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Female Founders Award 2020 Fabiola Munguia verkauft Hackerangriffe an Unternehmen

Cyberangriffe verursachen jährlich Milliardenschäden. Um sich besser zu schützen, setzen Firmen auf diese Gründerin und ihre Plattform Requestee.
31.10.2020 - 13:42 Uhr Kommentieren
Parallel zu ihrem Business macht die Gründerin gerade an der TU-München ihren Master in Management and Technology. Quelle: Fabiola Munguia, Requestee
Tech-Gründerin Fabiola Munguia

Parallel zu ihrem Business macht die Gründerin gerade an der TU-München ihren Master in Management and Technology.

(Foto: Fabiola Munguia, Requestee)

Bonn Die eigene App oder das eigene Netzwerk von professionellen Hackern auf Schwachstellen überprüfen zu lassen – das ist für digitale Geschäftsmodelle überlebenswichtig. Eine wirksame Verteidigung gegen Cyberangriffe ist nur möglich, wenn man die Methoden der Angreifer kennt.

Dabei will Fabiola Munguia mit ihrem Start-up Requestee helfen, das sie Anfang 2020 gemeinsam mit ihrem Studienfreund Grigory Emelianov gegründet hat. Sie vermittelt mit ihrer Plattform allerdings keine zwielichtigen Gestalten, sondern „ethische Pentester“ – so bezeichnet man den geplanten Check der IT-Systeme durch externe Experten.

Der Markt der „guten Hacker“ ist unübersichtlich. Neben vielen IT-Sicherheitsfirmen bieten auch Freiberufler ihre Dienste an. „Der Kauf eines Pentests ist eine echte Herausforderung für Unternehmer“, erzählt die 26-Jährige, die ursprünglich aus El Salvador kommt und seit acht Jahren in Deutschland lebt.

„Das ist ein sehr traditionelles Geschäft, in dem man viele Anbieter anschreiben muss“, beschreibt die Gründerin die übliche Prozedur. „Dann muss man mit ihnen Gespräche führen, um Angebote zu bekommen, die manchmal sehr lang, bis zu 50 Seiten, ausfallen.“ Der anschließende Angebotsvergleich ist dann eine Tortur, die sich über mehrere Wochen erstrecken kann.

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    Ein weiteres Problem: Viele Auftraggeber wissen nicht, welche Pentester vertrauenswürdig sind – schließlich könnte es sich ja auch um einen böswilligen Hacker handeln, der dann Zugriff auf wichtige Unternehmensdaten hätte und der Firma schaden könnte.

    Die Sorge ist nicht unberechtigt. Neben Behörden und Großunternehmen geraten immer öfter auch kleine und mittelgroße Betriebe in das Fadenkreuz von Kriminellen. Der Branchenverband Bitkom schätzt den jährlichen Schaden durch Netzattacken in Deutschland auf rund 50 Milliarden Euro.

    Eine zusätzliche Gefahr kommt durch Corona: Hacker greifen in der Krise öfter große Unternehmen und wichtige Infrastrukturen an, warnt Interpol. „Die anhaltende Pandemie fungiert wie ein Beschleuniger“, erklärt Daniel Grassinger vom Bavarian US Offices for Economic Development, der Fabiola und Grigory als Mentor begleitet. „Somit wachsen auch der Bedarf und die Notwendigkeit an Sicherheitslösungen.“

    „Aufgrund wachsender Cyberkriminalität ist dies ein rapide wachsender Markt“

    Was Requestee macht, funktioniert ähnlich wie die Handwerker-Plattform MyHammer. Unternehmen, die sich angreifen lassen wollen, bekommen innerhalb weniger Minuten Angebote von geprüften Pentesting-Firmen – so schnell und einfach wie bei einer Pizza-Bestellung.

    Zwar zertifiziert auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik IT-Sicherheitsdienstleister, aber es gab bislang keine übergeordnete Plattform wie Requestee, in der Unternehmen kostenlos Aufträge einstellen und mithilfe Künstlicher Intelligenz passende Experten finden und unmittelbar buchen können.

    Worauf Munguia besonders stolz ist, ist der Matching-Algorithmus. „Das gibt es so nirgendwo auf der Welt.“ Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: Die Hackerliste ist sortiert nach Bewertungen vergangener Kundenaufträge, die zwar anonymisiert, aber von Requestee verifiziert sind.

    Finden Unternehmen und Wunsch-Hacker auf diese Weise zusammen, erhält das Start-up einen prozentualen Anteil des Auftragswerts von der Pentesting-Firma. Kosten für solche Tests liegen je nach Aufwand zwischen 5000 und 50.000 Euro.

    Die Gründer nahmen am Programm „Xpreneurs“ von UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der TU-München, teil. „Aufgrund ständig wachsender Cyberkriminalität ist dies ein rapide wachsender Markt“, erzählt Martin Giese, der den Inkubator leitet und Start-ups von der ersten Idee bis zum marktreifen Geschäftsmodell begleitet. „Es hat Spaß gemacht, mit dem Team zu arbeiten, da sie alle unsere Inhalte aufgesaugt und immer gleich mit Kunden erprobt haben. Ihre Fortschritte und ihr Tempo sind beachtlich.“

    Daniel Grassinger sieht das genauso: „Ich bin mir sicher, dass Requestee das Potenzial hat, gemeinsam mit dem Markt zu wachsen, nicht nur national, sondern auch international.“

    Die Gründer haben ihr Unternehmen bislang eigenständig finanziert aufgebaut. Inzwischen hat Requestee rund zehn Mitarbeiter. Im November steht dann der nächste wichtige Meilenstein an, sagt Munguia: „Dann starten wir mit den Investorengesprächen.“

    Wenn alles nach Plan verläuft, will die Gründerin dann schnell durchstarten – vor allem mit Blick auf die USA und Israel, die wichtigsten Märkte für Cybersecurity. „In drei Jahren sind wir ein skalierbares Start-up mit sehr viel Wachstum und der Pentester-Marktplatz Nummer eins auf der ganzen Welt.“

    Female Founders Award
    Im Rahmen des Digitalpreises „The Spark“ verleihen Handelsblatt und McKinsey einen Sonderpreis für weibliche Gründer. Wir stellen die 14 Nominierten vor. Alle Hintergründe finden Sie hier.

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