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Female Founders Award 2020 Ein Autopilot für Wasserkraftwerke: Wie Janice Goodenough die Digitalisierung vorantreibt

Große Wasserkraftwerke haben die Konzerne längst optimiert. Die Software der Hydrogrid-Gründerin hilft nun kleinen Kraftwerken, die Effizienz zu steigern.
27.10.2020 - 15:23 Uhr 1 Kommentar
Female Founders Award 2020: Janice Goodenough digitalisiert die Wasserkraft
Gründerin Janice Goodenough

Hydrogrid steuert mittlerweile Wasserkraftwerke in sechs verschiedenen Ländern.

Düsseldorf „In den ersten Jahren mussten wir die Kunden praktisch anbetteln, unsere Lösung auszuprobieren“, sagt Janice Goodenough, wenn sie an die Anfänge des von ihr gegründeten Unternehmens Hydrogrid zurückdenkt.

Selbst nachdem das österreichische Start-up in Norwegen seinen ersten Pilotkunden gefunden hatte, musste Goodenough viel Überzeugungsarbeit leisten, dass andere Besitzer von Wasserkraftanlagen ihre Lösung mal testen. „Wir waren ein ausländisches Unternehmen und hatten keine Referenzen vorzuweisen“, erinnert sich die Gründerin.

Das 2016 gegründete Unternehmen hatte bis Mitte 2019 weniger als eine Handvoll Kunden. Der Durchbruch kam 2019, in dem Jahr gewann das Start-up den österreichischen „Staatspreis Digitalisierung“. Vor allem aber hat Hydrogrid Mitte 2019 einige Kraftwerke unter Vertrag und kann dadurch Referenzen vorweisen. „Ab dem Punkt hat es sich im Vertrieb radikal verändert, seitdem gewinnen wir laufend Kunden dazu.“

Nicht nur in Norwegen, mittlerweile auch in Schweden, Finnland, Großbritannien, Türkei und Bosnien steuert Hydrogrid Wasserkraftwerke.

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    Goodenough beschreibt die Software als einen intelligenten Autopiloten fürs Kraftwerk. Man könne sich das so ähnlich vorstellen wie beim autonomen Fahren oder einen Autopiloten im Flugzeug, so die Gründerin. Hydrogrid digitalisiert und automatisiert Wasserkraftwerke. Die Software ist so designt, dass sie sich selbst kalibriert und eine Wasserkraftanlage 365 Tage im Jahr automatisch steuert.

    „Das ein sehr spannendes Beispiel für die Digitalisierung von Geschäftsmodellen in der Energiewirtschaft“, sagt Hannes Seidl, Bereichsleiter Energiesysteme und Energiedienstleistungen der Deutschen Energie-Agentur. Der Experte glaubt, dass die Digitalisierung und Automatisierung von Wasserkraftwerken erforderlich sein wird, um dann überhaupt überlebensfähig zu sein.

    „Früher konnten zum Beispiel Pumpspeicherkraftwerke ähnlich wie Nachtspeicherheizungen in einem Tag- und Nachtbetrieb fahren, damit lässt sich heute und in Zukunft kaum Geld verdienen. Daher wird es erforderlich sein, dass diese Anlagen Teil von virtuellen Kraftwerken werden, um flexibel auf Marktsignale reagieren zu können.“

    Für die Betreiber ist die Software von Hydrogrid ein lohnendes Investment. Die Optimierung der Wasserkraftwerke sorgt je nach Kraftwerkstyp für bis zu 18 Prozent Erlössteigerung. Der Preis dafür ist eine monatliche Lizenzgebühr, die so dimensioniert ist, dass der Mehrerlös des Betreibers immer ein Vielfaches dessen ist, was an Hydrogrid gezahlt wird.

    Lukratives Angebot ausgeschlagen

    An der TU Wien hat Goodenough technische Mathematik mit Fokussierung auf Statistik und Zeitreihenanalyse studiert. Während die meisten ihrer Kommilitonen bei Banken und Versicherungen landen, geht es für sie nach einer Station bei der Unternehmensberatung McKinsey in die Energiewirtschaft zu Verbund, Österreichs führendem Stromunternehmen.

    Nach acht Jahren bei Verbund bekommt sie ein lukratives Jobangebot. „Objektiv gesehen hätte ich das Angebot annehmen müssen. Der einzige Grund, es nicht anzunehmen, wäre, eine eigene Firma zu gründen“, sagt Goodenough. Genau so kommt es, sie schlägt das Angebot aus und gründet Hydrogrid.

    Während ihrer Zeit bei Verbund hat sie gemerkt, dass die Optimierungsprozesse in großen Wasserkraftwerken bei großen Konzernen von großen Teams gemanagt werden, Betreiber von kleinen Wasserkraftwerken dafür aber nicht die Ressourcen haben. Genau da setzt Hydrogrid an und bietet Lösungen, zunächst für Wasserkraftanlagen bis ungefähr zehn Megawatt Erzeugungsleistung.

    Aber auch mittelgroße und große Wasserkraftwerke interessieren sich mittlerweile für Hydrogrid. Gerade in Schwellenmärkten sieht Goodenough viel Potenzial mit Blick auf größere Wasserkraftanlagen.

    Female Founders Award
    Im Rahmen des Digitalpreises „The Spark“ verleihen Handelsblatt und McKinsey einen Sonderpreis für weibliche Gründer. Wir stellen die 14 Nominierten vor. Alle Hintergründe finden Sie hier.

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    1 Kommentar zu "Female Founders Award 2020: Ein Autopilot für Wasserkraftwerke: Wie Janice Goodenough die Digitalisierung vorantreibt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Rein technisch eine interessante Aufgabe und Frau Goodenough kann mit ihrer Firma sicherlich die Rentabilität von Kleinwasserkraftwerken erhöhen und damit den Profit maximieren.
      Leider ist Wasserkraft in vielen Bereichen eine wenig nachhaltige und höchst naturzerstörerische Art der Energiegewinnung. Kleinwasserkraftwerke haben fast immer ein schlechteste Verhältnis zwischen erzielbarer Leistung und Eingriff in das Ökosystem.
      Aus diesem Hintergrund kann ich nicht verstehen wie die Firma Hydrogrid in der heutigen Zeit für einen Gründerpreis vorgeschlagen werden kann. Das ganze Geschäftsmodell ist eine reine Einnahmeoptimierungssoftware für Kleinwasserkraftwerke. Viel wichtiger wäre eine Ökobilanzoptimierung solcher Kraftwerke. Leider ist das Thema "Naturzerstörung durch Wasserkraft" noch immer nicht überall bekannt. Die Wasserkraftindustrie setzt auch alles daran, um ihre Märchen vom allgegenwärtigen "grünen Strom aus Wasserkraft" aufrecht zu erhalten. Glücklicherweise bröckelt die Fassade immer deutlicher und es gibt mittlerweile auch auf dem Balkan (eines der letzten Gebiete mit unberührten wilden Flussläufen in Europa, wo die Wasserkraftindustrie zahlreiche Projekte in Planung hat) große Vorbehalte gegen eine großflächige und unbedarfte Nutzung von Wasserkraft.

      Drei anregende Links zu diesem Thema:

      https://blueheart.patagonia.com/intl/de/

      https://www.spiegel.de/wissenschaft/wasserkraftwerke-in-europa-naturzerstoerung-wird-uns-als-klimaschutz-verkauft-a-fd9f7d1e-62cf-4166-80b4-6f49ad704762

      https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Analyse-Fliessgewaesser-Bayern.pdf

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