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Female Founders Award Amazon Go für die Hosentasche: Trinh Le-Fiedler will das kassenlose Einkaufen vereinfachen

Statt aufwendiger Kamera- und Servertechnik setzt die Gründerin eine KI-basierte App ein. Ihre Software stößt in der Branche bereits auf großes Interesse.
17.10.2020 - 10:03 Uhr Kommentieren
Die Unternehmerin gründete gemeinsam mit Moritz August und Max Fiedler das Deep-Tech-Start-up Nomitri.
Trinh Le-Fiedler

Die Unternehmerin gründete gemeinsam mit Moritz August und Max Fiedler das Deep-Tech-Start-up Nomitri.

Bonn Vielleicht würde es das Start-up von Trinh Le-Fiedler ohne ihre beiden Töchter Mila und Nora gar nicht geben. Die Mädchen wollten, als sie noch klein waren, immer Feen werden, damit sie fliegen und zaubern können. „Ich musste ihnen aber irgendwann sagen, dass es Feen leider nicht gibt“, erinnert sich die Gründerin.

„Gleichzeitig erzählte ich ihnen aber auch, dass die beste Alternative eigentlich Erfinderinnen sind, weil sie durch neue Innovationen Fähigkeiten wie zum Beispiel das Fliegen ermöglichen können.“

Heute ist Le-Fiedler selbst Erfinderin und eine von drei Gründern des Berliner IT-Unternehmens Nomitri – ein Innovator im Bereich der sogenannten Embedded Visual KI, wo sich alles um die intelligente Bilderkennung unter Anwendung von neuronalen Netzen dreht. „Hier sind wir an vorderster Stelle“, erklärt Le-Fiedler. „Es gibt weltweit nicht viele Firmen, die das schaffen, was wir machen.“

Nomitri baut auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierte neuronale Netze so klein und komprimiert die Modelle so, dass sie auf jedem Smartphone laufen können. „Als erstes Produkt haben wir ein autonomes, kontaktloses Self-Check-out-System für Supermärkte entwickelt, das nur über das Smartphone der Kunden läuft“, erzählt Le-Fiedler.

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Standort erkennen

    Kunden müssen sich dafür lediglich eine App auf ihr Handy laden. „Die Technologie dahinter erkennt dann, welche Artikel in den Einkaufswagen gelegt oder herausgenommen werden, erstellt eine Rechnung und wickelt die Bezahlung direkt via Smartphone ab“, erklärt die Gründerin. 

    Gleichzeitig ließen sich dem Supermarktkunden während des Einkaufs Produkte vorschlagen sowie weitere personalisierte Dienstleistungen anbieten, etwa eine Einkaufsstrategie für Diäten oder der Zutateneinkauf nach Kochrezepten. Für die Kunden ist die App kostenlos. Händler, die ihren Kunden das kassenlose Einkaufen anbieten möchten, zahlen eine Lizenzgebühr.

    Was Nomitri anders macht als beispielsweise der Wettbewerber Amazon Go? „Wir bieten quasi eine 'Amazon-Go-in-your-Pocket'-Lösung an, die signifikant weniger kostet, weil im Laden keine Kameras und keine Sensoren installiert werden müssen“, sagte Le-Fiedler.

    Für die Technik sei nur das Handy der Kunden nötig, keine stromfressenden Cloud-Server. Auch den strengen Anforderungen des Datenschutzes sei Genüge getan, weil die persönlichen Videodaten nie das Mobiltelefon verlassen und auch nicht gespeichert werden, so die Gründerin.

    Erste Finanzierungsrunde abgeschlossen

    Die Entscheidung, eine Deep-Tech-Firma zu gründen, fiel der IT-Expertin, die eigentlich Jura in Paris und Harvard studiert hat, sehr leicht – trotz hoher Entwicklungs- und Finanzierungsrisiken. „Ich wollte meinen Töchtern vorleben, dass auch Technologie ein Bereich ist, in dem eine Frau ein hochqualifiziertes Team auf die Beine stellen und die Bestimmerin werden kann“, erzählt Trinh Le-Fiedler.

    Sie sieht sich nicht nur als Vorreiterin für ihre Töchter, sondern auch für andere Frauen: „Für mich als Mensch und als Vorgesetzte ist das eigene Vorleben das stärkste und wirkungsvollste Mittel, um Veränderung herbeizuführen.“

    Obwohl das Unternehmen erst im August gegründet wurde, ist die Resonanz auf Nomitris Technologie hoch. Schon knapp drei Monate nach der Gründung hat das Tech-Start-up mehr als zehn Mitarbeiter und die erste Finanzierungsrunde „für eine erhebliche sechsstellige Summe abgeschlossen“, so Le-Fiedler. Geldgeber ist ein bedeutendes Family Office, das namentlich nicht genannt werden möchte.

    Was aber kein Geheimnis ist: „Weitere Finanzierungen erhalten wir von der Investitionsbank Berlin, die uns soeben eine Innovationsförderung von knapp 1,2 Millionen Euro gewährt hat.“ Außerdem hat sie gerade mit einer globalen Supermarktkette einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. „Wir sind auch mit weiteren Händlern in Gesprächen und planen, noch in diesem Jahr unser Produkt zu pilotieren, um es europaweit auszurollen.“

    Jörg Decker, verantwortlich für Mobile Commerce bei Metronom, der Tech-Einheit des Düsseldorfer Großhändlers Metro, glaubt an das Konzept: „Obwohl noch am Anfang, sind die Ergebnisse im Bereich Self-Check-out heute schon beeindruckend. 100 Prozent Software, keine Abhängigkeit zu Hardware – so wünsche ich mir die Prozessunterstützung überall.“

    Im nächsten Schritt wollen Trinh Le-Fiedler und ihre Mitgründer Moritz August und Max Fiedler weitere komplexe Algorithmen für unterschiedliche Branchen entwickeln. Denkbar sind beispielsweise Anwendungen für Drohnen zur Überwachung von Windkraftanlagen, die in Echtzeit aus der Luft melden, wenn sie einen Schaden entdecken.

    Zwar kann man mit der Technologie nicht zaubern, aber Le-Fiedler hätte ihr Geschäftsmodell dann immerhin schon mal zum Fliegen gebracht.

    Female Founders Award
    Im Rahmen des Digitalpreises „The Spark“ verleihen Handelsblatt und McKinsey einen Sonderpreis für weibliche Gründer. Wir stellen die 14 Nominierten vor. Alle Hintergründe finden Sie hier.

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