OP-Technik Navigationssystem für Chirurgen

Ausgefeilte technische Assistenzprogramme halten Einzug in den Operationssaal. Teilautonome Roboter, Navis für Operationsgeräte und Warnsysteme ermöglichen schnellere und gezieltere Eingriffe, zum Wohle des Patienten - und der Wirtschaftlichkeit der Kliniken. Die Technik birgt allerdings auch Risiken.
  • Dietrich von Richthofen
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Hybrid-Operationssaal der Uniklinik Heidelberg: High Tech ermöglicht den Chirurgen präzise und schnelle Operationen. Quelle: DAPD

Hybrid-Operationssaal der Uniklinik Heidelberg: High Tech ermöglicht den Chirurgen präzise und schnelle Operationen.

BERLIN. Piloten weist der Computer schon seit langem den Weg: Im Flugzeugcockpit zeigen sogenannte Moving Maps die voraussichtliche Flugroute an. Der Lübecker Medizintechnikhersteller Dräger hat das Prinzip nun auf die Narkoseführung übertragen: Sein Smart-Pilot genanntes System errechnet aus den Konzentrationen der Schlaf- und Schmerzmittel den weiteren Verlauf der Narkose. Änderungen in der Dosierung lassen sich so erst simulieren - und danach optimal anpassen.

Früher habe man sich eher auf das Bauchgefühl verlassen, sagt Georg Breuer, Anästhesist und Oberarzt am Uniklinikum Erlangen, das an der Entwicklung maßgeblich beteiligt war. Nun liefere das System durch die Visualisierung des künftigen Narkoseverlaufs Anhaltspunkte, an denen sich Ärzte orientieren könnten. "Das erleichtert die richtige Dosierung, so dass die Patienten schneller wieder aufwachen und weniger Nebenwirkungen davontragen", sagt Breuer.

Virtuelle Reise durch den Körper

Auch die Operateure erhalten zunehmend Rückendeckung durch smarte Technik. Teilautonome Roboter, Navis für Operationsgeräte und Warnsysteme, die eine Verletzung sensibler Strukturen verhindern - all das wird laut Gero Strauß bald Standard sein. "Wir erleben eine Automatisierung der gesamten OP-Umgebung", sagt der Direktor des Internationalen Referenz- und Entwicklungszentrums für Chirurgische Technologien (IRDC) der Uniklinik Leipzig.

Das vom Medizintechnikhersteller Karl Storz finanzierte Zentrum hat beispielsweise ein Warnsystem mit millimetergenauer Distanzkontrolle entwickelt: Der Operateur fertigt vor der OP per Röntgen- oder Magnetresonanztomographie hochauflösende 3D-Bilder an. Darauf trägt er die Gebiete ein, die er abtragen will, und sensible Bereiche, die er nicht verletzen darf. Bei der Operation erfasst das System exakt, wo sich die Fräse befindet. Kommt der Chirurg in den Gefahrenbereich, erhält er eine Warnung. Bevor er die Struktur verletzt, schaltet sich die Fräse automatisch ab.

"Dadurch lassen sich nicht nur Komplikationen vermeiden, sondern man kann eine Operation auch schneller beenden", sagt Strauß, der das System getestet hat. Etwa sieben Minuten sparten die Chirurgen pro Eingriff, so eine Studie. Ähnliche Systeme sind auch für andere Fachgebiete in Entwicklung: In dem vom Bundesforschungsministerium finanzierten Projekt Somit (Schonendes Operieren mit innovativer Technik) arbeiten Forscher und Unternehmen an Navigations- und Warnsystemen für Operationen an Knie und Hüfte sowie für Leber-OPs.

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