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Autoindustrie Premium-Elektromarke Polestar greift in Deutschland an

Die Elektro-Tochter von Volvo will mit ihrer neuen Limousine den Durchbruch schaffen. Als erster Autohersteller nutzt Polestar die Software von Google.
03.07.2020 - 10:30 Uhr Kommentieren
Die Volvo-Marke wird erwachsen und geht ins Massengeschäft. Quelle: Volvo/Polestar
Polestar-Produktion in China

Die Volvo-Marke wird erwachsen und geht ins Massengeschäft.

(Foto: Volvo/Polestar)

München Start-ups hat die Autoindustrie in den vergangenen Jahren reichlich gesehen. Während Elektro-Vorreiter Tesla sich am Markt etabliert hat, melden die US-Firma Faraday Future und die chinesische Nio allenfalls durchwachsene Erfolge. Ende Juni erklärte der Newcomer Byton seine bislang überschaubare Produktion für ein halbes Jahr auszusetzen.

Nun kommt Polestar – eine der wohl interessantesten Neugründungen der Branche. Das liegt auch am prominenten Mutterhaus: Polestar ist ein Volvo-Ableger, der wiederum zum chinesischen Geely-Konzern gehört.

Zum Start 2017 präsentierte man einen Hybridsportwagen, von dem nicht mehr als 500 Stück pro Jahr gebaut wurden. Jetzt wird die Marke erwachsen und geht ins Massengeschäft. „Der Polestar 2 ist ein Premium-Elektroauto in der Kategorie BMW 3er, Mercedes C-Klasse oder Audi A4“, sagt Markenchef Thomas Ingenlath im Interview mit dem Handelsblatt.

Ende Juni traf die erste Schiffsladung aus der Volvo-Fabrik in China im belgischen Zeebrügge ein. Die ersten hundert Fahrzeuge gehen ausschließlich nach Schweden und Norwegen, danach wird vor allem Deutschland beliefert.

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    „Die Nachfrage ist da. Wir haben mehrere Tausend Vorbestellungen. Jetzt geht es darum, ein echtes Geschäft aufzubauen“, sagt Ingenlath. „Das Förderpaket in Deutschland für Elektromobilität ist jetzt sehr attraktiv. Deutschland wird sicher einer unserer wichtigsten Märkte.“

    Als erster Autohersteller der Welt setzt Polestar voll auf das Android-System von Google. Quelle: Volvo/Polestar
    Innenraum des Polestar 2

    Als erster Autohersteller der Welt setzt Polestar voll auf das Android-System von Google.

    (Foto: Volvo/Polestar)

    Das liegt vor allem an den von der Bundesregierung großzügig ausgelobten Elektrozuschüssen, die es ermöglichen, die Edellimousine mit einer Leistung von 408 PS und einer Reichweite von 500 Kilometern für knapp unter 50.000 Euro anzubieten. Hier konkurriert Polestar vor allem mit dem Tesla Model 3.

    Die deutsche Konkurrenz ist in diesem Segment bislang eher blank: Mercedes und Audi haben ihre ersten Elektroautos als größere SUVs ausgelegt. BMW bringt seine Stromlimousine i4 erst 2021. Entsprechend selbstbewusst geht Polestar ans Werk. „Wir halten einen weltweiten Absatz von 50.000 Autos in den kommenden zwei Jahren für realistisch“, sagt Ingenlath.

    „Polestar Spaces“ auch in Deutschland

    Dass Polestar sehr schnell global auftreten kann, liegt an der Konstellation des Mutterkonzerns. Volvo und Geely betreiben in Göteborg ein gemeinsames Entwicklungszentrum, produziert wird in Europa und in China. Die einst siechende Traditionsmarke Volvo wird technisch auf völlig neue Grundlagen gestellt.

    Die ehemalige Volvo-Tuningtochter Polestar wurde 2017 ausgegliedert. Die Marke soll als Speerspitze der Elektromobilität deutlich cooler und sportlicher als die bisweilen etwas biedere Muttermarke Volvo auftreten.

    Ähnlich wie Tesla will Polestar ohne großes Händlernetz auskommen und die Kunden vor allem über eine Kombination aus innerstädtischen Showrooms und Onlinevertrieb ansprechen. Weltweit sind 50 „Polestar Spaces“ geplant, sieben davon in deutschen Metropolen wie Hamburg, Düsseldorf, München und Berlin. Die Investitionen übernehmen in der Regel die örtlichen Volvo-Händler.

    Ähnlich wie Tesla will die Volvo-Tochter ohne großes Händlernetz auskommen und die Kunden vor allem über eine Kombination aus innerstädtischen Showrooms und Online-Vertrieb ansprechen. Quelle: Polestar
    Polestar 2

    Ähnlich wie Tesla will die Volvo-Tochter ohne großes Händlernetz auskommen und die Kunden vor allem über eine Kombination aus innerstädtischen Showrooms und Online-Vertrieb ansprechen.

    (Foto: Polestar)

    Ingenlath, der einst als Chefdesigner im VW-Konzern wirkte, hält die Marke innen und außen skandinavisch kühl. Die Farbauswahl changiert zwischen Schwarz, Grau und Weiß. Auch die Bedienung des Stromautos ist denkbar einfach: Als erster Autohersteller der Welt setzt Polestar voll auf das Android-System von Google.

    „Android hat aus Kundensicht riesige Bedienvorteile, allein der Sprachassistent ist in der Autoindustrie unerreicht“, schwärmt Ingenlath. „Google hat mehr Daten als jedes andere Unternehmen. Die können Sprachassistenten oder Karten viel schneller verbessern als wir. Das wissen wir, weil wir in der Autoindustrie es jahrelang selbst versucht haben“, sagt der Polestar-Chef.

    Vertrauen in den Partner Google

    Sorgen um die Datensicherheit hat er nicht. Wie beim Mobiltelefon könne jeder Kunde selbst entscheiden, welche Daten er freigibt. „Aus unserer Sicht sind die Daten im Polestar sicher, und es kann kein Schindluder damit angestellt werden.“

    Das Vertrauen in den Partner Google und dessen Mutterkonzern Alphabet ist in Schweden groß. So schloss die Volvo Car Group einschließlich Polestar Ende Juni eine strategische Partnerschaft mit Waymo. Die Google-Schwester arbeitet an einem Betriebssystem für autonom fahrende Autos. Volvo und Waymo wollen nun gemeinsam exklusiv an der sogenannten Stufe vier des autonomen Fahrens arbeiten mit dem Ziel, Robotaxi-Flotten aufzubauen.

    „Selbstfahrende Fahrzeuge haben das Potenzial, die Verkehrssicherheit auf ein bisher nicht gekanntes Niveau zu heben sowie die Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und reisen, zu revolutionieren“, sagt Volvo-Cheftechniker Henrik Green. „Unsere globale Partnerschaft mit Waymo eröffnet neue und aufregende Geschäftsmöglichkeiten.“

    Die deutsche Autoindustrie lehnt bislang eine Zusammenarbeit mit Google und Waymo strikt ab. In Wolfsburg, München und Stuttgart fürchtet man, zum Juniorpartner zu verkommen, wenn man mit dem kalifornischen Internetriesen zusammengeht.

    Polestar-Chef Ingenlath sieht das anders: „Die nächsten zehn Jahre in der Autoindustrie werden sehr innovationsgetrieben. Es werden aber andere Innovationen sein als bisher. Auch wenn das Bewusstsein für Mobilitätsdienste und autonomes Fahren gerade etwas nachlässt: Im Hintergrund geht bei diesen Technologien gerade die Post ab.“

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