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Telemedizin Allianz am Apothekenmarkt: Doc-Morris-Mutter übernimmt Teleclinic

Die Schweizer Zur Rose Gruppe übernimmt das Münchner Telemedizin-Start-up Teleclinic. Gemeinsam wollen die Unternehmen den Apothekenmarkt ändern.
17.07.2020 - 18:14 Uhr Kommentieren
Katharina Jünger, CEO von Teleclinic. Arztgespräch, Rezept und Krankschreibung in Minuten per App. Quelle: Teleclinic
Teleclinic CEO Katharina Jünger

Katharina Jünger, CEO von Teleclinic. Arztgespräch, Rezept und Krankschreibung in Minuten per App.

(Foto: Teleclinic)

Berlin Es ist der Tag nach der Übernahme ihres Start-ups Teleclinic, als Katharina Jünger denkt: Eigentlich hat sich für mich wenig geändert. Denn sie bleibt vorerst CEO und will nach ihren eigenen Worten „viele weitere Jahre an Bord bleiben“.

Für ihr Telemedizin-Start-up und die gesamte Apothekenbranche ist seit diesem Freitag hingegen vieles anders. Die Gründerin verkaufte das Unternehmen an die Schweizer Zur Rose Gruppe, für einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“, wie es in einer Mitteilung hieß. Zu dem börsennotierten Konzern gehört unter anderem Doc Morris, die größte Versandapotheke Deutschlands mit mehreren Millionen Euro Umsatz.

Deren Angebot soll nun Hand in Hand gehen mit den digitalen Arztbesuchen, die Teleclinic anbietet. Patienten bekommen nach einer solchen Videosprechstunde Doc Morris als Arzneimittel-Anbieter eingeblendet, bei dem sie ihr elektronisches Rezept einlösen und Medikamente bestellen können.

Außerdem soll das Angebot von Teleclinic Teil des von Doc Morris geplanten großen Gesundheitsmarktplatzes werden. Das Ziel ist nichts weniger als einen „europäischen Champion auf dem Gesundheitsmarkt“ zu schaffen, wie Gründerin Jünger sagt.

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    Mit der Übernahme rüstet sich die Zur Rose Gruppe für den zunehmenden Kampf am Apothekenmarkt. Die Digitalisierung krempelt die Branche um.

    Mit Blick auf die geplante Einführung des E-Rezepts bündeln verschiedene etablierte Player und die rund 19.000 Vor-Ort-Apotheken ihre Kräfte, um der Konkurrenz durch Versandapotheken wie Doc Morris etwas entgegenzusetzen.

    Erst in der vergangenen Woche kündigte der größte deutsche Pharmahändler Phoenix eine Kooperation mit der Apothekeninitiative Pro Avo an. Mit dem „Zukunftspakt Apotheke“ hat sich der Pharmahandel Noweda mit dem Medienkonzern Hubert Burda Media zusammengeschlossen, der unter anderem mit dem Telemedizin-Anbieter Jameda im Gesundheitsbereich aktiv ist.

    Umkämpfter Apothekenmarkt

    Die Branche sei im Aufbruch, erklärt Ulrich Zander, geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsgesellschaft Sempora. „Alle haben das Bedürfnis, schneller als andere eine möglichst umfassende, innovative Plattform aufzubauen.“ Dass Doc Morris nun einen Telemedizin-Anbieter dazukaufe, liege nahe. Denn: Wer sich telemedizinisch beraten lässt, kauft höchstwahrscheinlich anschließend auf digitalen Wege ein Medikament. Laut Katharina Jünger hat bislang jeder zweite Kunde die elektronische Verschreibung genutzt.

    Das war wohl auch der Grund, weswegen sich das Münchner Start-up für seinen eigenen Verkauf entschied. „Wir standen vor der Entscheidung, ob wir einen eigenen Apotheken-Marketplace anbieten oder mit einem erfahrenen Partner zusammengehen Ein eigenes Angebot ist nicht unsere Kernkompetenz, deswegen kam nur die zweite Option infrage“, erläutert Jünger. Nach wenigen Wochen habe es den Deal gegeben. Finanziert war das Start-up mit rund neun Millionen Euro; Jünger selbst hielt bis zur Übernahme noch elf Prozent der Anteile.

    Doc Morris wiederum war auf der Suche nach einem Telemedizin-Anbieter und dessen Patienten-Kontakt. „Unsere Kunden wünschen sich auch eine telemedizinische Beratung, die wir ihnen nun anbieten werden“, sagt Doc-Morris-Deutschlandchef Olaf Heinrich. Mit der Übernahme endet für Doc Morris auch die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Telemedizin-Start-up Kry.

    Das digitale Kassenrezept sieht Heinrich als einen Treiber für den Apothekenmarkt und für die Telemedizin. „Wenn wir hier unsere Kräfte bündeln, erreichen wir mit einem Schlag noch mehr Kunden.“ Der Markt ist groß: Mehr als 390 Milliarden Euro werden jährlich in Deutschland für Gesundheit ausgegeben. Allein der Apothekenmarkt steht zu Herstellerabgabepreisen gerechnet für rund 38 Milliarden Euro Umsatz.

    Hoffnung auf mehr Kunden

    Dabei wurden jedoch nur knapp ein Prozent der rezeptpflichtigen Medikamente über Onlineapotheken verschickt. Volker Bosse, Analyst bei der Baaderbank, sieht deswegen noch großes Potenzial. „Der Anteil der online bestellten verschreibungspflichtigen Medikamente kann perspektivisch auf zehn Prozent steigen, so wie in Schweden“, sagt er.

    Was bei Versandapotheken für steigende Umsätze sorgt, lässt klassische Apotheken um ihre Existenz bangen. Die reagierten teils mit Empörung auf die Nachricht der Übernahme. So beendete die Plattform Apotheken.de unmittelbar nach der Bekanntgabe seine Kooperation mit Teleclinic. Über diesen zum Deutschen Apotheker-Verlag gehörenden digitalen Vertriebsweg gelangten die elektronischen Rezepte der Kunden an rund 6.000 Apotheken.

    Man wolle sich nicht zum Steigbügelhalter für den Erfolg rein ökonomisch getriebener Plattformstrategien ausländischer Kapitalgesellschaften im deutschen Gesundheitswesen machen, hieß es als Begründung. Jünger hofft dagegen, möglichst viele Apotheken weiterhin an ihre Plattform binden zu können. „Wir sind allen Anbietern gegenüber offen und werden niemanden benachteiligen“, sagt sie.

    Mehr: Teleclinic öffnet seine Online-Sprechstunde für Kassenpatienten

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