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Roland-Berger-Chef Bouée

„Reiche werden sich bessere künstliche Intelligenzen leisten können.“

(Foto: CEIBS)

Charles-Édouard Bouée Chef von Roland Berger entwirft kühne Vision für künstliche Intelligenz

Der Roland-Berger-Chef glaubt, dass in Zukunft jeder seinen eigenen KI-Butler besitzt – und dass das die Wirtschaftswelt völlig verändern wird. 
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SchanghaiEs ist eine kühne Zukunftsvision, die der Roland-Berger-Chef seinen Zuhörern präsentiert: Statt eines Smartphones würden in zehn Jahren viele Menschen eine „tragbare“ künstliche Intelligenz (KI) besitzen, die als Assistent für alle Lebenslagen dient. Anstatt auf Google zu suchen, auf Facebook seinen Freunden zu schreiben und auf mytaxi.de eine Fahrt zu ordern, übernehme dieser KI-Butler alles für einen.

Dieser Umbruch, so glaubt Charles-Édouard Bouée, werde den Niedergang der großen Tech-Konzerne wie Google, Facebook, Baidu und Tencent einleiten - und den Weg ebnen für einen neuen großen Player, der seiner Ansicht nach wahrscheinlich aus Europa komme.

In Bouées auf Youtube abrufbarem Vortrag für die China Europe International Business School (CEIBS) in Schanghai stellt er in 25 Minuten seine These vor und geht danach auf die Fragen von CEIBS-Vizepräsident Ding Yuan und den Zuschauern ein. Rund anderthalb Stunden lang ist das englischsprachige Video aus dem Mai dieses Jahres und hat gerade mal ein paar hundert Klicks. Doch alle, die sich gern Gedanken um die Zukunft der (Wirtschafts-)Welt machen, sei ans Herz gelegt, sich zumindest seine Einführungsworte anzuschauen.

Denn wenn es nach Bouée geht, werden solche „tragbaren“ KIs („portable AIs“) einem nicht nur das Leben erleichtern, sie würden auch viele digitale Geschäftsmodelle obsolet machen. „Während Sie hier meiner Vorlesung lauschen, könnte Ihre künstliche Intelligenz schon mal nach einem Taxi suchen”, erzählt Bouée. „Der nächstgelegene Taxi-Fahrer schläft zwar gerade, aber seine künstliche Intelligenz sucht für ihn nach Gästen.“

Die beiden Software-Butler träfen sich dann im Cyberspace, handelten alle Modalitäten untereinander aus und brächten dann Fahrer und Gast zusammen – ohne dass eine der beiden Menschen eine Internetplattform wie Uber oder mytaxi.de besuchen müsste.

Für den 49-jährigen Roland-Berger-Chef zufolge ist das eine große Revolution: Denn wer braucht noch Plattformen wie lieferando.de oder booking.com, wenn sich die Algorithmen direkt untereinander verständigen können? Und wer soll sich die Werbebanner oder die bezahlten Suchergebnisse anschauen, wenn die Maschinen ohnehin nur Einsen und Nullen sehen?

Die Erlösmodelle von Google und Facebook, die den Großteil ihrer Einnahmen durch Werbung erzielen, wären dadurch massiv gefährdet. Und genau deswegen, so Bouée, würden diese Konzerne auch niemals diese „tragbare“ KI entwerfen – das würde ja ihr komplettes Geschäftsmodell untergraben.

Dem Roland-Berger-Chef zufolge wird daher ein bis dato völlig unbekanntes Unternehmen diese Technik entwickeln und den Markt erobern. „Der nächste große Player kommt aus China oder Europa“, prophezeit Bouée, konzentriert sich bei seinen Ausführungen jedoch nur noch auf Europa. „Warum Europa?“, fragt der gebürtige Pariser rhetorisch. „Weil wir noch keinen großen Player haben.“

Für ihn sei es sehr wahrscheinlich, dass die nächste große technologische Entwicklung „aus einem Teil der Welt kommt, wo es kein GAFA und kein BAT gibt“, also kein US-amerikanisches Google, Amazon, Facebook oder Apple (GAFA) und kein chinesisches Baidu, Alibaba oder Tencent (BAT), da diese Konzerne alles versuchen würden, um ihr Geschäftsmodell zu erhalten.

Die Anbieter von tragbarer KI würden ihr Geld mit einer monatlichen Gebühr und kostenpflichtigen Zusatzprogrammen verdienen. „Reiche werden sich bessere künstliche Intelligenzen leisten können“, gibt der Roland-Berger-Chef zu, bleibt aber optimistisch: „Die Kluft zwischen Arm und Reich wird jedoch nicht so groß sein wie jetzt.“

In den nächsten zehn Jahren wird laut Bouée ein 200 Milliarden Dollar schwerer Markt rund um künstliche Intelligenz entstehen und die jetzigen digitalen Platzhirsche verdrängen. „Alles wird von künstlicher Intelligenz berührt sein”, sagt er und blickt ins Publikum. „Niemand in diesem Raum wird in den nächsten zehn Jahren nicht in Kontakt mit künstlicher Intelligenz gekommen sein.“ Werden also bald Maschinen alle unsere Entscheidungen fällen?

Im Gegenteil, meint der Roland-Berger-Chef: Weil die heutigen Digitalkonzerne vor allem Profitmaximierung im Blick hätten, hätten die Menschen bislang keine Kontrolle über ihre digitalen Entscheidungen. Ein neutraler KI-Assistent jedoch würde einem nur die rational beste Entscheidung vorschlagen. „Man kann diese Entscheidung dann treffen, muss es aber nicht“, sagt Bouée und ist überzeugt: „Der Tag, an dem man die tragbare KI bekommt, ist der Tag, an dem man die Kontrolle über sein Leben wiedererlangt.“ In der Tat eine kühne Vision.

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