Powernapping im Büro Das Nickerchen für sich arbeiten lassen

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Im Vaterland von IBM und Google ist die Napkultur – deren moderner Ursprung im Silicon Valley liegt – in den Unternehmen akzeptierter als in Deutschland. In Amerika bekannte sich in einer umfangreichen Studie des Bundesverbandes für Schlaf im Jahr 2008 immerhin jeder zehnte Arbeitnehmer zum Nickerchen. Die Mehrheit (neun von zehn) der Befragten gönnen sich aber keinen Mittagsschlaf während der Arbeitszeit. Das mag auch daran liegen, dass noch nicht alle Arbeitgeber das Nickerchen gestatten: Nur ein Drittel der Amerikaner arbeitet in einem Unternehmen, dass Naps offiziell erlaubt. Ein Sechstel der Arbeitnehmer hat die Möglichkeit, auf ihrer Arbeit einen Ruheraum zu nutzen. Viele würden ein Nickerchen einlegen, sofern es ihr Arbeitgeber nur gestatte. In Deutschland gibt es keine vergleichbaren Untersuchungen.

"Bis heute fehlt uns das Verständnis, dass Entspannung und auch Schlaf hilfreich und sinnvoll sein könnte", sagt Martin Braun vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. "Seit dem Beginn der Industrialisierung geben die Maschinen den Takt vor." Um die Zeit produktiv nutzen zu können, wurde sie von den natürlichen Rhythmen – und den Schlafgewohnheiten – entkoppelt.

Die Arbeitsschichten in den Fabriken waren zeitlich begrenzt. Wer während der Arbeit ruhte, trug nicht dazu bei, die Kosten für die teuren Maschinen zu decken. Das Nickerchen wurde gefeuert und war fortan nur noch denen gegönnt, die nicht arbeiten: Kindern, Kranken und Alten.

"Die meisten Menschen heute arbeiten aber mit Verstand, unterstützt durch Rechnertechnik, und nicht mit der Hand am Fließband. Was zählt ist das Ergebnis und weniger die Zeit, die wir dafür brauchen", sagt Braun. Die Forderung nach Powernaps im Büroalltag ginge sehr weit, sagt der Arbeitsforscher. Es wäre bereits viel erreicht, wenn die Beschäftigten eine kurze Entspannungsphase einlegten. Zumal es kaum empirische Studien gibt, die belegen, dass sich Powernaps positiv auf die Produktivität eines Unternehmens auswirken. Sie erhöhen aber definitiv das subjektive Wohlbefinden der Mitarbeiter. Und das reicht doch schon.

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