Stammzellforschung Mit Hautzellen auf Tumorjagd

Zu den gefährlichsten Krebserkrankungen zählen Glioblastome. Die Hirntumoren lassen sich fast nie vollständig entfernen. Nun wollen Forscher die übrig gebliebenen Krebszellen mit einer neuen Stammzelltherapie bekämpfen.
MRT-Bild eines Gehirntumors (heller Fleck). Quelle: dpa
Hirntumor

MRT-Bild eines Gehirntumors (heller Fleck).

(Foto: dpa)

HeidelbergPatienten mit einem so genannten Glioblastom haben nach wie vor eine schlechte Prognose: Die allermeisten von ihnen sterben im Schnitt innerhalb von 1,5 Jahren, nachdem der bösartige Hirntumor bei ihnen diagnostiziert wurde. Denn einen solchen Tumor im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs vollständig zu entfernen, ist fast unmöglich – stets bleiben einige Zellen übrig, die sich tief im Gehirn verbergen und neue Tumoren entstehen lassen können.

Um auch diese Überbleibsel zu beseitigen, schlägt ein Team um Shawn Hingtgen von der University of North Carolina in Chapel Hill nun eine andere Strategie vor: Umprogrammierte Hautzellen sollen im Rahmen einer personalisierten Therapie Jagd auf die Tumorzellen machen.

So lässt sich das Krebsrisiko senken
Todesursache Krebs
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Rocklegende David Bowie (r.) und Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister sind zwei Fälle in einer langen Liste von Prominenten, die an Krebs gestorben sind. Bösartige Tumore sind nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Häufig ist es Schicksal, doch der Lebensstil kann das Krebsrisiko erheblich beeinflussen, wie Experten betonen.

Melanom-Zellen (schwarzer Hautkrebs)
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Nach Ansicht vieler Forscher wären insgesamt bis zur Hälfte der bösartigen Tumore vermeidbar, wenn Menschen ihren Lebensstil entsprechend änderten. „Das Schicksal spielt natürlich eine Rolle, aber man kann es stark beeinflussen“, sagt der Leiter der Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, Rudolf Kaaks.

Krebsrisiko Rauchen
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Rauchen sei bundesweit für etwa jeden fünften Krebsfall verantwortlich, warnt Kaaks. Bei Lungen-, Rachen-, Speiseröhren- und Blasenkrebs sei der Anteil sogar noch viel höher. Zudem schädigen Raucher nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Allein in Deutschland sterben jährlich 3000 Menschen durch Passivrauchen an Krebs, so der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Johannes Bruns.

Krebsrisiko Übergewicht
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Den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs kennen viele Menschen nicht, dabei ist er seit Jahren belegt. Nach vorsichtigen Schätzungen könnten darauf mindestens fünf bis sechs Prozent aller Krebsfälle zurückgeführt werden, schätzt DKFZ-Experte Kaaks: „Die Liste der Krebsarten, bei deren Entstehung vermutlich Übergewicht eine Rolle spielt, wird immer länger.“

Krebsrisiko Ernährung
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Falsche Ernährung spielt bei bis zu zehn Prozent aller Krebsfälle eine Rolle. Am besten belegt und am stärksten ausgeprägt seien die schädliche Wirkung von rotem Fleisch und die schützende Wirkung von Ballaststoffen, sagt Kaaks. Dass Gemüse und Obst das Krebsrisiko stark senken, habe sich jedoch nicht bestätigt.

Für Aufsehen sorgte zuletzt eine Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Wer viel verarbeitetes Fleisch esse, erhöhe sein Darmkrebsrisiko. Andererseits liefert Fleisch aber auch Eisen und wichtige Vitamine. „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an“, sagt Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.

Krebsrisiko Bewegungsmangel
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Körperliche Aktivität senkt das Risiko für Darm- und Brustkrebs. „Und es mag sehr wohl sein, dass das auch für viele andere Krebsarten gilt“, sagt Kaaks.

„Fitness wirkt ein Stück weit schützend“, meint auch Johannes Bruns von der Deutschen Krebsgesellschaft. „Aber kein Mensch sollte glauben, vor Krebs gefeit zu sein, nur weil er jedes Jahr den Berlin-Marathon läuft.“

Krebsrisiko Alkohol
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Vier bis fünf Prozent aller Krebsfälle sind auf Alkohol zurückzuführen. Vor allem die Kombination von Alkohol und Rauchen sei gefährlich, warnt Kaaks. Ein Glas Wein oder Bier reiche schon aus, um das Risiko für bestimmte Krebsarten leicht, aber nachweisbar zu steigern.

Johannes Bruns ist überzeugt, dass bei Alkohol die Dosis das Gift macht. „Irgendwann ist die Schwelle erreicht, wo der Körper nicht mehr damit umgehen kann und Krebs entsteht“, sagt er. Diese Schwelle sei aber von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

Dass dieser Ansatz funktioniert, konnten die Forscher erstmals im Versuch mit Mäusen beweisen. Sie entnahmen den Tieren Zellen aus dem Bindegewebe der Haut, sogenannte Firoblasten, und wandelten diese in induzierte neuronale Stammzellen um. Außerdem veränderten sie die Zellen so, dass sie besonders langlebig waren und ein Protein produzierten, das Krebszellen abtötet.

Eingesetzt ins Gehirn der Nager, begannen die Zellen, Jagd auf die verbliebenen Reste des Glioblastoms zu machen und diese zu zerstören. Die Nager überlebten dadurch doppelt bis dreifach so lange.

Ob sich auch aus menschlichen Hautzellen maßgeschneiderte Tumorkiller machen lassen, wollen die Wissenschaftler im nächsten Schritt herausfinden. Neuronale Stammzellen haben Forscher schon länger als möglichen Ansatzpunkt für die Therapie von Hirntumoren im Blick.

  • Daniela Zeibig
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