Tödliches Virus Was Koreas Notenbank mit Mers zu schaffen hat

Die koreanische Zentralbank senkt den Leitzins – wegen der Viruserkrankung Mers. Die grassiert seit Mai in Südkorea, am Morgen ist der zehnte Mensch gestorben. Was sich die Notenbanker dabei gedacht haben.
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Zahl der Mers-Todesopfer steigt weiter

SeoulAuf den ersten Blick klingt die Meldung aus Südkorea einigermaßen absurd: Die Notenbank Bank of Korea hatte am Morgen überraschend den Leitzins um ein Viertel auf rekordniedrige 1,5 Prozent gesenkt – wegen der Viruserkrankung Mers. Wie hängt das eine mit dem anderen zusammen?

Südkoreas Wirtschaft steht schon länger unter Druck. Aufgrund der lahmen globalen Nachfrage und dem schwachen japanischen Yen waren Exporte und Importe in Südkorea in den ersten fünf Monaten des Jahres eingebrochen. Nun fürchtet die Zentralbank offenbar, dass die Atemwegserkrankung Mers ihr Übriges dazu tun könnte, die Konjunktur weiter zu schwächen.

So sorgt man etwa, dass es der Wirtschaft nachhaltig schaden könnte, wenn Touristen und Inländer Reisen nach und in Südkorea stornieren oder – noch einfacher – Bürger aus Angst vor Ansteckung zu Hause bleiben und nicht zur Arbeit gehen könnten. Ein niedrigerer Leitzins dürfte dagegen den südkoreanischen Won verbilligen und die Kreditvergabe ankurbeln.

Seit Mai grassiert der Mers-Virus bereits in Südkorea. Am Morgen meldete der Nachrichtendienst RT den zehnten Toten. Mehr als Hundert sollen laut der koreanischen Gesundheitsbehörde infiziert sein. Tausende wurden nach möglichem Kontakt mit dem Virus unter Quarantäne gestellt.

Die gefährlichsten Viren der Welt
EBOLA VIRUS
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Ebola-Virus

Das vorwiegend in Zentralafrika auftretende Ebola-Virus gehört zu den tödlichsten Krankheitserregern überhaupt. Bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben innerhalb von einer Woche nach dem Auftreten der ersten Symptome.

Marburg-Virus
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Marburg-Virus

Mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 90 Prozent ist der Erreger des Marburg-Fiebers ähnlich gefährlich wie das Ebola-Virus. Vergleichbar sind auch Krankheitsverlauf und Übertragungsweg: Beide Erreger werden auf den Menschen durch Kontakt mit infizierten Personen oder Tieren übertragen.

Das Marburg-Virus wurde erstmals im Jahr 1967 bei Mitarbeitern eines Labors in Marburg festgestellt. Vermutlicher Ausgangspunkt der Erkrankung waren seinerzeit wohl infizierte Versuchstiere.

Lassavirus
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Lassa-Virus

Überträger des vor allem in Westafrika auftretenden Lassa-Virus ist ein Nagetier, die Natal-Vielzitzenmaus. Etwa 500.000 Menschen erkranken nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO am Lassa-Fieber, rund 5000 davon sterben. Gefährdet sind vor allem schwangere Frauen, da sich der Erreger gern in der Plazenta einnistet.

TigermückeTigermücke
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Dengue-Virus

Die Tigermücke ist einer der Erreger des durch Viren hervorgerufenen Dengue-Fiebers. Die Krankheit ähnelt meist einer schweren Grippe, kann aber auch in ein hämorrhagisches Denguefieber ausarten, bei dem schwere innere Blutungen schließlich zum Tod führen. Die WHO schätzt, dass bis zu 100 Millionen Menschen pro Jahr an Denguefieber erkranken, rund 20.000 davon sterben.

Hantaviren
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Hanta-Virus

Während des Koreakrieges erkrankten rund 3000 US-Soldaten im Gebiet des südkoreanischen Hantan-Flusses an einem bis dahin unbekannten Erreger, der Fieber und im schlimmsten Fall Nierenversagen verursachte. Heute zählen Hantaviren zu den am weitesten verbreiteten Krankheitserregern, sie sind praktisch weltweit zu finden. Die meisten Infektionen mit den durch Nagetiere übertragenen Viren verlaufen allerdings glimpflich.

Gelbfieber
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Gelbfieber-Virus

Obwohl es einen Impfstoff gibt, erkranken pro Jahr noch immer mehrere hunderttausend Menschen an Gelbfieber. Die Viren werden durch Stechmücken übertragen. In schweren Fällen kann es zu Leberschäden und Störungen der Blutgerinnung kommen. Die WHO schätzt, dass etwa 30.000 Menschen pro Jahr an Gelbfieber sterben.

Bei dem Mers-Virus handelt sich um einen seit dem Jahr 2012 bekannten neuen Stamm aus der Gruppe der Coronaviren. Die Erkrankung geht häufig mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Husten und Kurzatmigkeit einher. Bei schweren Verläufen kann sich eine Lungenentzündung entwickeln, auch kann es zu Nierenversagen kommen.

Allerdings ist Mers nicht so leicht zwischen Menschen übertragbar wie etwa die Atemwegserkrankung Sars, an der in Asien im Jahr 2003 hunderte Menschen starben. Der Ausbruch der Krankheit in Südkorea ist der größte außerhalb der arabischen Halbinsel, wo das Coronavirus (Mers-CoV) erstmals 2012 nachgewiesen worden war.

  • afp
  • ap
  • dpa
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