Studie auf dem Oktoberfest Herzrasen beim Kampftrinken

Forscher der Uni München haben auf dem Oktoberfest die Wirkung von Alkohol auf das Herz untersucht. Das Ergebnis zeigt die besondere Belastung, die viel Alkohol in kurzer Zeit für unseren Körper bedeutet.
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Münchner Forscher untersuchten haben rund 3000 Oktoberfestbesucher untersucht. Quelle: dpa
Kellnerin auf dem Oktoberfest

Münchner Forscher untersuchten haben rund 3000 Oktoberfestbesucher untersucht.

(Foto: dpa)

MünchenDie Wiesn-Maß steigt nicht nur zu Kopfe, sondern bringt auch das Herz durcheinander. Münchner Forscher haben rund 3000 Oktoberfestbesucher untersucht und dabei festgestellt, dass mit dem Alkoholspiegel das Risiko für Herzrhythmusstörungen bis hin zum Vorhofflimmern steigt. Die in der Fachzeitschrift „European Heart Journal“ veröffentlichte Studie prüfte Rhythmusstörungen erstmals unmittelbar nach dem Alkoholkonsum und an einer großen Zahl von Teilnehmern.

Die Wissenschaftler der Klinikums der Universität München waren 2015 täglich auf dem Oktoberfest unterwegs. Im Bierzelt sprachen sie Besucher an und baten sie um eine anonyme Teilnahme an einem schnellen EKG mittels Smartphone sowie einem Atemalkoholtest.

Gezähmte Flöhe, geschrubte Hendl und besoffene Agenten
Riten
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Bier, Fahrgeschäfte - natürlich. Das Oktoberfest hat darüber hinaus seine eigenen Riten und Gepflogenheiten; es hat ein ganz spezielles Klima, spezielle Gäste und spezielle Artisten.

Zehn Grad wärmer
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Feucht und warm: Fast tropisch könnte man das Klima auf der Wiesn nennen. Dort ist es bis zu zehn Grad wärmer als sonst in der Stadt und die Luftfeuchtigkeit liegt ein Drittel höher, hat der Bonner Meteorologe Karsten Brandt bei Messungen herausgefunden. „Wir haben uns gefragt: Woher kommt dieser Unterschied?“

Viel Strom
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Lichter, Fahrgeschäfte, Hendl-Bratereien, Küchen - der Stromverbrauch des Fests lag zuletzt bei 2,88 Millionen Kilowattstunden und der Erdgasverbrauch bei 230 000 Kubikmetern. Dennoch: Der Wärme-Effekt gehe zu zwei Dritteln von den Besuchern aus.

Menschen wie Glühbirnen
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Ein Mensch erzeuge 80 Watt - soviel „wie eine große alte Glühbirne“, sagt Brandt. Zudem atmen und schwitzen die Besucher. Die Feuchtigkeit liege „wie eine warme feuchte Glocke“ über dem Fest. „Für die Entwicklung von Regen reicht das nicht.“ Und auch nicht für Nebel.

Schnelle Treppen
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Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) schaltet die Bänder am U-Bahnhof Theresienwiese nach oben teils schneller. Rolltreppen in Deutschland fahren nach der Norm DIN 18024 mit 0,5 Metern pro Sekunde. „Das ist ein für alle Fahrgäste bewährter Kompromiss zwischen Sicherheit und Leistung“, sagt ein MVG-Sprecher. Zur Wiesn-Stoßzeit beschleunigen sie auf 0,68 Meter pro Sekunde.

12.500 Menschen pro Stunde
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Damit werden in Spitzenzeiten bis zu 12.500 Menschen pro Stunde Richtung Festgelände befördert. Einen Geschwindigkeitsrausch muss niemand fürchten: In vielen Ländern sind Rolltreppen auch im Normalbetrieb mit mehr Tempo unterwegs.

Agentensause...
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Der BND lud jahrelang Mitarbeiter ausländischer Dienste zur Sause auf die Wiesn ein, wie 2015 aus einer Antwort des Bundeskanzleramts an den Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele hervorging. Der BND übernahm Bewirtungskosten von 40 bis 50 Euro pro Person. Dafür gibt es zum Beispiel ein halbes Hendl und drei Maß Bier.

„Das Ergebnis war: Je mehr man trinkt, desto mehr Herzrhythmusstörungen entwickelt man“, sagte Moritz Sinner, der die Studie mit seinem Kollegen Stefan Brunner leitete. Fast ein Drittel der Bierzeltbesucher hatte akute Rhythmusstörungen, ein Viertel Herzrasen – und die Probleme stiegen mit der Alkoholmenge.

Kleinere Studien hatten bereits vermuten lassen, dass viel Alkohol über einen kurzen Zeitraum zu Herzrhythmusstörungen führt. Dieses „Holiday Heart Syndrome“ war aber nicht während des Alkoholkonsums, sondern nachträglich nüchtern beim Arztbesuch festgestellt worden.

Das Oktoberfest sei für die Studie besonders geeignet, sagte Sinner. Tatsächlich gibt es wohl kaum irgendwo sonst über eine so lange Zeit einen so regen Alkoholkonsum: An 16 Festtagen kommen an die sechs Millionen Besucher – und sie trinken insgesamt etwa sieben Millionen Maß Bier.

An der Grenze zur Alkoholvergiftung
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