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E-Learning Wie digitale Lernplattformen Firmen bei der Mitarbeiter-Weiterbildung helfen

Viele Unternehmen stocken ihre Budgets für Online-Weiterbildung für Mitarbeiter auf. Dabei liefern Cloudanbieter neben der Plattform auch Inhalte.
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Vom Mittelständler bis zum Großunternehmen gewinnen digitale Lernplattformen bei der Weiterbildung des Personals rasch an Bedeutung. Quelle: obs
Digitale Weiterbildung

Vom Mittelständler bis zum Großunternehmen gewinnen digitale Lernplattformen bei der Weiterbildung des Personals rasch an Bedeutung.

(Foto: obs)

KölnEs ist ein Mammutprojekt für neues Wissen. Die Beschäftigten des Konsumgüterkonzerns Henkel sollen sich in den nächsten Jahren über eine interne Onlineplattform weiterbilden, verkündete das Unternehmen Mitte März. Das Angebot reicht vom Leistungstest über Kurse zu agilen Arbeitsmethoden bis hin zu Seminaren über Datenanalyse, Onlinehandel oder Recruiting.

Egal, ob sie für die Marken Schwarzkopf oder Persil tätig sind oder ob Düsseldorf oder Guatemala ihre Heimat ist – alle 53.000 Mitarbeiter sollen sich auf der Plattform fit halten: „Wir wollen sicherstellen, dass sie auch zukünftig über die notwendigen digitalen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen“, sagte Personalvorstand Sylvie Nicol zum Start des Projekts.

Zunehmende Nachfrage

Der Dax-Konzern gibt den Takt vor – und viele andere ziehen mit. Vom Mittelständler bis zum Großunternehmen gewinnen digitale Lernplattformen bei der Weiterbildung des Personals rasch an Bedeutung. Für die Betriebe ist das eine durchaus kostspielige Investition. Sie rechnet sich, wenn es den Verantwortlichen gelingt, bei Technik und Inhalten die richtige Mischung zu finden.

IT-Dienstleister spüren schon die zunehmende Nachfrage: „Learning ist bei uns der stärkste Wachstumstreiber“, sagt Michael Grotherr, Leiter des deutschen Vertriebs bei Cornerstone on Demand, einem Anbieter von Software für das Personalmanagement. Das US-Unternehmen liefert auch die technische Infrastruktur für das Henkel-Projekt.

Die Kundschaft gehe die Suche nach einer Plattform immer strategischer an. „Heute entscheiden in vielen Unternehmen Personal- und IT-Abteilung gemeinsam über die Auswahl des passenden Programms“, sagt Grotherr. Die Konkurrenz ist groß: So hat SAP-Wettbewerber Salesforce erst vor wenigen Wochen seine neue Lernumgebung My Trailhead offiziell gestartet. Auch zahlreiche andere Softwareanbieter werben um die wachsenden Weiterbildungsetats in der Wirtschaft.

Die Digitalisierung erhöht den Handlungsdruck. Viele Firmen stecken mitten in teils tiefgreifenden Veränderungsprozessen. Softwareplattformen mit einem Mix aus Videos, Tests und interaktiven Anleitungen sollen die Beschäftigten animieren – und zugleich auch antreiben.

„Die Erwartung der Mitarbeiter an die Lernerfahrung steigt ständig, gleichzeitig gibt es ständig neue Anforderungen – man befindet sich permanent im Aufholmodus“, erläutert Grotherr. Cornerstone gibt bei der Auswahl der Module eine Kachel-Optik vor, die an die Videoplattform Netflix erinnert. Ziel ist, die Mitarbeiter für die manchmal lästige Aufgabe Weiterbildung zu begeistern.

Experimente mit Algorithmen

Ihre Heimat haben die meisten Lernplattformen dabei in der Cloud. Von den zentralen Servern der Anbieter lassen sich die Apps und Programme an jedem Firmenstandort und auch auf dem Weg zur Arbeit oder während einer Dienstreise nutzen – solange eine Internetverbindung besteht. Kommen neue Funktionen dazu, können diese schnell für alle Nutzer zugänglich gemacht werden.

Zunehmend experimentieren die Anbieter auch mit komplexeren Machine-Learning-Algorithmen. Die sollen den Mitarbeitern vor den Bildschirmen je nach Lernziel und Wissensstand die passenden Module empfehlen. Das Leitbild sind möglichst individuelle Lernwege.

Im Gegensatz zu Song-Empfehlungen bei Spotify geht es hier freilich nicht um den persönlichen Geschmack, sondern um handfeste Karriereziele. Analyseprogramme, die den Fortschritt von Mitarbeitern in der Software messen, gehören zu fast jedem Angebot dazu. Das erhöht die Anforderungen an den Datenschutz.

Inhaltlich setzen viele Anbieter auf einen spielerischen Zugang. Salesforce hat etwa für das Bestehen bestimmter Module eigene digitale Abzeichen entwickelt, die manche Nutzer stolz in ihre Lebensläufe auf Karriereplattformen integrieren. „Eine Initiative wird nur erfolgreich sein, wenn man in gute Inhalte investiert“, sagt Sarah Franklin, die My Trailhead bei Salesforce weltweit verantwortet.

Cornerstone bietet – wieder ähnlich wie bei Netflix – ein Abo-Modell für Unternehmen. Gegen Gebühr stellt der Softwarehersteller seinen Kunden seit eineinhalb Jahren eine Auswahl von aktuell mehr als 600 Kursen bereit – darunter Seminare zum Aufbau von Soft Skills oder zu Vertriebs- oder Servicethemen. „Die Plattform an sich ist nur wie ein Ikea-Regal ohne Bücher“, sagt Grotherr. Viele Softwarehersteller öffnen ihre Plattform zudem für spezialisierte Weiterbildungsinhalte anderer Anbieter.

Salesforce hat seine Lernplattform ursprünglich rund um das eigene Produkt aufgebaut. Nach und nach wuchs das Angebot auf 500 kostenlos zugängliche Module. In einer Testphase entwickelten Konzerne wie der australische Telekomgigant Telstra oder die IT-Beratung Accenture ihre eigenen Lernumgebungen auf der Plattform. „Deren Mitarbeiter können die maßgeschneiderten Angebote nutzen, aber auch auf die öffentliche Bibliothek zurückgreifen“, sagt Franklin.

Spezifische Inhalte gefragt

Unternehmen wollen oft jedoch auch spezifische Weiterbildungsinhalte digital anbieten. „Für viele Qualifizierungsthemen haben sich individuelle Lösungen in den Unternehmen entwickelt“, sagt Felicitas Heering, die an der Stuttgarter Forschungseinrichtung International Performance Research Institute (IPRI) das Projekt „Lernen in der digitalisierten Arbeitswelt“ koordiniert.

Bei der Auswahl einer neuen Plattform ist es für Unternehmen daher wichtig, dass diese mit bereits existierenden digitalen Kursen kompatibel ist. Die Verbindung geschieht mal durch ein einfaches Hochladen von Inhalten, mal durch Verknüpfung über spezielle Schnittstellen.

Das IPRI arbeitet mit Industriekonzernen und den Universitäten Ulm und Stuttgart an einer Online-Lernplattform für die Industrie 4.0. Gefördert vom Bundesforschungsministerium, wollen die Projektpartner in den kommenden drei Jahren passende Inhalte und Lernformen entwickeln.

„Für Servicetechniker und operativ tätige Ingenieure fehlen häufig spezifische Qualifizierungsangebote im Kompetenzmanagementsystem“, sagt Heering. Als Basis soll eine cloudbasierte Lernplattform dienen, mit der heute bereits viele deutsche Universitäten arbeiten.

Bonus für fleißiges Training

Umgekehrt können auch Schnittstellen nützlich sein, um Informationen aus den Lernprogrammen herauszuholen. Wenn Weiterbildung strategisch wichtiger wird, wollen auch andere Abteilungen mehr über Erfolg und Misserfolg wissen. Das kann für das Controlling wichtig sein, um zu messen, welcher Inhalteanbieter auf der Cloud besonders populäre Kurse anbietet.

Und in manchen Firmen können Kennzahlen über absolvierte Trainingsmodule auch schon in die Bonusberechnung für Mitarbeiter oder Führungskräfte einfließen.

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