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Kommentar Das Beispiel Tiktok zeigt, wie Tech-Konzerne richtig reguliert werden können

Wir brauchen dringend Regeln für die mächtigen Tech-Firmen. Ausgerechnet ein Ansatz der chinesischen Videoplattform Tiktok kann dabei ein Vorbild sein.
01.09.2020 - 18:55 Uhr Kommentieren
Quelle: Kostas Koufogiorgos

(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Die globalen Tech-Konzerne sind sehr mächtig. Google weiß genauer, wo es Stau auf unseren Straßen gibt, als die deutschen Verkehrsbehörden. Facebook kennt unsere sozialen Kontakte besser als mancher Bekannte. Und Amazon weiß oft mehr über unsere Vorlieben beim Einkaufen als fast alle stationären Händler an unserem Wohnort zusammen.

Bislang stehen die staatlichen Regulierer dennoch weitgehend machtlos vor den Konzernen. Ihre Geschäftsmodelle und ihre Märkte sind oft schwer zu erfassen. Doch das soll sich ändern. In Europa und in den USA bereiten die Behörden ein strengeres Vorgehen vor.

Ausgerechnet die umstrittene Videoplattform aus China, Tiktok, könnte als Vorbild für eine neue Regulierung dienen. Denn bis US-Präsident Donald Trump eingeschritten war und auf einen Verkauf von Tiktok in den USA gedrängt hatte, war vom Tiktok-Management im Austausch mit US-Behörden eine neue Firmenstruktur erdacht worden. Im Kern ging es darum, die Daten der Nutzer von der eigentlichen Plattform zu trennen. Tiktok sollte zwar weiter seine Anwendung entwickeln dürfen. Die eigentlichen Daten der Nutzer würden jedoch separat von einem Treuhänder aufbewahrt.

Noch behaupten die Vertreter der großen Technologiekonzerne meist, eine Trennung von Plattform und Daten sei unmöglich. Bei der Anhörung vor dem Kartellrechtsausschuss des amerikanischen Parlaments mussten sich Ende Juli das erste Mal gemeinsam die Chefs von Facebook und Amazon, Apple und Google öffentlich Fragen stellen lassen. Ihre Aussagen glichen sich. Alle machten sich klein. Gegen eine Trennung von Daten und Plattform argumentieren die Konzerne seit Jahren an.

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    Dabei könnte dieser Weg letztlich noch günstiger für sie sein. Sollten die Demokraten die Präsidentschaftswahl in den USA gewinnen, könnte eine Zerschlagung großer Technologiekonzerne bevorstehen. Wären die Unternehmen hingegen „nur“ gezwungen, die alleinige Hoheit über ihre Daten aufzugeben, würden sie als Konzerne weitgehend bestehen bleiben.

    Die eigenen Daten mitnehmen dürfen – und so den Wettbewerb stärken

    Dieses Vorgehen könnte sowohl der Nutzerschaft als auch dem Wettbewerb helfen. Denn der Schritt sollte den Weg zu einer Portabilität der Daten frei machen: Während es heute normal ist, seine Mobilfunknummer bei einem Betreiberwechsel mitzunehmen, sollen künftig auch Daten beim Wechsel etwa zwischen sozialen Netzwerken übertragen werden können.

    Behalten die Nutzer die Hoheit über ihre Daten, könnten sie frei wechseln. Das ist heute kaum möglich. Wer beispielsweise seit Jahren ein soziales Netzwerk nutzt und dort viele Daten hinterlegt hat, wird kaum zur Konkurrenz wechseln, auch wenn diese möglicherweise bessere Funktionen bietet.

    Die Portabilität würde gleichzeitig den Wettbewerb fördern. Denn heute ist es vielen der großen Tech-Giganten gelungen, begrenzte Monopole aufzubauen. Werden Daten und Plattform getrennt, könnten sich die Plattformen nicht länger darauf ausruhen, Nutzer bereits möglichst eng an sich gebunden zu haben.

    Der Wettbewerb würde auch gestärkt, wenn die Plattformen dazu gedrängt würden, interoperabel zu sein, sodass ein Datenaustausch über die verschiedenen Dienste hinweg möglich ist. Wer heute einen Messengerdienst nutzt, kann in der Regel keine Nachrichten an Nutzer anderer Dienste schicken.

    Noch stellen sich die meisten Tech-Konzerne auf den Standpunkt, dass sich diese Ziele nicht erreichen lassen. Die technischen Hürden seien zu groß. Außerdem werde das Geschäftsmodell zerstört.

    Eine Aufgabe für Europas Regulierer

    Das Beispiel Tiktok zeigt, dass sehr viel möglich ist, wenn ein Konzern will. Die Firma musste eine Reihe von Hürden meistern, um die technischen Voraussetzungen für eine Trennung von Plattform und Daten zu erreichen. Auch wenn diese Idee in den USA wohl nicht umgesetzt wird, könnte sie interessant sein – etwa für den Umgang mit allen Tech-Konzernen in Europa, nicht nur mit Tiktok.

    Die Idee hinter einer Trennung von Plattform und Daten ist nicht neu. Ein ähnliches Modell hatte Microsoft in Deutschland bei Cloud-Lösungen für Firmenkunden angeboten. Dabei fungierte die Deutsche Telekom als Treuhänder für die Daten. Microsoft stellte die Technologie bereit. Der US-Konzern hat das Projekt jedoch mittlerweile beendet und greift selbst wieder direkt auf die Daten zu.

    Es gibt Start-ups, die versuchen, als digitale Bodyguards für Verbraucher aufzutreten. Dazu zählen Anbieter wie Digi.me, Mydex, CoverUS oder Idento.one. Sie versuchen, persönliche Daten zu schützen und nur notwendige Informationen weiterzugeben. Aber ohne eine wirkliche Regulierung der großen Tech-Konzerne sind ihre Einsatzmöglichkeiten begrenzt.

    Die europäischen Regulierer müssen jetzt reagieren. Mit der Datenschutz-Grundverordnung hat Europa gezeigt, dass klare Regeln helfen können. Für den Umgang mit großen Tech-Konzernen reicht das nicht aus. Eine Regulierung der großen Digitalkonzerne ist überfällig.

    Mehr: Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft sind die Gewinner der Coronakrise – das hat Folgen für die gesamte Wirtschaft

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