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Start-up German Bionic Ein Roboteranzug soll vor Rückenschmerzen schützen

Das Start-up German Bionic will Arbeiter mit seinem Exoskelett entlasten. Gründer Armin G. Schmidt hat damit nun namhafte Investoren überzeugt.
18.01.2021 - 15:27 Uhr Kommentieren
Das System soll seine Träger beim Heben von schweren Gegenständen unterstützen und so vor Überlastung und Verletzungen schützen. Quelle: German Bionic
Rückenroboter Cray X von German Bionic

Das System soll seine Träger beim Heben von schweren Gegenständen unterstützen und so vor Überlastung und Verletzungen schützen.

(Foto: German Bionic)

Düsseldorf Vom Hexenschuss bis zum Bandscheibenvorfall – ein Viertel aller Krankentage in Deutschland sind auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurückzuführen. Das verursacht laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz einen wirtschaftlichen Schaden von 30 Milliarden Euro.

Aus diesem Problem haben die Gründer des Start-ups German Bionic ein Geschäftsmodell entwickelt. Armin G. Schmidt ist einer von ihnen und erhofft sich mit seinem Exoskelett namens Cray X einen direkten Effekt auf die Gesundheit in der Arbeitswelt. Das System konnte bereits hochkarätige Techinvestoren wie Samsung, MIG und IT-Farm aus Japan überzeugen.

Zuletzt sammelte das Start-up 16,5 Millionen Euro ein. Mit dem frischen Kapital möchte das Unternehmen seine Onlineplattform ausbauen.

Cray X ist ein intelligenter Roboter, der wie ein Rucksack getragen wird. Das System soll seine Träger beim Heben von schweren Gegenständen unterstützen und so vor Überlastung und Verletzungen schützen. Um bis zu 30 Kilogramm kann das Exoskelett seinen Träger entlasten und hat ein Eigengewicht von sieben Kilogramm.

Die Menge, die eine Person trägt, wird von Sensoren gemessen, diese Daten werden anonymisiert an die Onlineplattform gesendet und von einem Algorithmus ausgewertet. „So kann der Arbeitgeber feststellen, wie viele Tonnen in welcher Zeit vom Exoskelett kompensiert wurden und nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter landen“, erklärt der 43-jährige Schmidt. Auf seinem Laptop einsehen kann der Arbeitgeber nur die gesamte Menge, die gehoben wurde – nicht aber die Leistung des Einzelnen.

2017 gründete der Unternehmer mit Peter Heiligensetzer die Firma German Bionic. Quelle: German Bionic
Armin G. Schmidt

2017 gründete der Unternehmer mit Peter Heiligensetzer die Firma German Bionic.

(Foto: German Bionic)

Der Geschäftsführer blickt bereits auf einen namhaften Kundenstamm, darunter das Möbelunternehmen Ikea, den Flughafen Stuttgart und das DHL Innovation Center. Schmidt ist sich sicher: „Im Arbeitsalltag können Exoskelette in Prozessen eingesetzt werden, in denen eine Vollautomatisierung nicht sinnvoll ist.“

Vorstellbar sei der Einsatz etwa in der Logistikbranche, in Industrieunternehmen, in Handwerksbetrieben oder auch in Pflegeeinrichtungen. Solch eine Technologie hat ihren Preis: Für 700 Euro im Monat kann Cray X gemietet werden. In Relation zu den Kosten der etwa 21.000 neuen Fälle von Erwerbsminderungsrenten durch Muskel- und Skeletterkrankungen im Jahr sei die Rate überschaubar, kalkuliert der Hersteller.

Erfolgreicher Seriengründer

Dass Schmidt sich mal mit Hardware wie einem Rückenroboter befassen würde, hätte er nicht gedacht. Zuvor hat er ausschließlich Softwareprodukte auf den Markt gebracht. Nach seinem Studium der Informatik und Wirtschaft in München gründete er im Jahr 2007 das Unternehmen Aupeo. „Wir haben so eine Art Streamingdienst für Musik für vernetzte Autos entwickelt.“

2008 zog Aupeo in die Hauptstadt. „Die Investitionsbank Berlin hat uns einen guten Kredit angeboten, den konnten wir nicht ablehnen. So sind wir Teil der Start-up-Szene geworden“, berichtet Schmidt. Schließlich verkaufte er Aupeo an Panasonic.

Schmidt blieb der Start-up-Szene trotzdem weiter erhalten: Im Jahr 2013 gründete er Advanced Telematic Systems (ATS), das später eine Lösung für Software-Updates für vernetzte Autos auf den Markt brachte. „Damals war das ein neues und sehr kniffliges Produkt, denn bei dieser Software ging es primär um Sicherheit“, sagt er. Schließlich birgt es eine große Gefahr, wenn ein Auto gehackt oder durch ein Upgrade gestört wird.

2017 verkaufte Schmidt ATS an Here Technologies – den Online-Geodaten- und Navigationsdienst, der ursprünglich von Nokia für Smartphones entwickelt wurde. Heute gehört das Unternehmen mehrheitlich Daimler, BMW und Audi.

„Danach wollte ich es eigentlich ruhiger angehen lassen, aber die Exoskelett-Idee hat mich nicht mehr losgelassen.“ 2017 gründete er mit Peter Heiligensetzer German Bionic, 2018 übernahm Schmidt dann als CEO die gemeinsame Geschäftsleitung des Unternehmens.

Das Besondere an dem Roboter gegen Rückenschmerzen sei die direkte Rückmeldung der Kunden. „Es ist menschlich zufriedenstellender vom Mitarbeiter zu hören, dass er wöchentlich einen Elefanten weniger trägt, als von einem Manager, der sich über ein dreiprozentiges Einsparungspotenzial freut.“

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