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Pandemiebekämpfung EU startet gemeinsame Schnittstelle für Corona-Apps

Wer ins europäische Ausland reist, soll dort mit seiner deutschen Handy-App vor einer möglichen Corona-Ansteckung gewarnt werden können. Doch Frankreich bleibt außen vor.
14.09.2020 - 12:32 Uhr Kommentieren
Corona-Apps: EU startet App-Schnittstelle für Reisende Quelle: AFP
EU-Gesundheitskommissarin Kyriakides

Eine gemeinsame europäische Schnittstelle soll dafür sorgen, dass Corona-Warn-Apps künftig länderübergreifend funktionieren.

(Foto: AFP)

Brüssel Wer sein Corona-Ansteckungsrisiko per Handy-App überwachen möchte, hatte beim Besuch im Ausland bislang das Nachsehen: Zwar gibt es in vielen europäischen Ländern nationale Corona-Apps zur Kontaktverfolgung. Doch die gesammelten Daten ließen sich bislang nicht grenzüberschreitend auswerten. Nun will die Europäische Union mit einer gemeinsamen Schnittstelle für Abhilfe sorgen.

In der Erprobungsphase werden über das so genannte Gateway die Daten der Corona-Tests aus sechs europäischen Ländern getauscht – darunter Deutschland, Italien, Tschechien und Dänemark. „Viele Mitgliedstaaten haben nationale Anwendungen zur Ermittlung und Warnung von Kontaktpersonen eingeführt“, sagte Thierry Breton, EU-Kommissar für den Binnenmarkt. „Jetzt ist es an der Zeit, sie miteinander zu verknüpfen.“

Die europäische Schnittstelle wurde vom deutschen Softwarekonzern SAP und der Deutschen Telekom entwickelt. Sie soll der EU-Kommission zufolge nach der Erprobungsphase im Oktober in Betrieb gehen. Die technische Infrastruktur wird vom Rechenzentraum der Kommission in Luxemburg gestellt.

Reisende, Geschäftsleute oder Grenzgänger sollen nicht länger darauf angewiesen sein, mehrere Corona-Warn-Apps aus unterschiedlichen EU-Staaten zu installieren. So weit die Theorie, denn in der Praxis ist der Umgang mit den Daten komplex. Der Gateway-Server funktioniert nur mit einer bestimmten Art von Corona-Warn-Apps – und zwar mit so genannten dezentralen Lösungen, bei denen die Begegnungsdaten auf den Smartphones selbst gespeichert werden.

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Standort erkennen

    Aus Datenschutzgründen gibt es dabei keine zentrale Datenbank, mit der sich Kontakte nachverfolgen lassen. Stattdessen tauschen die Smartphones untereinander einen Code aus, wenn sich deren Besitzer begegnen. Bei einer bestätigten Corona-Ansteckung werden die Kontaktpersonen über das Netzwerk informiert.

    Solche so genannten dezentralen Lösungen gibt es laut EU-Kommission derzeit in 18 der 27 Mitgliedsstaaten, darunter auch in Deutschland. Die deutsche Corona-App wurde mittlerweile 18 Millionen Mal heruntergeladen. Wie viele Menschen die Anwendung tatsächlich nutzen, ist unklar.

    EU-Kommission verspricht Datenschutz

    Mit dem europäischen Gateway sollen die dezentralen Apps ihre Begegnungsdaten künftig austauschen können. Wer also etwa im Italien-Urlaub eine Begegnung mit einer infizierten Person hatte, soll mit seiner deutschen App gewarnt werden – und umgekehrt.

    Das Problem dabei: Wer in Deutschlands größtes Nachbarland reist, bleibt außen vor. Denn in Frankreich werden die Daten zentral erfasst. An der Datenzusammenführung nehmen die Franzosen deshalb nicht teil. Eine Arbeitsgruppe hat bislang noch keine Lösung gefunden, sagte ein Kommissionssprecher.

    Trotzdem sprach die EU-Kommission am Montag von einem Meilenstein. „Da die Zahl der Fälle wieder zunimmt, können Apps andere Maßnahmen wie verstärkte Tests und manuelle Kontaktverfolgung ergänzen“, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Bei einem breiten Einsatz könnten die Apps dabei helfen, Übertragungsketten zu durchbrechen. „Wir werden nicht aufhören, an allen Fronten gegen die Pandemie zu kämpfen“, versprach die 64-jährige Zypriotin.

    Dabei spielt der Datenschutz eine zentrale Rolle. Nach Angaben der EU-Exekutive werden alle grenzüberschreitend ausgetauschten Informationen aus den Corona-Apps pseudonymisiert und verschlüsselt. Eine Identifizierung einzelner Bürger soll nicht möglich sein. Informationen sollen nur so lange wie notwendig gespeichert werden.

    Die EU-Kommission wünscht sich, dass die Zahl der Bürger, die eine Corona-App nutzen, weiter steigt. Eine Verpflichtung zur Nutzung der Apps soll es auch künftig nicht geben. „Die Nutzung dieser Apps muss zu jeder Zeit freiwillig sein, sowohl für die Mitgliedstaaten als auch für unsere Bürger“, sagte Kyriakides dem Handelsblatt.

    Dabei müsse der Datenschutz jederzeit „voll und ganz“ respektiert werden. Denn nur dann hätten die Bürger volles Vertrauen in Corona-Apps. „Unsere gemeinsamen Entscheidungen in den kommenden Wochen und Monaten werden darüber entscheiden, ob wir ein weitreichendes Wiederaufflammen des Virus vermeiden können“, sagte Kyriakides.

    Allerdings hat der hohe Datenschutzstandard bei dezentralen Corona-Apps auch eine Schattenseite: Da es keine zentrale Datenbank gibt, lässt sich nicht einmal die genaue Zahl der App-Nutzer bestimmen. Wie viele Europäer tatsächlich bereits eine Corona-App aktiv nutzen, ist noch nicht nicht bekannt, räumte ein Sprecher der Kommission ein.

    Mehr: EU-Kommissarin für Gesundheit erwartet Corona-Impfstoff zum Jahreswechsel

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