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Autoindustrie Autonomes Fahren: Mobileye will das Lenkrad abschaffen

Ex-VW-Manager Johann Jungwirth treibt bei der Intel-Tochter das autonome Fahren voran. Deutschland wird nach seinen Worten für die Technologie zum Vorzeigeland.
01.11.2020 - 15:25 Uhr Kommentieren
Die Fähigkeit, die Umgebung exakt zu erfassen und das maschinelle Verhalten anzupassen, ist für die Autoindustrie ein wichtiges Zukunftsfeld. Quelle: Mobileye
Autonomes Fahren

Die Fähigkeit, die Umgebung exakt zu erfassen und das maschinelle Verhalten anzupassen, ist für die Autoindustrie ein wichtiges Zukunftsfeld.

(Foto: Mobileye)

München, Tel Aviv Deutschland könnte bei der Entwicklung autonom fahrender Autos eine Vorreiterrolle übernehmen. Davon ist Johann Jungwirth überzeugt. Der ehemalige VW-Manager verantwortet bei der israelischen Firma Mobileye den Geschäftsbereich der Mobilitätslösungen mit selbstfahrenden Fahrzeugen. Die Intel-Tochter ist einer der Pioniere für das Zukunftsfeld autonomes Fahren.

„Ich glaube, dass Deutschland eine führende Rolle einnehmen kann und Referenz für die gesamte EU wird“, sagte Jungwirth dem Handelsblatt. Seit Juli lässt Mobileye schon eine kleine Flotte von Ford-Testfahrzeugen autonom durch München fahren – noch mit einem Sicherheitsfahrer und einer Sondererlaubnis. In Berlin will die Bundesregierung das autonome Fahren aber demnächst gesetzlich erlauben.

„In Deutschland gibt es hoffentlich bald die Möglichkeit, den Sicherheitsfahrer rauszunehmen. Im Moment läuft das Gesetzgebungsverfahren, und wir hoffen, dass im kommenden Jahr der gesetzliche Rahmen geschaffen ist“, sagte Jungwirth: „Wir erwarten, dass jetzt die Straßenverkehrsverordnung geändert wird, dann kann es losgehen.“

Dazu hat er einen konkreten Fahrplan: „In zwei Jahren planen wir, ohne Sicherheitsfahrer zu fahren, unser Ziel sind dann die ersten Flotten mit selbstfahrenden Fahrzeugen“, sagt Jungwirth. „Voraussichtlich ab 2025 können Kunden auch Fahrzeuge mit Autopilot kaufen, und das Lenkrad kann eine Sonderausstattung sein. Da werden sich die Kunden entscheiden können, ob sie vorn oder hinten sitzen wollen.“

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    Mobileye ist ein Spezialist für das Zusammenführen von Sensordaten, die Kameras und Radare liefern. Israelische Firmen sind führend in dieser Disziplin, nicht zuletzt wegen der intensiven Forschung an militärischen Drohnen. Die Fähigkeit, die Umgebung exakt zu erfassen und das maschinelle Verhalten anzupassen, ist für die Autoindustrie ein wichtiges Zukunftsfeld.

    Mobileye hat ein Dutzend Kooperationen mit Autoherstellern geschlossen, treibt die Entwicklung des Gesamtsystems aber auch selbst voran. In Jerusalem ist eine solche Testflotte, die ganz ohne Fahrer auskommen soll, bereits auf der Straße. Das Ziel ist das Erreichen der Marktreife in drei bis fünf Jahren.

    „Die Self-Driving-Systeme werden zunächst im kommerziellen Einsatz als selbstfahrende Taxis, Limousinen und Shuttles im Flottenbetrieb Verwendung finden für Mobilität auf Knopfdruck, die Privatkunden kommen dann zwei bis drei Jahre später“, sagt Jungwirth. Anders als beispielsweise Tesla arbeitet Mobileye nicht nur mit Kameradaten, sondern schaltet zusätzlich ein System von Lidar-Radaren hinzu.

    Mehr: Wie verändert sich die Mobilität und wie muss die Branche darauf reagieren? Erleben Sie Johann Jungwirth und viele andere Experten live bei den Handelsblatt Mobility Days digital vom 2. bis 4. November.

    Beide Systeme arbeiten komplett getrennt und erfüllen damit die Forderung nach technischer Redundanz, die von Versicherern und Gesetzgebern als Voraussetzung für die Freigabe für den Straßenverkehr gilt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Systeme gleichzeitig ausfallen, ist sehr gering“, verspricht Jungwirth. Zudem sammelt Mobileye die Kameradaten und erstellt daraus hochauflösende Karten. 2025 sollen weltweit 25 Millionen Autos Kamerabilder in das System liefern.

    BMW und Daimler bleiben erst einmal nur bei Assistenzsystemen

    Der Markt für autonom fahrende Systeme teilt sich nach Beobachtung des Londoner Marktforschers ISI Evercore: Die traditionellen Autohersteller wollen lediglich Fahrerassistenzsysteme anbieten und damit ihre Autos für den Fahrer aufwerten. Die Technologiekonzerne wie Intel mit Mobileye oder Google mit seinem Ableger Waymo streben danach, den Fahrer abzuschaffen. Wer den Fahrer komplett ersetzt, spart rund 70 Prozent der Transportkosten, Chauffeurdienste würden dramatisch billig.

    Der ehemalige VW-Manager verantwortet bei Mobileye den Geschäftsbereich der Mobilitätslösungen mit selbstfahrenden Fahrzeugen Quelle: mauritius images / CTK / Alamy
    Johann Jungwirth

    Der ehemalige VW-Manager verantwortet bei Mobileye den Geschäftsbereich der Mobilitätslösungen mit selbstfahrenden Fahrzeugen

    (Foto: mauritius images / CTK / Alamy)

    Während Mobileye selbst am vollständigen autonomen Fahren forscht, arbeitet das Unternehmen mit seinem deutschen Kooperationspartner BMW an der Entwicklung der Stufe 3 des autonomen Fahrens. Bei dieser übernimmt der Autopilot nur zeitweise die Führung, zum Beispiel auf der Autobahn. Nach einer gewissen Vorwarnzeit von rund zehn Sekunden muss der Fahrer das Lenkrad wieder übernehmen. Bereits im kommenden Jahr will BMW ein erstes Auto mit dieser Funktion auf den Markt bringen.

    Auch Daimler stellt in diesen Tagen seine S-Klasse mit einer Level-3-Fähigkeit vor. Weiter wollen die Deutschen aber erst einmal nicht gehen. Das gemeinsame Vorhaben, vollautonome Autos zu entwickeln, haben BMW und Daimler zu Beginn dieses Jahres auf Eis gelegt. Den Autokonzernen ist die Entwicklung im Moment zu aufwendig und zu teuer. Sie müssen zunächst die Elektromobilität finanzieren.

    Für Jungwirth bleibt die Abschaffung des Fahrers aber das strategische Ziel. Neben Israel und den USA will Mobileye auf deutschen Straßen die Technologie weiterentwickeln. Die mögliche Neufassung der Straßenverkehrsordnung könnte Deutschland zum Hotspot der Entwicklung machen. „Das würde uns erlauben, ab 2022 Level-4-Fahrzeuge in Deutschland zuzulassen und den Regelbetrieb von Mobilitätlösungen auf Basis selbstfahrender Fahrzeuge zu starten.“

    Zwar bleibe das „Brot-und-Butter-Geschäft“ das Verkaufen von Fahrerassistenzsystemen an die Autoindustrie. „Es kann aber auch sein, dass wir Fahrzeuge von Herstellern kaufen, mit unserer Technik für selbstfahrende Fahrzeuge ausstatten und dann Betreibern wie Verkehrsgesellschaften zur Verfügung stellen“, sagt Jungwirth. „Vielleicht macht es sogar Sinn, in manchen Städten oder Regionen diese autonom fahrenden Flotten selbst zu betreiben. Wir können aber auch mit Partnern wie Mietwagenfirmen und anderen Mobilitätsanbietern zusammenarbeiten.“

    Der Markt verspricht jedenfalls Wachstum. „Konservativ gerechnet“ sieht Mobileye ein weltweites Marktvolumen von 160 Milliarden Dollar für Mobilitätslösungen auf Basis selbstfahrender Fahrzeuge.

    Mit der App Moovit haben Intel und Mobileye den Kundenzugang

    Als wichtigen Schritt auf dem Weg zu „Mobility-as a-Service“ nennt Jungwirth den Kauf von Moovit, einer App für urbane Mobilität. Die App liefert Echtzeitdaten für den öffentlichen Verkehr, zeigt aber auch Fahrradstationen oder lokale Carsharing-Optionen. Das vor acht Jahren gegründete Start-up werde inzwischen von 800 Millionen Menschen in 3200 Städten genutzt.

    Mobileye kaufte Moovit diesen Sommer für rund 900 Millionen Dollar. „Mit der Übernahme von Moovit haben Intel und Mobileye nun die gesamte Wertschöpfungskette in der Hand, um einen eigenen autonomen Fahrdienst aufzubauen“, urteilen die Analysten von ISI Evercore. Auch hier geht Mobileye einen anderen Weg als Daimler und BMW, die das Carsharing zurückfahren und ihre Mobilitätsdienste Partnern wie Uber andienen.

    Ein selbstfahrendes Auto des zum Chip-Riesen Intel gehörenden Roboterwagen-Entwicklers Mobileye fährt für einen Test durch München. Die Fahrzeuge sollen in München und Umgebung unterwegs sein, zunächst mit Sicherheitsfahrern am Lenkrad. Quelle: dpa
    Mobileye testet selbstfahrende Autos

    Ein selbstfahrendes Auto des zum Chip-Riesen Intel gehörenden Roboterwagen-Entwicklers Mobileye fährt für einen Test durch München. Die Fahrzeuge sollen in München und Umgebung unterwegs sein, zunächst mit Sicherheitsfahrern am Lenkrad.

    (Foto: dpa)

    „Die selbstfahrenden Fahrzeuge auf die Straße zu bringen geht schneller in Unternehmen wie Intel oder Mobileye“, ist Jungwirth überzeugt, der an der Universität Stuttgart studierte Elektroingenieur. In Deutschland sei zwar „der Mittelstand eine Stärke, die man weder in Kalifornien noch in Israel antrifft“. Aber die DNA von Techunternehmen sei „speed, speed, speed“ und dabei groß zu denken.

    In Israel sei man zudem „sehr lösungsorientiert und fokussiert auf die Umsetzung – und das alles mit relativ wenigen Mitteln“. Israels Start-up-Szene sei „geprägt von Mut, Risikofreude, Geschwindigkeit und Spaß an der Tätigkeit“. „Nicht nur reden, sondern auch handeln – das ist genauso, wie ich es aus dem Silicon Valley kenne“, meint Jungwirth. Er hatte zuvor für Volkswagen unter anderem im Silicon Valley gearbeitet sowie als CEO von Mercedes-Benz R&D North America, ebenfalls im Hightech-Zentrum Kaliforniens.

    Ein Punkt sei in Israel indes stärker ausgeprägt als im Silicon Valley, sagt er: „Man ist sehr stark vernetzt, und wenn man jemanden kontaktieren möchte, dann gibt es immer jemanden, der einen kennt, der einem weiterhelfen kann.“

    Das von Amnon Shahsua gegründete Unternehmen Mobileye wurde vor drei Jahren von Intel für 15,3 Milliarden Dollar übernommen, ist aber innerhalb des Chipkonzerns autonom. Mobileye sei eine „Wachstumsmaschine“ für Intel, heißt es in einer Mitteilung von Intel, weil autonomes Fahren das exponentielle Wachstum von Daten und damit die Nachfrage nach Technologien beflügle, mit denen Daten schneller verarbeitet und effizienter gespeichert werden können.

    Mehr: Intel schickt selbstfahrende Autos auf deutsche Straßen

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