Versandhandel DocMorris und Shop Apotheke wollen vom E-Rezept in Deutschland profitieren

Die beiden Unternehmen aus den Niederlanden erwarten einen Wachstumsschub durch das elektronische Rezept – und wollen zu Gesundheitsplattformen werden.
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Die Onlineanbieter dürften die größten Profiteure des elektronischen Rezepts werden. Quelle: dpa
Logistikzentrum von DocMorris in Heerlen

Die Onlineanbieter dürften die größten Profiteure des elektronischen Rezepts werden.

(Foto: dpa)

Frankfurt Seit Jahren bauen die beiden niederländischen Online-Apotheken DocMorris und Shop Apotheke ihre Präsenz im Versandhandel mit Medikamenten in Deutschland und Europa aus. Börsengänge und diverse Kapitalerhöhungen brachten der Venloer Shop Apotheke und der DocMorris-Mutter Zur Rose aus der Schweiz das nötige Kapital, um mit Zukäufen und hohen Werbegeldern neue Kunden und Märkte zu erobern.

Jetzt arbeiten die beiden Unternehmen an einer neuen Wachstumsstory. Die hat einige Gemeinsamkeiten. Möglichst stark von der Einführung des elektronischen Rezeptes in Deutschland zu profitieren, ist ein Teil der Strategie. Ein weiterer, den Online-Versand von Medikamenten um neue Angebote wie einen Marktplatz nach dem Vorbild von Amazon zu erweitern.

Künftig sollen Drittanbieter über die Plattformen von Zur Rose und Shop Apotheke beispielsweise auch Medizin- und Sanitärprodukte von Kontaktlinsen bis zu Rollatoren verkaufen können. Zur Rose geht sogar noch einen Schritt weiter und will eine integrierte E-Health-Plattform aufbauen mit Gesundheitsservices von Patienteninformation bis hin zu Telemedizin. Diese sollen in Kooperation mit Partnern angeboten werden.

Noch müssen viele dieser Pläne mit Leben gefüllt werden. Aber beim elektronischen Rezept zeichnet sich das Potenzial schon ab. Als „Game Changer“ bezeichnet Ulrich Wandel, Finanzchef von Shop Apotheke, die geplante Einführung in Deutschland. Das Gesetz ist verabschiedet, Modellversuche laufen bereits, im kommenden Jahr sollen Versicherte die ersten elektronischen Verordnungen einlösen können.

„Das E-Rezept ist eine unglaubliche Wachstumschance. Wir rechnen damit, dass sich unser Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten um den Faktor vier oder fünf erhöhen wird“, sagt Wandel. Rund 30 Prozent des Umsatzes in der Region Deutschland, Österreich und Schweiz entfällt bei Shop Apotheke auf verschreibungspflichtige Medikamente. Das entspricht im ersten Halbjahr 2019 einem Umsatz von rund 90 Millionen.

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Solche Perspektiven könnten den beiden Versandapotheken Impulse auch an der Börse geben. Die Aktie von Zur Rose liegt mit aktuell weniger als 95 Franken deutlich unter dem Ausgabekurs von 140 Franken beim IPO Anfang Juli 2017. Und Shop Apotheke, die im Oktober 2016 an die Börse ging, ist mit gut 28 Euro pro Aktie weniger als die Hälfte als noch Ende 2017 wert.

Beim Umsatz ging es dafür Jahr für Jahr bei beiden Unternehmen zweistellig nach oben, so auch im ersten Halbjahr 2019. Shop Apotheke Europe steigerte den Umsatz von Januar bis Juni um 32 Prozent auf 338 Millionen Euro und will am Jahresende bei 700 Millionen Euro landen.

Apothekenmarkt wächst

Die DocMorris-Mutter Zur Rose wuchs im ersten Halbjahr um elf Prozent auf 771,8 Millionen Schweizer Franken (rund 711 Millionen Euro), wobei das deutsche Geschäft mit einem Wachstum von knapp 15 Prozent rund 377 Millionen Franken beisteuerte. Das Geschäft der im Januar erworbenen deutschen Versandapotheke Medpex eingerechnet will Zur Rose in diesem Jahr ihren Nettoumsatz um mehr als 30 Prozent auf 1,6 Milliarden Franken steigern.

Laut Zahlen des Marktforschungsinstituts IQvia wuchs der deutsche Apothekenmarkt im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf knapp 36 Milliarden Euro. Rund 1,2 Milliarden davon entfielen auf den Versandhandel mit Medikamenten, der um sechs Prozent zulegte.

„Das E-Rezept wird das Wachstum des Versandhandels beschleunigen“, ist auch Tobias Brodtkorb, Geschäftsführer von Sempora Consulting, überzeugt. „Diejenigen Online-Apotheken, die das professionell anbieten, werden neue Kunden erreichen. Die werden vermutlich nicht nur ihr Rezept einlösen, sondern zusätzlich auch freiverkäufliche Produkte miteinkaufen“, sagt Brodtkorb.

Die Folge: Der Anteil der Versandapotheken im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln wird steigen – zu Lasten der stationären Apotheken. Doc Morris und Shop Apotheke dürften die beiden größten Profiteure des elektronischen Rezepts sein, dominieren sie laut einer Analyse von Sempora mit einem Marktanteil von zusammen rund 65 Prozent den Medikamentenversand in Deutschland.

E-Rezept spart viele Kosten
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