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Autonomes Fahren Dieser Truck-Test könnte die Zeitenwende im Güterverkehr einläuten

Rollen künftig automatisierte Lkw-Kolonnen über unsere Autobahnen? Wie es sich anfühlt, in einem Brummi zu fahren, der aus dem vorausfahrenden Lastwagen gesteuert wird.
3 Kommentare

„Der Fahrer kann ein Nickerchen machen“ – Vernetzte LKW-Kolonnen im Test

BerlinDas Heck des 40-Tonners rückt bedenklich nahe. Statt der vorgeschriebenen 50 Meter nähern wir uns bis auf 15 Meter unserem Vordermann – was sich aus der Vogelperspektive eines Lkw-Beifahrers fast schon einstellig anfühlt. Doch Sebastian Völl, der Mann auf dem Fahrersitz, bleibt ganz ruhig.

Eben hat der Ingenieur einen blauen Knopf im Armaturenbrett gedrückt und damit dem vorausfahrenden Lkw signalisiert, dass er bereit ist für die Fahrt im Verbund. Denn darum geht es heute auf dem Gelände des künftigen Flughafens BER.

Wo irgendwann hoffentlich einmal Flugzeuge starten werden, rollt hier eine Lkw-Kolonne automatisiert über die Startbahn: Zwei Brummis, die über eine sogenannte elektronische Deichsel miteinander verbunden sind – ein System von Kameras, Radarsensoren und Übertragungstechnik, das aus den beiden Fahrzeugen eines macht.

Geführt wird die Kolonne vom ersten Truck: Wenn er bremst, lenkt oder beschleunigt, werden die Daten mittels WLAN an das zweite Fahrzeug übertragen, das sofort reagiert – viel schneller, als es ein menschlicher Fahrer könnte. Nur deshalb – und weil die Testfahrzeuge eine Sondergenehmigung der Verkehrsbehörden haben – können wir den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand so deutlich unterschreiten und damit im Windschatten Treibstoff sparen. Einsparungen von bis zu zehn Prozent stellen die Entwickler des Systems in Aussicht, zugleich verspricht der reduzierte Abstand mehr Platz auf den chronisch verstopften Autobahnen.

Nachdem das Führungsfahrzeug unsere Anfrage bestätigt hat, rollt die Kolonne – und Sebastian Völl kann den Fuß vom Gas nehmen. Die Hände allerdings bleiben am Lenkrad, auch wenn der Lkw jetzt zum autonom fahrenden Geister-Truck mutiert ist. „Das System würde mich ansonsten dazu auffordern – und den Lkw schließlich zum Stehen bringen, wenn ich trotz der Aufforderung nicht ans Lenkrad greife“, erläutert Völl.

Irgendwann einmal sollen Trucker auch die Hände frei haben – für den Modellversuch, den Völls Arbeitgeber MAN Truck & Bus gemeinsam mit DB Schenker und der Hochschule Fresenius gestartet hat, ist der Griff ans Lenkrad aber Pflicht.

Seit ein paar Tagen rollt eine derartige Kolonne mehrmals täglich zwischen München und Nürnberg über die A9. Bis August sind die Lkws noch testweise mit Gewichten bestückt, danach soll normale Fracht befördert werden – Stückgut wie Maschinenteile, Getränke oder Papier.

Die Ingenieure wollen wissen, wie sich ihr System im Alltagsbetrieb auf der Autobahn bewährt – und ob sich die Berechnungen zum Treibstoffverbrauch auf der Straße verifizieren lassen. Doch nicht nur die Maschine, auch der Mensch steht dabei auf dem Prüfstand. Hier kommt Sabine Hammer ins Spiel.

Die Sozialforscherin der Hochschule Fresenius will wissen, wie es sich für Trucker anfühlt, wenn sie im ferngesteuerten Kolonnen-Lkw vom Fahrer zum Fahrgast werden. Deshalb stattet sie die Brummi-Fahrer während des Tests mit Sensorenhauben aus, mit denen sich anhand von Hirnsignalen Faktoren wie Stress oder Müdigkeit erfassen lassen. Denn noch ist unklar, ob sich der hintere Fahrer mehr entspannen kann oder ob seine Tätigkeit nicht vergleichbare Ruhezeiten wie bisher erfordert.

„Das ist noch weitgehend unerforschtes Gebiet“, erläutert die Hochschullehrerin, die sich auch Gedanken darüber macht, ob die selbstfahrenden Lkw, im Jargon Platoon, in der Trucker-Gemeinde vielleicht als Bedrohung der eigenen Arbeitsplätze wahrgenommen werden könnten. „Andererseits“, so Hammer, „könnte die Bedienung von Fahrzeugen mit derart anspruchsvoller Technik auch zu einer weiteren Aufwertung des Berufsbilds führen.“

Antworten auf solche und andere Fragen soll Andy Kipping liefern, Lkw-Fahrer bei DB Schenker und derzeit in der Schulung zum Platoon-Fahrer. In Berlin führt er die Sensorenhaube und eine Spezialbrille vor, mit der sich die Augenbewegungen des Fahrers kontrollieren lassen.

Ans Steuer setzt er sich noch nicht, das bleibt für dieses Mal noch den MAN-Ingenieuren vorbehalten. Demnächst wird Kipping dann auch über die A9 rollen, verkabelt und mit den Händen am Steuer, ohne wirklich zu lenken – aber mit der Gewissheit, eine Zeitenwende im Gütertransport mit einzuleiten.

Per Knopfdruck wird das Fahren im Verbund eingeleitet. (Foto: pr)
Der Platoon wird initiiert

Per Knopfdruck wird das Fahren im Verbund eingeleitet. (Foto: pr)

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3 Kommentare zu "Autonomes Fahren: Dieser Truck-Test könnte die Zeitenwende im Güterverkehr einläuten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nur schade das Deutschland in puncto stabile und schnelle Internetverbindung (vor allem in ländlicheren Regionen) ein Entwicklungsland ist!!

  • @Alfred Meissner
    03.07.2018, 12:46 Uhr

    "Bei einem Abstand von weniger als 50m wiird das Einscheren für den PKW-Fahrer zum Risiko. "

    Oder vollkommen unmöglich. Wenn man die Autobahn verlassen muß um zu tanken und ein LKW-Platoon verhindert dies ---> Pech gehabt.

    Auch das Auffahren auf die Autobahn wird so unmöglich, was auf den Zubringern für viele Staus inkl. Unfällen führen wird.

    Übrigens :

    Solche Platoons gibt es schon seit über 100 Jahren. Sie heißen "Güterzug" und fahren auf der Schiene. Verteilt/eingesammelt werden die Güter per Firmen-Gleisanschluß

    Anstatt eine Fehlentwicklung immer mehr auszureizen ("Just in Time" per LKW) ist es an der Zeit, daß man sich grundsätzlich Gedanken macht, wieviele Güter wie oft und auf welche Weise transportiertwerden sollten.

  • Wenn dann mehrere LKW in einer solchen Formation fahren und ein PKW zum Verlassen der Autobahn nach rechts einscheren muss gibt es doch Probleme mit dem Sicherheitsabstand. Schon heute schalten viele LKW-Fahrer deshalb die Distanzkontrolle ab , damit der LKW nicht plötzlich abgebremst wird.Bei einem Abstand von weniger als 50m wiird das Einscheren für den PKW-Fahrer zum Risiko.