Zum The Spark - der deutsche Digitalpreis Special von Handelsblatt Online

Einstieg bei Franka Emika Voith startet den zweiten Versuch in der Robotik

Der Maschinen- und Anlagenbauer geht einen weiteren Schritt in Richtung Industrie 4.0. Der Markt für die sogenannten Cobots ist attraktiv.
Kommentieren
Der noch sehr junge Markt für sogenannte Cobots wird Branchenstudien zufolge in den nächsten Jahren exponentiell wachsen. Quelle: picture alliance / Julian Strate
Robotersystem von Franka Emika

Der noch sehr junge Markt für sogenannte Cobots wird Branchenstudien zufolge in den nächsten Jahren exponentiell wachsen.

(Foto: picture alliance / Julian Strate)

StuttgartSeit dem 1. April führt Stephan Schaller den Maschinen- und Anlagenbauer Voith. Der Ex-Chef der BWW-Motorradsparte soll den 150 Jahre alten Traditionskonzern in die Digitalisierung führen.

Wenige Tage nach Amtsantritt kommt jetzt der erste große Schritt in diese Richtung. Vorgänger Hubert Lienhard hatte den Deal noch eingefädelt, Schaller darf jetzt damit kurz vor der Hannover-Messe glänzen.

Die Schwaben gründen eine strategische Partnerschaft mit dem Roboter-Start-up Franka Emika, das 2017 vom Bundespräsidenten den deutschen Zukunftspreis für die Entwicklung des ersten feinfühligen und lernfähigen Leichtbauroboters „Panda“ erhielt. Über den industriellen Einsatz hinaus können diese Roboter in Zukunft auch Menschen im Alltag oder in der Pflege unterstützen.

„Voith geht mit der strategischen Partnerschaft mit Franka Emika konsequent den nächsten Schritt in seiner digitalen Agenda“, sagt Voith-Chef Stephan Schaller. Voith habe Robotik als eine strategische Schlüsselkompetenz definiert, um die das bestehende Portfolio ergänzt werden soll.

Voith steigt mit einer Beteiligung von zehn Prozent ein und bindet darüber hinaus mit einem Gemeinschaftsunternehmen den hoch gehandelten Roboterspezialisten an sich. Franka Emika liefert die Technologie der einfach bedienbaren lernfähigen Leichtbauroboter und Voith das Geld sowie Industrialisierungs- und Vertriebspower. Zudem soll das Unternehmen zugehörige Softwarelösungen, Apps, Dienstleistungen und Prozessberatung für weltweite Kunden anbieten. Geführt wird es von Martin Scherrer, bisher Mitglied der Geschäftsführung von Voith Paper.

„Die Symbiose aus einem jungen Unternehmen, seinem einmaligen Produktportfolio, sowie der weltweiten Vernetzung und Erfahrung eines weltweit engagierten Familienunternehmens soll zum Synonym für Industrie 4.0 werden“, frohlockt Simon Haddadin, Chef von Franka Emika. Über den Kaufpreis sagten beide Seiten nichts.

Für Voith ist es der zweite Versuch, in der Robotik Fuß zu fassen. Die Heidenheimer hatten sich 2014 am Roboterhersteller Kuka mit einer Sperrminorität beteiligt. Der angestrebten Komplettübernahme kam der chinesische Hausgerätekonzern Midea mit einem sehr hohen Angebot in die Quere. Voith trennte sich wieder von der Beteiligung und machte als Trostpflaster unter dem Strich einen Gewinn von über einer halben Milliarde Euro.

Was Roboter schon heute alles können
Pepper
1 von 16

Im Geschäft persönlich vom Roboter begrüßt zu werden - auch das kann bald für mehr Menschen Realität sein. „Pepper“ hat Knopfaugen, und er ist in astreinem Deutsch recht schonungslos: „Meiner bescheidenen Meinung nach ist dieses Modell nicht besonders schmeichelhaft für Ihre Figur. Dürfte ich Ihnen ein paar neu eingetroffene Modelle zeigen, die mir für Sie besonders gut gefallen?“ Eigene Infos werden per QR-Code auf dem Smartphone gespeichert, den der Roboter im Geschäft dann scannt. In Japan ist Pepper (von SoftBank) bereits aktiv.

Relay
2 von 16

Wer auf Reisen die Zahnbürste vergessen hat, kann sie bald von einer freundlichen Maschine aufs Zimmer gebracht bekommen. „Relay“, der Service-Roboter, wird in einigen US-Hotels im Silicon Valley getestet. Die Rezeptionistin legt Zahnbürste, Cola oder Sandwich in eine Box im Roboter, dann gibt sie die Zimmernummer des Gastes ein. „Relay“ kann sich selbst den Fahrstuhl rufen – auch wenn er noch ziemlich lange braucht, um wirklich einzusteigen. Er scannt vorher sehr ausgiebig seine gesamte Umgebung, um ja niemanden umzufahren. Vor der Zimmertür angekommen, ruft der Roboter auf dem Zimmertelefon an.

Wenn der Hotelgast öffnet, signalisiert ihm „Relay“ per Touchscreen: Klappe öffnen, Zahnbürste rausnehmen, Klappe wieder schließen. „Das Hotel ist für uns erst der Anfang“, sagt Adrian Canoso vom Hersteller Savioke. „Wir wollen „Relay“ auch in Krankenhäuser, Altenheime und Restaurants bringen, einfach überall dahin, wo Menschen essen oder schlafen.“

Budgee
3 von 16

„Budgee“ trägt die Einkäufe und rollt hinterher. Per Funksender in der Hand oder am Gürtel gesteuert, kann er bis zu 22 Kilogramm schleppen, so der US-Hersteller. Er folgt Herrchen oder Frauchen mit mehr als 6 Kilometern pro Stunde. Die Batterie hält angeblich zehn Stunden. „Budgee“ lässt sich zusammenklappen und im Kofferraum verstauen. Die ersten Vorbestellungen werden ausgeliefert, Stückpreis rund 1400 US-Dollar.

PR2
4 von 16

Roboter können nicht nur Einkäufe schleppen, sondern auch für viele Menschen unliebsame Arbeiten im Haushalt abnehmen – und damit sind nicht nur die Staubsaug-Roboter gemeint. Der „PR2“ des Institute for Artificial Intelligence (IAI) der Universität Bremen kann auch in der Küche zur Hand gehen, zumindest in der Laborküche.

Handshake
5 von 16

Ja, heutige Roboter können bereits feinmotorische Aufgaben übernehmen und etwa zuprosten, ohne dass das Sektglas zu Bruch geht. Das ist aber nicht die Besonderheit an diesem Bild. Der Arm rechts gehört Jordi Artigas, Wissenschaftler am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. Der Roboterarm wird von Sergei Wolkow gesteuert – und der war nicht in Oberpfaffenhofen, sondern auf der Internationalen Raumstation ISS, wie im Hintergrund auf dem Monitor schemenhaft zu erkennen ist. Der „Tele-Handshake“ war nach Angaben des DLR ein weltweit einzigartiges Experiment.

iPal
6 von 16

„iPal“ ist ein künstlicher Freund und Spielgefährte. Der Roboter ist so groß wie ein sechsjähriges Kind. Er kann singen und tanzen, Geschichten vorlesen und spielen. Durch Gesichtserkennung und automatisches Lernen wird „iPal“ mit der Zeit immer schlauer. Er erinnert sich an Vorlieben und Interessen des Kindes. „iPal“ ist keine gefühllose Maschine“, behauptet John Ostrem vom Hersteller AvatarMind. „Er kann Emotionen erspüren und fühlt, wenn das Kind traurig ist.“ Der Roboter, der in rosa oder hellblau angeboten wird, übernimmt auch gleich ein paar vielleicht leidige Erziehungspflichten: Der eingebaute Wecker holt das Kind aus dem Schlaf. Die Wetter-App sagt ihm, was es anziehen soll, und eine Gesundheits-App erinnert ans Händewaschen.

„iPal“ wurde vor allem für den chinesischen Markt entwickelt. Ostrem erläutert: „Dort gibt es in den Ein-Kind-Familien viele einsame Kinder, deren Eltern wenig Zeit haben und die einfach niemanden zum Spielen haben.“ Anfang 2016 soll es „iPal“ dort für etwa 1000 US-Dollar (knapp 900 Euro) geben.

Justin
7 von 16

Solche Aufgaben, wie etwa dieses Zahnrad zu greifen und weiterzugeben, konnte der DLR-Roboter „Justin“ schon 2012. Dass er aus dem All gesteuert wird, ist jedoch neu und bislang einzigartig.

Jetzt folgt der erneute Versuch, aber in deutlich kleinerem Maßstab. Die Heidenheimer lockt der attraktive Markt. Der noch sehr junge Markt für kollaborative Roboter, sogenannte Cobots, mit einem Marktvolumen von heute rund 300 Millionen Euro wird Branchenstudien zufolge in den nächsten Jahren exponentiell wachsen. Im Jahr 2025 wird ein weltweites Marktvolumen von rund 15 Milliarden Euro erwartet.

Voith will da unbedingt dabei sein und kündigte weitere Übernahmen bei der Digitalisierung an. „Da wird noch weiteres kommen“, sagte ein Konzernsprecher.

Die jetzige Allianz ist ein weiterer Schritt der digitalen Neuausrichtung. Der in Familienbesitz befindliche Konzern mit 4,2 Milliarden Euro Umsatz und weltweit 19.000 Beschäftigten war durch die Krise der Papiermaschinen in den vergangenen Jahren arg gebeutelt worden. Das Geschäft mit großen Papiermaschinen für graphische Papiere wurde heruntergefahren.

Inzwischen hat sich der der traditionsreiche Familienkonzern erholt und die Weichen in Richtung Zukunft gestellt. So bietet jetzt eine eigene Industrie 4.0-Plattform an, hat einen Venture-Capital-Fonds und die Mehrheit der Digitalagentur Ray Sono übernommen. Ganz unbeteiligt ist der neue Voith-Chef nicht an den bisherigen Weichenstellungen. Vor seiner Berufung war er schon als Mitglied des Gesellschafterausschusses tief involviert.

Startseite

0 Kommentare zu "Einstieg bei Franka Emika: Voith startet den zweiten Versuch in der Robotik"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%