Selbstheilung statt Bohrer Karies-Zahn repariert sich selbst

Amalgam enthält Quecksilber, Kunststoff-Füllungen sind oft wenig haltbar: Das perfekte Material, um Löcher im Zahn zu stopfen, gibt es noch nicht. Eine neue Methode lässt nun den Zahn selbst das Karies-Loch stopfen.
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Bei der klassischen Karies-Behandlung wird zunächst die erkrankte Zahnsubstanz entfernt und danach der Zahn mit einer Füllung versiegelt. Quelle: dpa
Beim Zahnarzt

Bei der klassischen Karies-Behandlung wird zunächst die erkrankte Zahnsubstanz entfernt und danach der Zahn mit einer Füllung versiegelt.

(Foto: dpa)

LondonKaries-Löcher können sich mit Hilfe spezieller Substanzen wieder schließen. Das haben britische Forscher an Mäusen gezeigt. Sie entwickelten dafür eine selbstauflösende Füllung, die die Zähne über die Stimulierung von Stammzellen dazu anregt, sich selbst zu heilen.

Ähnliche Ansätze waren früher bereits von anderen Arbeitsgruppen unter anderem aus den USA und Japan vorgestellt. Das Fernziel geht dabei weit über das Stopfen von Löchern hinaus: Künftig soll es möglich werden, komplette Zähne nachwachsen zu lassen.

Karies ist eine durch den Stoffwechsel von Bakterien verursachte Erkrankung der Zähne. Die Mikroben wandeln Zucker in Säuren um, die den Zahnschmelz entkalken. Ist der Schmelz porös geworden, können die Bakterien in den Zahn eindringen und ihn von innen zerstören.

Die größten Irrtümer bei der Zahnpflege
Gründliches Schrubben reinigt die Zähne vollständig
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oDieses Gerücht ist falsch. "Starkes Schrubben schadet eher. Das Zahnfleisch schwindet und das Zahnbein wird zusätzlich abgetragen, was wiederum offene Kanälchen zur Folge hat", erklärt Jochen Schmidt, Zahnarzt am Caree Dental in Köln. Gleiches gilt für harte Borsten. Der Experte rät deshalb zu elektrischen Zahnbürsten mit Druckkontrolle. Wer beim Zähneputzen vorsichtig ist und sanfte, kreisförmige Bewegungen macht, kann laut dem Experten nicht viel falsch machen.

Bei Karies muss immer gebohrt werden
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Ob gebohrt werden muss, hängt vom Einzelfall ab. Die sogenannte Infiltrationsmethode stellt beispielsweise eine sanfte Alternative zum Bohren dar. Insbesondere Angstpatienten und Kindern wird die behutsame Methode von immer mehr Zahnärzten empfohlen. Schmidt erklärt: "Hierbei wird die kariöse Stelle mit einem Ätzgel aufgeraut, dann mit einem farblosen Kunststoff-Gel aufgefüllt und versiegelt. Geeignet ist dieses Verfahren jedoch nur bei leichter Karies.“

Parodontitis schadet nur den Zähnen
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Leider ist auch diese Behauptung nicht richtig. Eine regelmäßige Zahnpflege ist nicht nur für die Zähne unerlässlich. Vermehrte Bakterien im Mundraum können neben Zahnfleischentzündungen und Parodontose laut dem Experten auch Gefäßverkalkungen und Herzinfarkte hervorrufen. In diesen Fällen geraten die Keime aus dem Zahnfleisch in die Blutbahn.

Nach dem Essen sofort die Zähne putzen
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Diese Aussage ist nicht nur ein großer Irrtum – mit diesem Verhalten schaden wir unseren Zähnen sogar. "Vor allem nach dem Verzehr säurehaltiger Lebensmittel wie Obst und Limonaden ist es besser, 30 Minuten warten", sagt Schmidt. Der Grund: Die Säure greift den Zahnschmelz an. Bis der Zahnschmelz vom Speichel wieder mit einer Schutzschicht überzogen ist, dauert es etwa 30 Minuten. Danach kann wieder geschrubbt werden, was das Zeug hält.

Regelmäßiges Zähneputzen reicht aus
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Eine herkömmliche Zahnbürste kann nur etwa Dreiviertel der Zahnoberfläche reinigen. In den Zahnzwischenräumen, in denen Karies häufig entsteht, bleiben Essensrückstände. "Deshalb ist Zahnseide unverzichtbar. Und das nicht nur abends vor dem Schlafengehen, sondern am besten nach jeder Mahlzeit", sagt Schmidt.

Zähneknirschen ist harmlos
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Ein großer Irrtum. Beim Zähneknirschen ist der Druck auf Zähne und Kiefergelenke zehn Mal höher als beim alltäglichen Kauen. „Dieser enorme Druck schadet den Zähnen. Entzündungen der Kiefergelenke, Kopf- oder Nackenschmerzen sind mögliche Folgen", warnt Schmidt. Kunststoffschienen, die in der Nacht getragen werden, können nachhaltige Schäden verhindern. Die Bayerische Landesärztekammer (BLZK) empfiehlt, den Ursachen der Symptomatik zusätzlich auf den Grund zu gehen, um das Knirschen richtig zu behandeln. Nicht selten sind Depressionen oder Stress Auslöser für den ungewöhnlich hohen Druck auf die Zähne.

Um den Löffelabdruck kommen Patienten nicht herum
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Die erfreuliche Nachricht zuerst: Der von vielen Patienten gefürchtete Löffelabdruck lässt sich durch neuartige Oralscanner vermeiden, die digitale Aufnahmen anfertigen. Möglich ist dies allerdings nur, wenn es sich bei den betroffenen Zähnen nicht um Implantate oder Teilprothesen handelt. Ist letzteres der Fall, müssen Patienten laut Schmidt nach wie vor mit dem klassischen Abdruck Vorlieb nehmen, der häufig einen Würgereiz auslöst.

Bis zu einem gewissen Grad reparieren Zähne von Bakterien verursachte Schäden mit Hilfe der Stammzellen im Zahnmark in einem fortwährenden Prozess selbst. Erst wenn das nachgelieferte Material nicht ausreicht, durchdringen die Mikroben den harten Zahnschmelz und es bildet sich ein Loch.

Zur Behandlung wird zunächst die erkrankte Zahnsubstanz entfernt. Damit sich nach dem Bohren im betroffenen Zahn nicht gleich wieder Bakterien ansammeln, wird er mit einer Füllung versiegelt. Dafür gibt es unterschiedliche Materialien: Kunststoff, Keramik, Zement, Gold oder auch das silberfarbene Amalgam. Diese Materialien bauen sich nicht ab, eine Regeneration des Zahns über natürliche Reparaturprozesse ist darum nicht möglich.

Die Forscher um Paul Sharpe vom Kings College in London machten sich dagegen die natürlichen Selbstheilungskräfte des Zahns zunutze. Sie verwendeten klinisch erprobte Kollagenschwämmchen, um ein spezielles Molekül in zuvor gebohrte Löcher bei Mäusezähnen einzubringen, wie sie im Fachjournal „Scientific Reports“ berichten. Dieses hemmt ein bestimmtes Enzym, die Glykogensynthase-Kinase 3 (GSK-3). Dadurch wird über bestimmte Signalketten die Bildung von Dentin stimuliert, das das Loch nach und nach wieder füllt.

Die Schwämmchen sind bei diesem Prozess kein Hindernis, da sie aus einem Biomaterial bestehen, das sich langsam abbaut. Mit ihnen schwindet die enthaltene Stimulanz, der Prozess endet automatisch.

Innovativer Stopp-Mechanismus
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