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Zum The Spark - der deutsche Digitalpreis Special von Handelsblatt Online

Digitalpreis The Spark 2018 Der Siegeszug der Roboter hält an – und krempelt immer mehr Branchen um

Beim Digitalpreis „The Spark“ steht die Robotik im Mittelpunkt. Durch künstliche Intelligenz kann sie auf völlig neuen Gebieten eingesetzt werden.
11.11.2018 - 17:49 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen Magazino baut Lagerroboter und entwickelt ein Betriebssystem zur Steuerung von Geräten verschiedener Hersteller. Quelle: Nils Bröer für Handelsblatt
The Spark-Gewinner Frederik Brantner (Mitte) mit den Moderatoren der Preisverleihung

Das Unternehmen Magazino baut Lagerroboter und entwickelt ein Betriebssystem zur Steuerung von Geräten verschiedener Hersteller.

(Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)

Berlin Es ist ein ungleiches Paar, das derzeit auf der Bühne eines Stockholmer Theaters auftritt. Fredrik Rydman, Tänzer in einer bekannten schwedischen Streetdance-Gruppe, führt eine Choreografie mit IRB 6620 auf, einem Industrieroboter. Haut an Metall bewegen sich die beiden zu sphärischen Klängen, langsam und elegant.

Für Sami Atiya zeigt diese künstlerische Inszenierung, wie eines Tages Arbeit in Fabriken aussehen könnte: Roboter arbeiten mit Menschen Hand in Greifarm. Die technologische Entwicklung, etwa bei Sensorik und Rechenleistung, sei der „Treiber für die Zukunft der Robotik“, sagte der Vorstand und Technikvordenker des Industriekonzerns ABB vergangenen Freitag bei der Verleihung des Digitalpreises The Spark, den McKinsey und das Handelsblatt jährlich an Start-ups verleihen. Robotik war das Thema des Abends, zu dem mehr als 300 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in die Arena Berlin kamen.

Bislang seien Roboter dafür bekannt, einfache Industrietätigkeiten zu übernehmen, sagte Cornelius Baur, Chef von McKinsey Deutschland. Das ändere sich aber durch Künstliche Intelligenz und Vernetzung: „Die Robotik wird zum Treiber für massive Veränderungen in verschiedenen Branchen – vom Krankenhaus bis zum Industriebetrieb.“ Damit verändere sich auch das Wettbewerbsumfeld vollständig.

Diese Vielfalt zeigte sich auch bei den Pitches der zehn Finalisten auf der Bühne: Einerseits gibt es die klassischen Einsatzgebiete in Industrie und Logistik. The-Spark-Sieger Magazino beispielsweise baut Lagerroboter und entwickelt ein Betriebssystem zur Steuerung von Geräten verschiedener Hersteller. Das Start-up Micropsi wiederum bietet Software an, die Kunden die Programmierung von Robotern deutlich erleichtert.

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    Andererseits gibt es heute mechanische Helfer für Patienten, Bauarbeiter und Reinigungskräfte. So hat der zweite Sieger Vincent Systems eine Hightech-Handprothese entwickelt, die dem Träger große Freiheiten ermöglicht. Kewazo nimmt Gerüstbauern schwere und unfallträchtige Arbeit ab, indem es Bauteile automatisch transportiert. Und Enway lässt eine Kehrmaschine autonom das Pflaster fegen.

    Sogar im Weltall kommen Roboter zum Einsatz: Auf der Internationalen Raumstation ISS wird Kommandant Alexander Gerst demnächst Cimon aus einer Kiste holen, einen Helfer in der Größe eines Medizinballs, der bei Experimenten Arbeitsschritte ansagen oder filmen können soll.

    Der Roboter-Markt boomt

    Dass die Einsatzgebiete zunehmen, lässt sich auch an den Zahlen ablesen: Der Markt boomt seit Jahren. Der Absatz hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt, 2017 verkauften die Hersteller 381.000 Roboter und erwirtschafteten 16,2 Milliarden Dollar Umsatz, wie der Branchenverband International Federation of Robotics (IFR) ermittelt hat. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Bis 2021 rechnet die IFR mit jährlichen Zuwächsen von durchschnittlich 14 Prozent auf 630.000 verkaufte Roboter.

    „Die Robotik wird die Welt der Fertigung noch stärker verändern“, ist ABB-Manager Atiya überzeugt. Während früher Produktivität im Mittelpunkt gestanden habe, gewinne Flexibilität immer mehr an Bedeutung: Die Verbraucher erwarten heute, dass ihre Online-Einkäufe zeitnah eintreffen. „Das erzeugt immensen Druck auf die Lieferkette, den man mit Robotik bewältigen kann.“

    The Spark – Die Preisverleihung in Bildern
    Cornelius Bauer (l.), Stefan Schulz und Sven Afhüppe (r.)
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    McKinsey-Deutschlandchef Cornelius Baur und Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe gratulieren dem Zweitplatzierten Stefan Schulz von Vincent Systems.

    (Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)
    Die Sängerin Lady Constance
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    Die Sängerin Lady Constance unterhielt die Besucher von The Spark mit ihrer Soulstimme.

    (Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)
    Dilek Altin und Ina Karabasz
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    Dilek Altin von Micropsi Industries beantwortet die Frage von Moderatorin Ina Karabasz.

    (Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)
    Sami Atiya und Ann-Kristin Achleitner
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    Ann-Kristin Achleitner, Jury-Mitglied des Digitalpreises The Spark, unterhält sich mit Sami Atiya von ABB (links).

    (Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)
    Moritz Tenorth, Frederik Brantner und Sami Atiya
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    Stolze Gewinner: Moritz Tenorth (l.) und Frederik Brantner vom The Spark-Erstplatzierten Magazino posieren mit ABB-Vorstand Sami Atiya (r.).

    (Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)

    Deutschland ist traditionell einer der wichtigsten Standorte für Robotik. Die Maschinen- und Anlagenbauer rechnen in diesem Jahr mit einem Rekordumsatz von fast 16 Milliarden Euro, wenn die Handelskonflikte nicht noch die Bilanz vermiesen. Wenn es um die neue Generation der Technologie geht, ist die Konkurrenz allerdings brutal.

    Exorbitante Summen an Risikokapital

    In den USA und China erhalten Start-ups exorbitante Summen Risikokapital für ihre Forschung und Entwicklung. Medienberichten zufolge denkt der japanische Konzern Softbank darüber nach, dem Start-up Zume bis zu 750 Millionen Dollar zu geben – für Liefertrucks, die unterwegs automatisch Pizza backen.

    Aber Unternehmen aus dem Land der Fabrikausrüster und Autobauer müssen sich nicht verstecken, sagte Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe. „Meistens gucken wir zuerst nach Amerika, dann zum Mond und dann erst irgendwann nach Deutschland.“ Diese Bescheidenheit sei nicht nötig – die Qualität der Finalisten bei The Spark unterstreiche das exemplarisch.

    Allerdings können viele Gründer von den Amerikanern lernen. „Execution“, also die Umsetzung einer Strategie, wie auch der Vertrieb seien sehr wichtig, betonte Josef Brunner, Chef des Datenanalysten Relayr, der 2016 bei „The Spark“ den ersten Platz belegt hatte. „Das verstehen die Angelsachsen sehr gut.“ Brunner weiß, wie man ein Geschäft groß aufzieht: Er verkaufte seine Firma für 300 Millionen Dollar an den Rückversicherer Munich Re.

    Auch Ann-Kristin Achleitner, Professorin für Betriebswirtschaft, Investorin in Start-ups und Mitglied der Jury von The Spark, verwies auf die USA: Es sei zwar wichtig, dass die Politik den richtigen Rahmen setze, etwa indem sie Investments in junge Firmen attraktiver mache – aber: Es sei auch wichtig, „dass ein Spirit da ist“. Ein Abend wie die Preisverleihung, so betonte sie, könne dazu einiges beitragen.

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