Start in die Nobelpreis-Woche Medizin-Nobelpreis für zwei Krebsforscher aus den USA und Japan

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an James Allison und Tasuku Honjo. Geehrt werden sie für ihre Arbeiten zur Aktivierung des Immunsystems gegen Krebszellen.
Update: 01.10.2018 - 13:01 Uhr Kommentieren
Tasuku Honjo (l.) und James P. Allison teilen sich den mit umgerechnet 870.000 Euro dotierten Preis. Quelle: dpa
Medizin-Nobelpreisträger 2018

Tasuku Honjo (l.) und James P. Allison teilen sich den mit umgerechnet 870.000 Euro dotierten Preis.

(Foto: dpa)

Stockholm/BerlinDie Entscheidung über den Medizin-Nobelpreis 2018 ist gefallen. Die Nobelversammlung am Karolinska-Institut in Stockholm zeichnet den amerikanischen Krebsforscher James P. Allison und seinen japanischen Kollegen Tasuku Honjo aus. Geehrt werden die Preisträger für die die Entwicklung spezieller Krebstherapien.

Die Arbeit der beiden Mediziner habe Strategien aufgezeigt, mit denen sich die Bremsen des Immunsystems für eine Krebsbekämpfung lockern ließen, heißt es in der Begründung des Nobelpreis-Komitees. So konnten neue Methoden entwickelt werden, um das Immunsystem für die Abwehr von Angriffen durch Tumorzellen zu stärken. Die Entdeckungen der beiden Forscher bildeten einen Meilenstein im Kampf gegen Krebs, so das Komitee.

Die beiden Geehrten hatten unabhängig voneinander verschiedene Proteine untersucht, die wie eine Bremse auf unser Immunsystem wirken. Werden diese Bremsen gelöst, können Zellen unseres Immunsystems Tumorzellen angreifen. Allison befasste sich vor allem mit dem Protein CTLA-4, sein Kollege Honjo mit dem Protein PD-1, das über einen anderen Wirkmechanismus das Immunsystem ausbremst. Therapien, die auf den Erkenntnissen der beiden Forscher fußen, sind als sogenannte Checkpoint-Therapien bekannt und für verschiedene Krebsarten bereits verfügbar. Sie haben sich als sehr effektiv erwiesen.

Olle Kämpe, Professor am KarolinskaInstitut in Stockholm, bezeichnete die Entdeckung der beiden Wissenschaftler als „bahnbrechend“. „Bislang hat man bestimmte Krebsarten mit Bestrahlung und Medikamenten behandelt. Jetzt löst man eine Bremse und lässt das eigene Immunsystem gegen die Tumorzellen kämpfen. Das ist eine völlig neue Behandlungsmethode, die erst am Anfang ihrer Entwicklung steht“, sagte er im schwedischen Rundfunk.

„Mein Gott“, erklärte ein völlig überraschter Allison, als ihn ein Journalist der schwedischen Nachrichtenagentur TT über die Auszeichnung informierte. „Danke, danke, wow“.

Allison wurde 1948 in Alice (US-Bundesstaat Texas) geboren. Nach Stationen an der University of California in Berkeley sowie am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York ist er seit 2012 Professor an der University of Texas.

Tasuku Honjo wurde 1942 in Kyoto/Japan geboren. Er hat sowohl in den USA als auch in Japan gelehrt, seit 1984 ist er Professor an der Universität seiner Heimatstadt.

Er fühle sich sehr geehrt, den Nobelpreis zu bekommen, sagte Honjo in einer ersten Stellungnahme. Das habe er „unzähligen Menschen“ zu verdanken, vor allem seinen Kollegen, Studenten und anderen Unterstützern sowie seiner Familie. Er wolle auch nach der Auszeichnung mit dem Nobelpreis weiterforschen. „Damit noch mehr Kranke geheilt werden können, werde ich noch eine Weile weiter meine Forschung fortsetzen“, so Honjo.

Die Nobelpreise sind in diesem Jahr mit jeweils neun Millionen Kronen (870.000 Euro) dotiert. Sie werden am 10. Dezember, dem Todestag ihres Stifters Alfred Nobel, in Stockholm und Oslo überreicht. Im vergangenen Jahr ging der Medizin-Nobelpreis an die US-Amerikaner Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young für ihre Arbeiten zur Funktion der Inneren Uhr.

Mit der Bekanntgabe der Nobelpreisträger für Medizin startet die diesjährige Nobel-Woche. Am Dienstag folgt der Nobelpreis für Physik, am Mittwoch der Chemie-Nobelpreis. Am Freitag dieser Woche wird in Oslo der diesjährige Friedensnobelpreisträger präsentiert. Am Montag erfolgt dann die Bekanntgabe des Preisträgers für Wirtschaftswissenschaften.

Die Bekanntgaben der Nobelpreise stehen in diesem Jahr allerdings im Schatten eines Skandals, der die Schwedische Akademie seit fast einem Jahr erschüttert. Die Schwedische Akademie ist für die Auswahl des Literaturnobelpreisträgers verantwortlich und hat entschieden, dass in diesem Jahr kein Literaturnobelpreisträger gekürt wird.

Vor einem knappen Jahr kam heraus, dass Jean Claude Arnault, der Ehemann von Akademiemitglied Katarina Frotsenson, über Jahre Frauen sexuell belästigt haben soll. Die Übergriffe sollen teilweise sogar in Räumen der Akademie stattgefunden haben. Sara Danius trat als ständige Sekretärin der Akademie zurück, weitere Mitglieder verließen ebenfalls aus Protest das Gremium, das damit nicht mehr beschlussfähig ist.

Einen Literaturnobelpreis wird es deshalb in diesem Jahr nicht geben. Die „Rest-Akademie“ hat beschlossen, den Preis auszusetzen, um sich voll und ganz der Rekonstruktion des Gremiums und der Wiederherstellung des Vertrauens zu widmen. Möglicherweise sollen im kommenden Jahr zwei Literaturnobelpreisträger gekürt werden.

Es ist gehört zur Dramatik der tiefsten Krise in der mehr als einhundertjährigen Nobelgeschichte, das am Tag der Bekanntgabe des Medizinnobelpreisträgers auch das Urteil gegen Arnault gefallen ist. Er wurde am Montagvormittag vom Amtsgericht Stockholm wegen Vergewaltigung in einem Fall zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

In einem weiteren Vergewaltigungsfall wurde Arnault freigesprochen. Der gebürtige Franzose hat die Taten geleugnet.

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