Wissenschaftler fordert für Deutschland ein unabhängiges Internet-Portal zu Gesundheitsinformationen Medizin im Netz ist nicht immer seriös

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„Es zeigte sich schnell, dass die Afgis-Initiative unzureichend ist“, sagt Schmidt-Kähler. Denn die Transparenzkriterien lassen keinen Schuss zu über Qualität der Informationen, kritisiert der Forscher. Das sieht Philipp Wachter, Leiter des Portalgeschäfts bei der Onvista Group ähnlich. Die Firma hatte im März vergangenen Jahres das Gesundheitsportal „Medicine Worldwide“ übernommen und führt es nun unter „Onmeda.de“ weiter.

„Bei den bisherigen Qualitätssiegeln für die Medizininformation ist die Kontrolle viel zu gering“, sagt Wachter. Der Nutzer müsse sich daher immer noch selbst ein Bild machen, ob er dem Angebot vertraue. Führte „Medicine Worldwide“ das Afgis-Logo noch auf seiner Seite, hat Onvista nun bei Onmeda auf eine Beantragung des Qualitätssiegels verzichtet.

Andere Anbieter entscheiden sich ähnlich. Nachdem Afgis die Qualitätskriterien Anfang des Jahres leicht verschärft hat, haben sich laut dem Vorsitzenden des Aktionsforums, Stephan Schug, nur sechs Portale um das Logo beworben. Schmidt-Kähler sieht nur einen Ausweg: die Einrichtung eines nationales Gesundheitsportal, wie es andere Länder bereits haben. Dort würden dann nur solche Seiten gelistet, die Mindeststandards bei der Qualität der Infos einhalten.

Starthilfe bei der Suche nach Medizininformationen:

Medizinportale im Internet bieten einen ersten Überblick über Gesundheitsthemen. Sie bereiten Informationen zu Krankheiten allgemein verständlich auf und verweisen in der Regel auf weiterführende Literatur. Die Linksammlung unter www.medport.de/linksammlungen.html erleichtert hier den Einstieg.

Einen etwas anderen Einstieg in Medizinthemen eröffnet die Datenbannk von Medinfo unter www.medinfo.de/index.asp. Hier werden qualitätsgeprüfte Gesundheitsseiten aus einem anderen Blickwinkel gelistet. Von Alternative Medizin, Beschwerden über Medikament und Pflege bis hin zu Zahnmedizin.

Wer schon speziellere Informationen zu Krankheiten sucht, der findet unter www.patienten-information.de eine Vielzahl von qualitätsgeprüften Internetadressen. Das Portal wird vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin betrieben, einer gemeinsamen Einrichtung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung mit Sitz in Berlin.

Vor allem Patienten mit chronischen Krankheiten sind oft besser informiert als ihre Ärzte. Sie recherchieren beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (www.dimdi.de), in deren kostenlosen Datenbanken eine Vielzahl medizinischer Fachinformationen gespeichert sind.

Wer mehr über die Qualität von Gesundheitsinformationen im Web lesen möchte, kann sich unter www.schmidt-kaehler.de/gesundheitsberatunginternet.pdf die Doktorarbeit des Forschers durchlesen.

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