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Digitalisierung der Schulen Digitalpakt: Lehrer befürchten Milliarden-Verschwendung

Der Lehrerverband fürchtet, dass der Digitalpakt den Schulen nicht viel bringen wird. Es brauche pädagogische Konzepte und entsprechendes Personal.
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Schulen sollen smarte Geräte für einen zeitgemäßen Unterricht erhalten. Quelle: mauritius images / Westend61
Schüler im Unterricht

Schulen sollen smarte Geräte für einen zeitgemäßen Unterricht erhalten.

(Foto: mauritius images / Westend61)

Berlin Vergangene Woche war eine gute Woche für Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Länder stimmten den drei großen Wissenschaftspakten zu, die für Forschung und Lehre eine milliardenschwere Förderung durch den Bund bedeuten. Bereits im Frühjahr hatten Bund und Länder den Weg für den „Digitalpakt Schule“ frei gemacht. Fünf Milliarden Euro sollen binnen fünf Jahren in die Digitalisierung der Bildungsstätten fließen.

Doch der Lehrerverband äußert Zweifel, dass das Geld schnell am Ziel ankommt. Anders als versprochen, würden „wohl nur ganz wenige Schulen bereits zu Beginn des nächsten Schuljahres in den Genuss von neuer Ausstattung kommen“, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger dem Handelsblatt.

Zugleich drohe die Gefahr, dass wegen des Zeit- und Handlungsdrucks und unzureichender Personalkapazitäten der Ministerialbehörden und Kommunen viel Geld „in den Sand gesetzt“ werde. Die Kritik muss Karliczek aufhorchen lassen, hatte der Bundesrechnungshof doch erst im Mai mangelnde Transparenz und Effizienz bei der Verwendung der Mittel aus dem Hochschulpakt kritisiert.

„Im Digitalpakt gilt das Primat der Pädagogik: ohne pädagogisches Konzept keine Förderung“, teilte das Bundesbildungsministerium auf Anfrage mit. Über Einsatz und Verwendung der Mittel werde differenziert berichtet.

Die Verwaltungsvereinbarungen mit den Ländern wurden Mitte Mai unterzeichnet. Erste Länder wie Sachsen und Hamburg haben inzwischen die notwendigen Förderrichtlinien auf den Weg gebracht, auf deren Grundlage die Schulträger das Geld aus dem Digitalpakt abrufen können.

Aufträge überhastet

Andere Bundesländer arbeiten noch daran: „Ich bin zuversichtlich, dass wir hier bald einen guten Vorschlag auf dem Tisch haben, und hoffe, dass wir die ersten Förderbescheide noch dieses Jahr übermitteln können“, sagte Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Daran hat Lehrerverbandspräsident Meidinger, der selbst ein bayerisches Gymnasium leitet, seine Zweifel. Denn viele Kommunen als Schulträger seien völlig unzureichend vorbereitet. Daher würden Beschaffungsmaßnahmen für IT-Ausrüstung „völlig überhastet in Auftrag gegeben, ohne diese auch auf pädagogische Nachhaltigkeit zu prüfen“, warnt er.

Zwar sieht der Digitalpakt Schule pädagogische Konzepte für die Anschaffung von Laptops oder Whiteboards vor, hebt auch Karliczek hervor. „Ich kenne aber kaum Ministerien und Behörden, die inhaltlich und zeitnah in der Lage sind, solche Konzepte zu bewerten und gegebenenfalls zu korrigieren“, sagte Meidinger. „In der Realität werden die Vorlagen nur abgehakt.“

Die Stellen, die die Digitalpakt-Mittel verteilen, hätten zudem oft keine Grundlage zu beurteilen, was angemessen oder nötig sei. Beispielsweise gebe es in Berlin bei vielen Bezirken keinerlei aktuellen Informationsstand über den Umfang und den Zustand der technischen Schulausstattung. Also könnten diese Behörden auch nicht prüfen, ob die Anforderungen einzelner Schulen berechtigt seien.

Die Eile beim Ausgeben der Digitalpakt-Gelder führe zudem dazu, dass viele Investitionen gestückelt werden müssen, erklärte Meidinger. So hätten Länder wie der Freistaat Bayern eigene Programme für die Digitalisierung der Schulen anlaufen lassen, die vor Ort nicht mit der Bundesförderung verknüpft werden könnten. Folge sei, dass Investitionen nebeneinander betrieben werden, „ohne dass sie zusammenpassen“.

Aufgrund der vielfach zwischen den Schulen oder gar den verschiedenen Kommunen nicht abgestimmten Investitionen in WLAN, interne Schulnetze, Whiteboards oder Laptops drohen „Tausende von Insellösungen“, sagte Meidinger. Das schade der Qualität und mache die Wartung komplizierter. Und es treibt die Kosten in die Höhe. Denn nur wenn Schulen und Kommunen sich zusammentäten, könnten sie deutlich niedrigere Preise erzielen.

Mangel an IT-Fachkräften

Der Lehrerverband fürchtet, dass sich aufgrund des „dilettantischen Vorlaufs“ bald herausstellen könnte, dass sich an den Schulen qualitativ wenig ändere, berichtete Meidinger aus der jüngsten Vorstandssitzung. Die Verantwortung dafür liege dann aber nicht bei den Lehrern.

Mit der Anschaffung von Laptops oder Whiteboards sei es bei Weitem nicht getan, kritisiert auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund: „Notwendig ist eine nachhaltige Betreuung der Netzwerke in den Schulen, damit diese auch tatsächlich dauerhaft funktionieren und leistungsfähig sind“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg.

Dafür bräuchten die Kommunen die entsprechenden Finanzmittel und geeignetes Personal. IT-Spezialisten dafür zu finden sei in vielen Orten schon eine große Herausforderung. Wer digitale Bildung in der Schule wolle, müsse zudem für Lerninhalte wie digitale Schulbücher sorgen, betont Landsberg.

Es wäre sicher sinnvoll, wenn die Kultusminister sich hier auf einheitliche Grundsätze verständigten. „Wenn 16 Bundesländer die digitale Schulbildung unterschiedlich angehen, wird es teurer, schlechter und dauert länger.“ Auch die Liberalen denken schon über den Digitalpakt hinaus: Die Schulen bräuchten auch Geld für Lernsoftware, IT-Administratoren und klare Regeln zum Datenschutz, sagte FDP-Vizechefin Katja Suding. „Ohne diese Maßnahmen finanziert der Bund Technik im Wert von fünf Milliarden Euro, die aber veraltet ist, bevor sie sinnvoll eingesetzt werden kann.“

Mehr: Der digitale Ausbau an Schulen ist eine zukunftsweisende Aufgabe. Doch Lehrer und Schüler dürfen dabei nicht alleine gelassen werden, kommentiert Barbara Gillmann.

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