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Autonomes Fahren Deutsche Autoindustrie erwägt, ihre Datenschätze zu bündeln

Beim Autogipfel im Kanzleramt geht es nicht nur ums Geld. Die Branche soll ihre Daten offenlegen, eine neue Cloud dann für moderne Mobilität sorgen.
07.09.2020 Update: 07.09.2020 - 15:03 Uhr 1 Kommentar
Autonomes Fahren: Deutschland soll mit Datencloud Vorreiter werden Quelle: dpa
Autonomes Fahren

Beim Autogipfel in Berlin soll es auch um das Gesetz zum autonomen Fahren gehen.

(Foto: dpa)

Berlin Die Ziele der Autoindustrie klingen ambitioniert. Deutschland will auch in Zukunft das Autoland Nummer eins sein. Dafür sollen nicht nur staatliche Finanzhilfen sorgen, vor allem muss der wirtschaftliche Durchbruch auf dem Weg zur neuen Mobilität des 21. Jahrhunderts gelingen.

Das jedenfalls ist der Plan, der am Dienstag im Kanzleramt auf dem Autogipfel beraten werden soll. Dabei sind die Vorstandschefs der Autoindustrie, die Ministerpräsidenten der Autoländer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). 

Um an der Spitze zu bleiben, will die Bundesregierung einen „Datenraum Mobilität“ schaffen. Die Daten sollen von der Autowirtschaft kommen, aber auch die Bahn und Nahverkehrsbetriebe sowie private Mobilitätsanbieter wie Carsharer oder Fahrradverleiher sollen liefern. So soll aus bislang nicht verknüpften Mobilitätsdaten Neues entstehen. Spätestens Ende 2021 soll die Mobilitätscloud in Betrieb gehen und ihre Tore für Ideen, Innovationen und Geschäftsmodelle öffnen.

Mithilfe der Daten sollen Mobilitätsplattformen für den Personen- wie für den Güterverkehr entstehen. Ziel sei es etwa, dass Nutzer ihre Fortbewegungsmittel „effizient und komfortabel planen, buchen und bezahlen können“, wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr.

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    Vorher aber müssen die Branchen die Pläne der Regierung unterstützen. In dem heiß umkämpften Markt, in dem die einzelnen Verkehrsträger sich gegenseitig nichts gönnen, ist dies kein leichtes Unterfangen.

    Vor allem die Autobauer sollen sich beim Autogipfel zum Datensharing bereit erklären und damit Schwung in die verfahrene Debatte bringen. Schließlich wird schon seit nunmehr fünf Jahren hinter den Kulissen erfolglos über die Freigabe von Daten diskutiert. Autobauer, aber auch die Verkehrsbetriebe bis hin zur Bahn sind bislang kritisch, ihr Sammelsurium von Profilen und Wissen zur Verfügung zu stellen.

    Schließlich müssen sie sich bereits Datensammlern wie Google, Amazon, Apple und Co. erwehren. Wer weiß schon, welche Daten wie wertvoll sind, womöglich das eigene Geschäft bedrohen, wenn sie in die Hände Dritter gelangen?

    Allenfalls innerhalb der Branchen wächst die Bereitschaft, Wissen zu teilen. Die Autobauer etwa pflegen ihr eigenes Datenmodell mit dem Namen Nevada, was für „Neutral Extended Vehicle for Advanced Data Access“ steht. „Je nach Berechtigung können Unternehmen die gleichen im Fahrzeug generierten Daten zur gleichen Zeit wie die Fahrzeughersteller erhalten“, heißt es in der Beschreibung des Verbands der Automobilindustrie (VDA).

    Die Nahverkehrsbetriebe sind damit beschäftigt, Daten untereinander zu verknüpfen. Allerdings stehen sie als öffentliche Betriebe besonders unter Druck, ihre Daten bereitzustellen, wie dies auch eine EU-Richtlinie vorsieht.

    Doch auch sie haben Bedenken. „Natürlich würde uns auch interessieren, welche Menschen wo genau wie lange und wohin E-Scooter in der Stadt nutzen“, erklärte ein Sprecher des Verbands der Verkehrsunternehmen.

    Auch hätten die Betriebe kein Problem, ihre Echtzeitdaten zur Verfügung zu stellen. „Aber wir brauchen einen fairen Wettbewerb, bei dem also auch alle privaten Anbieter ihre Daten zur Verfügung stellen.“ Vor allem die Autobauer hätten einen regelrechten Datenschatz, da Autos mittlerweile rollende Datenräume seien. Bisher gebe es dort aber keine Bereitschaft.

    „Datensouveränität“ soll erhalten bleiben

    An das Konzept der Automobilindustrie jedenfalls knüpft nun auch die Bundesregierung an und spricht von vertrauensbildenden Maßnahmen, die den Durchbruch bringen sollen. So würden nach den Plänen Daten nicht zentral vorgehalten werden.

    Der Datenraum soll allein die von den Unternehmen freiwillig angebotenen Daten dezentral vernetzen. Ziel ist es, „Datensouveränität“ zu sichern, wie es innerhalb der Bundesregierung heißt. So soll jeder, der Daten zur Verfügung stellt, jederzeit die Hoheit darüber behalten und selbst entscheiden, welche Daten er von seinem Server für wen in der Cloud öffnet.

    Über Zertifizierungen soll sich jeder Anbieter klaren Spielregeln unterwerfen und von einer neutralen Instanz überwacht werden. In dem Datenraum selbst sollen nicht nur etwa Echtzeitdaten zur Verkehrslage zur Verfügung stehen. Innen- und Verkehrsressort mühen sich ihrerseits, dass mehr öffentliche Daten frei zugänglich für jeden sind und so neue Geschäfte entstehen.

    Einen ersten Versuch finanziert das Bundesverkehrsministerium in Hamburg. Dort versucht die Stadt, mithilfe der Fördergelder ein „Reallabor“ aufzubauen, das letztlich der Prototyp des bundesweiten Datenraums werden soll. In zehn Projekten soll Verkehr umfangreich vernetzt werden, eine Mobilitätsplattform entstehen, in der die Angebote aller Verkehrsanbieter gebucht werden können oder auch autonome Fahrzeuge "die letzte Meile" vom Nahverkehr zum Fahrtziel übernehmen.   

    Cloud soll vom Bund finanziert werden

    Der wichtigste Baustein steht aber bereits fest. Finanziert werden soll die Cloud zunächst vom Bund, später dann sollen die Datenklub-Mitglieder den laufenden Betrieb finanzieren. Für den Tausch von Daten soll jedes Mitglied womöglich eine Art Vergütung erhalten.

    Staus, Unfälle, zu viele Emissionen sollen mit der Datencloud der Vergangenheit angehören. Wenn es gut läuft, soll Künstliche Intelligenz übernehmen. So ist von lernenden Systemen die Rede, die nicht nur vor Staus warnen, sondern auch die Verkehrsteilnehmer so steuern, dass an anderer Stelle nicht gleich der nächste Stau auftritt, wenn eine Umleitung empfohlen wird. 

    Die deutschen Autobauer und auch die Bundesregierung haben bereits eine Messe im Visier, auf der sie ihre Pläne einer breiten Öffentlichkeit vorstellen wollen: den  ITS-Weltkongress für smarte Mobilität und Digitalisierung. In gut 14 Monaten werden auf dem Hamburger Messegelände 15.000 Besucher erwartet mit 300 Delegationen, die sich die Telematikdienste der Zukunft anschauen wollen. 

    Am Ende, so der Wunsch der Bundesregierung, soll eine europäische Cloud entstehen und den amerikanischen Datennutzern Paroli bieten. Ob diese dann auch dem Datenklub beitreten dürfen, gilt es noch zu klären.

    Mehr: Wie Amazon zum neuen Angstgegner der deutschen Autoindustrie werden könnte

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    1 Kommentar zu "Autonomes Fahren: Deutsche Autoindustrie erwägt, ihre Datenschätze zu bündeln"

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    • Gute Ideen! Da sind wir mal gespannt, was da so kommen mag!

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