Aids verhindern kann. Die Weltgesundheitsorganisation rät, möglichst früh mit der Therapie zu beginnen.

Steigern andere sexuell übertragbare Krankheiten das Risiko, sich mit HIV zu infizieren?
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„Generell steigt durch alle sexuell übertragbaren Krankheiten das Risiko, sich mit HIV zu infizieren“, sagt Norbert Brockmeyer, Leiter des Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochum. Infektionen mit Chlamydien, Humanen Papillomviren, Herpes-Simplex-Viren, Syphilis und Gonorrhoe verbreiten sich laut Brockmeyer verstärkt. Der Experte sieht eine Ursache in den vervielfachten Datingmöglichkeiten über Internetportale. Sie ermöglichten mehr und schnellere Sexualkontakte. „Viele Leute verzichten dabei auf Kondome, weil sie das Gefühl haben, sich aus dem Internet zu kennen“, sagt Brockmeyer.

Wo kann man einen HIV-Test machen lassen?
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Unter anderem bieten Gesundheitsämter, Präventionsprojekte und Ärzte HIV-Tests an. Die Deutsche Aids-Hilfe hat im Internet eine Adressliste veröffentlicht. Der Verband warnt vor Tests für den Hausgebrauch aus dem Internet, da die Qualität nicht geprüft werden könne. Außerdem könnten Laien schnell Fehler unterlaufen.

Welche Therapien stehen zur Verfügung?
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Nach Angaben der Deutschen Aids-Gesellschaft gibt es inzwischen mehr als 30 Medikamente für die HIV-Therapie, darunter eine zunehmende Zahl von Kombinationspräparaten. Sie können die Virusvermehrung dauerhaft hemmen. „HIV ist dadurch heute zu einer gut behandelbaren chronischen Erkrankung geworden“, sagt Annette Haberl. Patienten könnten dank moderner Therapien ein normales Leben führen.

Die Deutsche Aids-Hilfe hofft noch in diesem Jahr auf eine Zulassung für die Abgabe in deutschen Apotheken und ausgewiesenen HIV-Beratungsstellen. „Wir können mit diesem Test Menschen erreichen, die aus Scham oder Angst bisher den Weg zum Arzt oder zu einer Teststelle scheuen“, so Holger Wicht, Sprecher der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin.

HIV-Infektionen sind heute behandelbar

Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, die Aids-Epidemie bis 2030 zu beenden. Die Aids-Hilfe will dieses Ziel für Deutschland früher erreichen. An diesem Freitag will sie eine neue Kampagne starten, die für möglichst frühe HIV-Tests wirbt. Ziel ist es, dass vom Jahr 2020 an in Deutschland niemand mehr an Aids erkrankt.

Nach den jüngsten Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) für 2015 wurde bei rund 3900 Menschen in Deutschland erstmals HIV diagnostiziert. Bei rund 1200 von ihnen liegt die Ansteckung allerdings viele Jahre zurück – dementsprechend fortgeschritten ist die Erkrankung des Immunsystems.

Nach RKI-Schätzungen leben insgesamt 12.600 Menschen unwissentlich mit dem HI-Virus. Die Mehrzahl von ihnen sind schwule Männer. Das HI-Virus trifft aber nach wie vor auch bi- und heterosexuelle Männer und Frauen.

„Oft ohne es zu wissen können sie HIV an Sex-Partner weitergeben“, sagt Wicht. „Sie bringen sich aber vor allem selbst um gute Behandlungschancen.“ Denn eine HIV-Infektion lässt sich heute wie eine chronische Krankheit behandeln. Die durch HIV verursachte Immunschwäche Aids aber kann immer noch tödlich enden.

„Viele Menschen gehen selbst bei eigenen Gedanken an eine HIV-Infektion nicht zum Arzt“, berichtet Wicht. „Und auch viele Hausärzte haben HIV bei Symptomen wie massivem Gewichtsverlust oder bestimmten Lungenentzündungen oft nicht als mögliche Ursache auf dem Schirm.“

Wie ein Blutzucker-Check bei Diabetikern
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