Schmerztherapie Akupunktur mit Laserstrahlen

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In der Forschung kann sich die Investition in die neuen Lasergeräte dagegen auszahlen - denn sie eignen sich besonders gut für Placebo-kontrollierte Akupunktur-Studien mit einem so genannten doppelblinden Design, bei dem weder Arzt noch Patient wissen, welche Therapie zur Anwendung kommt. Bei der Akupunktur mit Nadeln weiß der ausführende Arzt jedoch immer Bescheid - und der Patient kann sich zumindest seinen Teil denken. Die fehlende Verblindung ist auch einer der Hauptkritikpunkte an den großen Akupunkturstudien der letzten Jahre.

"Bei der Laserakupunktur dagegen spürt der Patient meist nicht, ob der Laser aktiviert ist oder nicht", erklärt Gerhard Litscher, Leiter der Forschungseinheit für biomedizinische Technik in Anästhesie und Intensivmedizin sowie des TCM Forschungszentrums an der Medizinischen Universität Graz. Die Lasergeräte lassen sich zudem so entwerfen, dass auch der Arzt nicht weiß, ob der Laser wirklich adäquates Laserlicht abgibt. Auch für Untersuchungen im Gehirn-Scanner eignen sich die Lasergeräte gut. Der Einsatz von Metallnadeln im Bereich des Kopfes ist hier auf Grund des starken Magnetfeldes unmöglich.

Die Grazer Wissenschaftler benutzen deshalb auch Laser für ihre Grundlagenforschung zur Akupunktur. Mit hoch sensiblen Messmethoden aus der Intensivmedizin wollen sie herausfinden, welche spezifischen Effekte die fernöstliche Heilmethode auf das Nervensystem und die Durchblutung hat. Für mehrere Akupunktur-Punkte konnten sie bereits spezifische Effekte nachweisen, die auch mit der therapeutischen Anwendung der Punkte in der chinesischen Medizin übereinstimmten. Stimulierten die Forscher beispielsweise Punkte, die in der Akupunktur zur Steigerung der Sehkraft verwendet werden, erhöhte sich die Blutströmungsgeschwindigkeit in der Augenarterie. Der Punkt Yintang, traditionell für seine Wirkung gegen Stress bekannt, rief in den Hirnströmen Muster hervor, wie sie Mediziner bei tiefen Entspannungszuständen beobachten. "Wir wollen die Akupunktur auf ein naturwissenschaftliches Fundament stellen und so entmystifizieren", sagt Litscher.

Auch Sven Gottschling hofft, durch Studien mit Laserakupunktur unangreifbare Nachweise für die Wirksamkeit der Therapie zu finden. In einer ersten Studie konnte der Kinderarzt den heilenden Effekt der Laserbehandlung bei Kopfschmerzen belegen, weitere Studien bei Übelkeit und Schmerzen laufen zur Zeit. Insgesamt jedoch ist die Studienlage bislang eher dürftig. "Es gibt bislang wenig Arbeiten zur Laserakupunktur", sagt Litscher. Zu diesem Schluss kommen auch Wissenschaftler am Institut für Forschung in der operativen Medizin der Kölner Universität Witten-Herdecke, die in einer Studie die Forschungsliteratur zur Anwendung der Laserakupunktur bei orthopädischen Erkrankungen ausgewertet haben. Sie fordern deshalb umfangreichere Studien, um erste positive Ergebnisse zu untermauern.

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