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Cyberangriff Drei Verdächtige im spektakulären Twitter-Hack beschuldigt

Die drei sollen die Twitter-Accounts zahlreicher Prominenter gehackt und damit Bitcoins ergaunert haben. Ein 17-jähriger Hauptverdächtiger wurde in Florida festgenommen.
01.08.2020 - 02:07 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen will die Verantwortlichen des Hacker-Angriffs zur Rechenschaft ziehen. Quelle: AP
Twitter

Das Unternehmen will die Verantwortlichen des Hacker-Angriffs zur Rechenschaft ziehen.

(Foto: AP)

Miami Nach spektakulären Hackerangriffen auf Twitter-Konten von Prominenten haben US-Strafverfolgungsbehörden drei Verdächtige identifiziert und beschuldigt. Es handelt sich nach Angaben vom Freitag um einen 17-jährigen Jugendlichen und einen 22-jährigen Mann aus Florida sowie einen 19-jährigen Briten. Der 17-jährige Graham Ivan C. sei in Tampa verhaftet worden und solle nach Erwachsenenrecht in Florida vor Gericht gestellt werden, teilten die Behörden mit. Den anderen beiden Verdächtigen solle in Kalifornien der Prozess gemacht werden.

In einem der aufsehenerregendsten Cyber-Verbrechen seit Jahren war es Hackern am 15. Juli gelungen, Twitter-Konten von Prominenten zu kapern und Tweets abzusetzen, in denen versprochen wurde, für jeweils 1000 Dollar, die auf ein anonymes Bitcoin-Konto überwiesen werden, 2000 Dollar zu schicken. Mehr als 100 000 Dollar kamen weltweit zusammen. Gehackt wurden unter anderem Twitter-Profile von Barack Obama, Joe Biden, Mike Bloomberg und von Tech-Milliardären wie Amazon-CEO Jeff Bezos, Microsoft-Mitgründer Bill Gates, Tesla-Chef Elon Musk sowie Stars wie Kanye West und dessen Frau Kim Kardashian.

„Es gibt in der Hacker-Gemeinde den falschen Glauben, dass Angriffe wie der Twitter-Hack anonym und ohne Folgen verübt werden können“, sagte US-Staatsanwalt David Anderson vom Nördlichen Bezirk Kaliforniens in einer Pressemitteilung. „Die heute erfolgten Beschuldigungen zeigen, dass die Freude an schändlichem Hacken in einer geschützte Umgebung aus Spaß oder Profitstreben kurz sein wird.“

Zwar hatte auch das FBI und das Justizministerium in dem Fall gegen den 17-jährigen Beschuldigten in Florida ermittelt. Doch erklärte der Staatsanwalt des Bezirks Hillborough County, Andrew Warren, dass sein Büro das Strafverfahren gegen C. vor einem Gericht des Südstaates einleite, weil die Gesetze in Florida die Anklage von Minderjährigen wegen solcher Finanzbetrugsfälle gegebenenfalls erlaube. Und C. sei der Kopf der Hacker-Betrugsmasche gewesen, ergänzte Warren. „Dieser Beschuldigte lebt hier in Tampa, beging das Verbrechen hier, und wird hier strafrechtlich belangt.“

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    Hacker-Angriff gelang durch Spear-Phishing

    Experten waren nicht sonderlich überrascht, dass ein 17-Jähriger der mutmaßliche Drahtzieher hinter dem Hack sein soll. Schließlich seien sie dilettantisch und „extrem schlampig“ bei ihrer Bitcoin-Masche vorgegangen, sagte Jake Williams, Gründer der Cybersicherheitsfirma Rendition Infosec. Bemerkenswert sei auch die Bereitschaft der Hacker gewesen, online mit Reportern über ihre Machenschaften zu sprechen. Er sei sich allerdings nicht sicher, ob C. nach dem Erwachsenenrecht beschuldigt werden sollte, ergänzte Williams. Der Teenager habe es zwar sicherlich verdient, dafür zu zahlen, doch erscheine ihm eine mögliche jahrzehntelange Strafe in diesem Fall nicht gerecht.

    Twitter hatte bereits Details zum mutmaßlichen Hergang des Hacks genannt. Die Eindringlinge hätten über Telefon-Spear-Phishing eine kleine Zahl von Mitarbeitern des Social-Media-Konzerns irregeführt, um nicht autorisierten Zugang zu vertraulichen Daten zu bekommen, teilte das Unternehmen mit. Diese Angestellten hätten Zugriff auf Account-Betreuungstools gehabt.

    Beim Spear-Phishing gaukelt der Absender dem Opfer per E-Mail oder anderen elektronischen Kommunikationsmitteln vor, eine glaubwürdige Quelle zu sein, nur um dann sensible Informationen abzugreifen. Die Hacker griffen 130 Twitter-Konten an. Von 45 Accounts setzten sie Tweets ab, bei 36 hatten sie Zugriff auf die Direktnachrichten-Inbox, und bei sieben luden sie Twitter-Daten herunter. Ermittlern der US-Steuerbehörde IRS gelang es, zwei der Hacker durch die Analyse der Bitcoin-Überweisungen ausfindig zu machen, wie Bundesstaatsanwälte mitteilten.

    Mehr: Noch nie wurden so viele Accounts von Politikern, Unternehmern und Künstlern auf einmal missbraucht. Das wirft Fragen zu den Sicherheitsmaßnahmen von Twitter auf.

    • ap
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