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Digitale Bewegung „KI ist dafür gemacht, Probleme zu lösen – das menschliche Gehirn eher, Probleme zu schaffen“

Beim Gipfel der „Digitalen Bewegung“ diskutieren Experten über Künstliche Intelligenz. Sie sind sich einig: KI wird in neue Lebensbereiche vordringen. Vielen bereitet das Sorge.
Update: 30.10.2018 - 13:10 Uhr Kommentieren
Dorothee Bär (CSU) kann sich vorstellen, Künstliche Intelligenz einzusetzen, um den Bundeshaushalt zu erstellen.
Staatsministerin Dorothee Bär (CSU)

Dorothee Bär (CSU) kann sich vorstellen, Künstliche Intelligenz einzusetzen, um den Bundeshaushalt zu erstellen.

SöldenDen meisten Zuhörern dürfte die Anspielung wohl entgehen. „I wish I could sense beyond the present tense“, singt Taryn Southern, während eine Nahaufnahme ihres Gesichts über die Bildschirme flimmert.
Diese Zeile ist indes programmatisch: Die Künstlerin hat „Break Free“ nicht selbst geschrieben, sondern vom Programm Amper mithilfe Künstlicher Intelligenz zusammensetzen lassen – und gibt damit vielleicht einen Vorgeschmack auf die Zukunft der musikalischen Massenware.

Es ist nur ein Beispiel dafür, wie Künstliche Intelligenz in unser Leben vordringt. Und ein weiterer Grund, warum sich viele Menschen gelegentlich überwältigt fühlen. Heute berechnen Algorithmen routiniert die Kreditwürdigkeit von Bankkunden und fassen juristische Texte durchaus treffend zusammen. Komplexe Systeme steuern Autos sicher über die Autobahn und machen eigenständig Termine beim Friseur aus.

Was bedeutet das für die Arbeitswelt? Was für das Menschsein? Und was muss Deutschland tun, um im internationalen Wettbewerb um Künstliche Intelligenz nicht weiter zurückzufallen? Diese Fragen wollten rund 50 Teilnehmer auf dem Gipfeltreffen der „Digitalen Bewegung“ beantworten, in der sich auf Initiative der Medien „Tagesspiegel“, „Wirtschaftswoche“, „Ada“ und Handelsblatt sowie Vodafone digitale Vordenker und Experten vernetzen. Das Video von Taryn Southern diente im Ice-Q, einem Restaurant auf 3048 Meter Höhe in Sölden, als Eisbrecher.

Der Begriff Künstliche Intelligenz ruft bei vielen Menschen Bilder aus Science-Fiction-Filmen hervor. Bilder von Robotern, die wie Menschen aussehen, ein Bewusstsein besitzen und eine – zumeist sinistre – Agenda haben wie HAL oder der Terminator. Mit dem wirklichen Leben habe das wenig zu tun, sagte aber Tina Klüwer, Gründerin des Berliner Start-ups Parlamind und als Computerlinguistin am Puls der Forschung.

„Die Maschinen, die wir aktuell haben, sind Werkzeuge, die in bestimmten Handlungsfeldern intelligente Dinge ausführen“, erklärte sie. Ein Beispiel: Die Software, an der ihr Team arbeitet, kann innerhalb kurzer Zeit riesige Mengen E-Mails lesen und deren Inhalte zusammenfassen. Mit statistischen Methoden, wohlgemerkt, nicht mit einem echten Verständnis. Auch das Kompositionsprogramm, das Taryn Southern nutzt, greift auf bekannte Muster zurück.

Der Fachidiot Computer

Der Unterschied zwischen Mensch und Maschine bleibt also vorerst groß. „Intelligenz ist die Fähigkeit, Dinge zu erkennen und Probleme zu lösen“, sagte der Neurowissenschaftler Henning Beck. Der Mensch könne abstrahieren und neue Zusammenhänge herstellen. Daran reiche bislang keine Software heran. „Ich sehe sehr gute Statistik, aber nicht wirklich intelligentes Verhalten.“ Der Computer, ein Fachidiot.

Beim Programmieren bietet das große Vorteile. Helmuth Ludwig, CIO von Siemens, weiß das aus eigener Erfahrung – am Anfang seiner Karriere war Künstliche Intelligenz noch kein Thema. Während sein Konzern die Technologie in den verschiedensten Bereichen nutzt, fremdelt der Manager mit dem Begriff: „Ich würde es eher ‚augmented intelligence‘ nennen“, erweiterte Intelligenz also. Die Maschine hilft dem Menschen, ersetzt ihn aber nicht.

Auch der Philosoph Richard David Precht betonte die Unterschiede. „Da unsere Vorfahren viel Zeit hatten, im Dämmerzustand in Höhlen vor sich hin zu warten, entstand eine rege Vorstellungswelt.“ Dieses „riesige Bedürfnis“ nach Fiktionen, gepaart mit Emotionalität und einem Bewusstsein, unterscheide die Menschen von Maschinen.

Neue Impulse für künstliche Intelligenz.
Gruppenbild am Gipfel

Neue Impulse für künstliche Intelligenz.

„KI ist dafür gemacht, Probleme zu lösen – das menschliche Gehirn eher dafür, Probleme zu schaffen“, sagte Precht. Allerdings bemühen sich Forscher, diese Unterschiede unsichtbar zu machen. Computer können bereits zuverlässig Emotionen lesen – etwa mithilfe von Kameras, die die Mimik erfassen.

Das führe zwar nicht dazu, dass die Maschinen automatisch human würden, sagte der Philosoph. Trotzdem stellt die Entwicklung der Technologie die Menschheit vor große Fragen. „Wir müssen neu darüber nachdenken, was menschliche Intelligenz ausmacht. Das Gleiche gilt für Emotionen.“

Wie auch immer die Geräte programmiert sind: Das wirtschaftliche Potenzial ist groß. Nach einer Studie des McKinsey Global Institute könnte das globale Wirtschaftswachstum bei richtiger Nutzung von KI bis 2030 um durchschnittlich 1,2 Prozentpunkte pro Jahr höher ausfallen.

IT- und Telekommunikationsfirmen tun bereits viel, das zeigen zahlreiche Untersuchungen. Auch bei Vodafone gebe es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, berichtete Hannes Ametsreiter, Deutschlandchef des britischen Telekommunikationskonzerns. Ein System wertet beispielsweise die Anrufe im Callcenter aus. „Früher hat mal jemand reingehört, jetzt nehmen wir alles auf, kategorisieren und analysieren es.“ Mit diesem Wissen verbessert das Unternehmen den Kundendienst. Im nächsten Schritt ist geplant, Emotionen der Kunden auszuwerten – etwa um zu wissen, ob ein Anrufer erbost ist.

KI löst Probleme, menschliches Gehirn erschafft sie.
Richard David Precht

KI löst Probleme, menschliches Gehirn erschafft sie.

Der Österreicher will die Technologie sogar auf Vorstandsebene einsetzen. „Ich würde gerne bei uns im Unternehmen das nächste Budget mit KI und Big Data erstellen.“ Der Konzern investiere jährlich zwölf Milliarden Euro. „Ich würde gerne schauen: Wie können wir mehr rausholen?“

KI löst bei manchen auch Ängste aus

Allerdings löst die neue Technologie Ängste aus – um Gewohnheiten, Jobs oder sogar das eigene Leben. Die Deutschen hätten zwar eine hohe Anpassungsfähigkeit, sagte der Psychologe Thomas Druyen, der die Veränderungsbereitschaft untersucht. „Gleichzeitig haben sie eine unfassbare Angst vor der Zukunft.“

Zumal die Geschwindigkeit der Veränderung hoch ist. Eine Anpassung über Jahrzehnte wie zu Zeiten des Buchdrucks sei heute nicht möglich – neue Technologien verändern die Welt binnen weniger Jahre. Die Verunsicherung helfe Populisten rund um den Globus. „Je klarer das Bild, das von einer Zukunft erscheinen kann, umso besser können die Leute mitgehen“, lautet sein Rat.

Aber wie könnte das Bild aussehen, und wie lässt es sich vermitteln? Es sei schwierig, solche komplexen Themen herunterzubrechen, betonte Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt. Es gebe nicht nur eine Schere zwischen Arm und Reich – sondern auch „zwischen denen, die bei der Digitalisierung vorne sind, und denen, die nicht mitmachen“.

Welche Rolle sollte KI spielen?
Intensive Diskussionen

Welche Rolle sollte KI spielen?

Die Politikerin selbst hat keine Berührungsängste mit Technologie, sie redet gern über Flugtaxis und Computerspiele. Sie könne sich vorstellen, den Bundeshaushalt „nicht durch Teppichhändlerrunden und Nachtsitzungen“ festzulegen, sondern KI zu nutzen, um eine Kosten-Nutzen-Rechnung anzustellen. Dann, so Bär, würde man vielleicht eher statt in Rentenerhöhungen in die Zukunft investieren. Klar sei aber, dass am Ende immer noch die Politik über das Budget entscheiden müsse.

Wenn die Technologie die Gesellschaft gründlich verändern wird, aber viele Menschen Angst davor haben: Wie sollen Deutschland und Europa mit ihr umgehen? Darüber diskutierten die Gipfelteilnehmer in Zukunftswerkstätten. Am Ende standen drei Thesen, die die Chancen in den Mittelpunkt stellen.

Europa könne eine „digital-soziale Marktwirtschaft“ werden, die wirtschaftliche Chancen und informationelle Selbstbestimmung in Einklang bringt – und das als Wettbewerbsvorteil gegenüber den USA und China nutzt, die bislang bei Künstlicher Intelligenz dominieren.

„Die Maschine hilft dem Menschen, ersetzt ihn aber nicht.“
Siemens-CIO Helmuth Ludwig

„Die Maschine hilft dem Menschen, ersetzt ihn aber nicht.“

Mit KI könnten Investitionen besser geplant werden.
Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter

Mit KI könnten Investitionen besser geplant werden.

Zukunftssorgen sind nicht zu unterschätzen.
Psychologe Thomas Druyen

Zukunftssorgen sind nicht zu unterschätzen.

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