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US-Gesundheitsmarkt Buffett, Bezos und Dimon geben ihr ambitioniertes Gesundheitsprojekt auf

Amazon, Berkshire Hathaway und JP Morgan wollten ein gemeinsames Gesundheitssystem schaffen. Knapp drei Jahre nach der Gründung von Haven geben sie auf.
04.01.2021 - 23:24 Uhr Kommentieren
Gemeinsam wollten die Unternehmer eine eigene Krankenversicherung mit einem eigenen stark digitalisierten Ärztesystem und direkten Zugang zu Medikamenten aufbauen. Quelle: Imago
Berkshire Hathaway-Gründer Warren Buffett (l.) und Amazon-CEO Jeff Bezos

Gemeinsam wollten die Unternehmer eine eigene Krankenversicherung mit einem eigenen stark digitalisierten Ärztesystem und direkten Zugang zu Medikamenten aufbauen.

(Foto: Imago)

New York Mit großen Fanfaren hatten Warren Buffett, Jeff Bezos und Jamie Dimon im Februar 2018 ihr ambitioniertes Projekt angekündigt: Unter dem Namen Haven wollten die CEOs der Investment-Holding Berkshire Hathaway, des Onlinehändlers Amazon und der größten US-Bank JP Morgan ihre Kräfte bündeln, um ein eigenes Gesundheitssystem auf die Beine zu stellen. Nun brechen sie das Vorhaben wieder ab. Ende Februar wird das gemeinsame Unternehmen mit bisher 57 Mitarbeitern in Boston seine Pforten schließen.

Damit scheitern auch drei der größten und erfahrensten Namen der US-Wirtschaft an dem schwierigen und teuren Gesundheitssystem in den USA. Gemeinsam wollten sie eine eigene Krankenversicherung mit einem eigenen stark digitalisierten Ärztesystem und direkten Zugang zu Medikamenten aufbauen. Das alles zu günstigen Preisen, weil die Beteiligten keinen Gewinn damit machen wollen.

An die Spitze hatten sie den Chirurg und Harvard-Medical-School-Professor Atul Gawande gesetzt, der allerdings bereits im vergangenen Mai das Gemeinschaftsunternehmen verlassen hatte.

Zunächst sollten von dem neuen Gesundheitssystem die Mitarbeiter von Berkshire, JP Morgan und Amazon profitieren. Später sollte das Ganze auch der breiteren Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden.

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    Beobachter hatten auf eine Blaupause für eine US-weite Lösung gehofft

    Das Projekt wurde mit Spannung verfolgt. Viele Beobachter hofften, dass Haven eine Alternative zu dem komplizierten und überteuerten herrschenden Gesundheitssystem sein könnte. Doch diese Hoffnungen sind nun enttäuscht worden.

    „In den vergangenen drei Jahren hat Haven eine weite Spanne von Gesundheitslösungen erforscht und neue Wege ausprobiert, den Zugang zu Ärzten zu vereinfachen, Versicherungsleistungen verständlicher und einfacher zu gestalten und Medizin günstiger zu machen“, teilte Haven auf seiner Internetseite auf nur neun Zeilen mit. Die drei beteiligten Unternehmen würden in Zukunft diese Einblicke nutzen und weiterhin kooperieren, um „auf sie zugeschnittene Programme für ihre Mitarbeiter“ zu entwickeln.

    Der große Unternehmens-übergreifende Wurf, der als Blaupause für eine nationale Lösung dienen könnte, bleibt damit aus. Jamie Dimon, der Vorstandsvorsitzende von JP Morgan, schrieb in einer Email an die Mitarbeiter: „Haven hat am besten als Inkubator für Ideen funktioniert, als Ort, etwas auszuprobieren, zu testen und zu lernen – und als Weg, Best Practices unserer Unternehmen auszutauschen“.

    Tatsächlich dürften wohl auch die Anforderungen und Ansprüche der beiden Finanzunternehmen Berkshire und JP Morgan und die des Online- und Logistik-Riesen Amazon unterschiedlich gewesen sein. Angestellte in der Finanzbranche bekommen in den meisten Fällen deutlich bessere Krankenversicherungen von ihren Arbeitgebern bezahlt als etwa Lagerarbeiter von Amazon. 

    Hinzu kommen die regionalen Unterschiede: Amazon hat seinen Hauptsitz in Seattle, JP Morgan in New York und Berkshire Hathaways ist mit seinen vielen Unternehmen an vielen unterschiedlichen Orten präsent.

    In den USA hängt die Krankenversicherung in den meisten Fällen am Arbeitgeber. Dabei müssen Versicherte oft eine hohe Selbstbeteiligung in Kauf nehmen. Das gilt auch für die unter Obama eingeführten Policen.

    Buffett beschreibt die Spieler am Gesundheitsmarkt als „gefräßigen Bandwurm“

    Die USA geben jährlich 3,8 Billionen Dollar für Gesundheit aus, Tendenz steigend. Das entspricht durchschnittlich 11.600 Dollar pro Person und etwa 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dennoch geht davon nur ein Bruchteil an Ärzte oder Pfleger.

    Der Großteil geht für die Verwaltung der vielen verschiedenen Krankenkassen und zwischengeschalteten Institutionen drauf. So gibt es in den USA etwa die Figur der Pharmacy Benefit Managers (PBMs), die theoretisch für die Krankenversicherer die besten Preise für Medikamente aushandeln sollen. Doch auch diese sind Profit-orientiert und treiben damit die Preise mit in die Höhe.

    Der Investment-Guru Warren Buffett hatte die vielen Spieler im teuren amerikanischen Gesundheitsmarkt einst als „gefräßigen Bandwurm“ bezeichnet, der die Gesundheit der Amerikaner nicht verbessert. Buffett hatte sein ursprüngliches Engagement in dem Gemeinschaftsprojekt Haven damit begründet, dass er um sich herum viele gleichaltrige Reiche sehe, denen es dank ihrer exzellenten Versorgung gesundheitlich deutlich besser gehe als vielen weniger gut verdienenden Menschen. Doch auch er konnte den gefräßigen Bandwurm nicht besiegen. 

    Mehr: Police von Amazon oder Apple? Alternative Anbieter werden zur Gefahr für etablierte Versicherungskonzerne

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