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Folgen der Epidemie Das Coronavirus beschleunigt die Auslese der Mobilitätsdienste

Wegen der Corona-Pandemie bricht das Geschäft weg. Die Konsolidierung der Branche findet nicht wie erwartet in ein paar Monaten statt – sondern jetzt.
25.03.2020 - 16:20 Uhr Kommentieren
Das Coronavirus setzt Mobilitätsdienste unter Druck. Quelle: imago images/photothek
E-Scooter

Das Coronavirus setzt Mobilitätsdienste unter Druck.

(Foto: imago images/photothek)

Düsseldorf Sonderbare Szenen gehören in Zeiten der Coronakrise allerorts zum Straßenbild. Zum Beispiel in Düsseldorf. Ein Taxifahrer trägt Gummihandschuhe und Atemmaske. In seiner Mercedes E-Klasse hat er Aluminiumfolie um beide Vordersitze gespannt.

Fahrer und Fahrgast sind durch die Folie getrennt. Der Fahrgast würde auf sein silbriges zerknittertes Spiegelbild starren, das er in der Aluminiumfolie erahnen könnte – doch Fahrgäste sind gerade Mangelware.

Das Coronavirus hat innerhalb weniger Tage die Nachfrage nach Mobilität in den Städten in Luft aufgelöst – und zwar auf der ganzen Welt. Selbst der Times Square in New York glänzt neuerdings mit der Eleganz eines Stilllebens. Wegen des hohen Infektionsrisikos gilt die staatliche Verordnung, zu Hause zu bleiben.

Das trifft Taxifahrer, aber auch neue Mobilitätsdienste. Ridesharer wie Uber und Lyft werden nicht mehr genutzt, Autos oder E-Scooter nicht mehr geliehen. Das Coronavirus zerschmettert in schwindelerregender Geschwindigkeit die Geschäftsmodelle der Mobilitätsdienste und wird für sie zu einer existenziellen Bedrohung.

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    „Die Coronakrise trifft alle Mobilitätsdienstleister, egal ob Big Player oder Start-up“, sagt Daniel Schellong, Mobilitätsexperte beim Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG), dem Handelsblatt. „Kein Unternehmen hat in seinem Finanzplan so massive Einbrüche berücksichtigt, wie wir sie derzeit in der Coronakrise sehen.“

    BCG schätzt, dass der Umsatz der verschiedenen Mobilitätsdienstleister zwischen März und Mai um etwa 80 Prozent sinken wird. Im Gesamtjahr dürften die Umsatzeinbußen auch noch bei mehr als 50 Prozent liegen.

    Verdrängungswettbewerb startet früher

    Noch vor weniger als zwei Wochen hieß es, dass der Mobilitätsbranche erst in den kommenden Monaten eine Konsolidierung bevorstehe. Doch das stimmt nicht mehr.

    Wegen der Corona-Pandemie findet der Verdrängungswettbewerb jetzt statt – und weder E-Scooter-Verleiher noch Car- oder Ridesharer sind darauf vorbereitet. Dementsprechend erratisch handeln die Unternehmen.

    In Deutschland zieht zum Beispiel Volkswagen seiner Ridesharing-Tochter Moia vorübergehend den Stecker. Der VW-Fahrtdienst war im April vergangenen Jahres in Hamburg gestartet. Jetzt wird der Dienst zunächst eingestellt, 900 Mitarbeiter gehen in Kurzarbeit.

    Die Einschränkung des öffentlichen Lebens habe die Nachfrage nach Fahrten „drastisch reduziert“, teilt Moia mit. In dieser Situation gelte es, das Unternehmen zu schützen und Arbeitsplätze zu sichern. Wann Moia den Dienst wiederbelebt, ist ungewiss.

    Sixt verkleinert Flotte

    Carsharing-Dienste wie Car2Go und DriveNow, die gemeinsam von BMW und Daimler unter dem Label Share Now betrieben werden und We Share von VW, verzeichnen nach eigenen Angaben ebenfalls einen massiven Rückgang an Fahrten, lassen ihre Leihfahrzeuge aber noch auf der Straße.

    Sixt hat bereits Anfang März eine Veränderung der Nachfrage bemerkt. Angefangen hatte es an den Flughäfen. Weil Firmenreisen wegen Corona untersagt wurden, sank dort die Nachfrage nach Mietfahrzeugen als Erstes. Mittlerweile sind auch andere Mobilitätsangebote von Sixt betroffen. Das Unternehmen hat deswegen damit begonnen, seine Fahrzeugflotte zu verkleinern, und zögert Investitionen hinaus, um Kosten zu senken.

    Hart trifft es auch die E-Scooter-Verleiher. Bird und Lime haben ihre E-Scooter bereits eingesammelt. Voi stellt die E-Scooter an Krankenhäusern auf, in der Hoffnung, dass Ärzte und Pflegepersonal sie nutzen. Auf diese Weise versucht Voi, zumindest einen Teil der weggebrochenen Nachfrage zu retten.

    Der deutsche Anbieter Tier verleiht seine E-Scooter zwar noch. Doch laut Tier-Manager Moritz Werner würde das Start-up in der aktuellen Lage nur noch kostendeckend operieren. „Die gesunkene Nachfrage strapaziert unsere Kosten-Einnahmen-Struktur, und wir nähern uns da unserer Schmerzgrenze“, sagt Werner dem Handelsblatt.

    Grafik

    Aus Branchenkreisen heißt es, dass ein E-Scooter in einer großen Stadt derzeit an einem guten Tag höchstens einmal ausgeliehen wird. Oft stehen die Roller mehrere Tage ungenutzt herum.

    Das Problem aller Mobilitätsunternehmen: Es wird keine Nachholeffekte geben. Kaufen Menschen im März keine Autos, holen sie das nach der Coronakrise nach, sagt Werner. Bei Mobilität ist das nicht möglich.

    „Leihen die Menschen im März keine E-Scooter, dann wird die Nachfrage später nicht unbedingt höher ausfallen“, sagt er. Nicht stattgefundene Fahrten bedeuten verlorene Einnahmen bei laufenden Kosten.

    Für die Mobilitätsdienste, die ihr Angebot noch nicht komplett runtergefahren haben, gilt daher: mit allen Mitteln den Liquiditätsstrom aufrechterhalten. Plattformanbieter wie Uber sind dabei im Vorteil, weil sie ein vielfältiges Sharing-Angebot haben. Der US-Konzern verteilt auch Mahlzeiten und plant darüber hinaus einen Dienst für Medikamentenauslieferungen.

    Konkurrent Lyft will diese Idee übernehmen. Die Bahn-Tochter Clevershuttle wiederum fährt trotz Coronakrise in Berlin, Dresden, Kiel, Leipzig und München weiter. Am vergangenen Donnerstag wurde sogar noch der Standort Düsseldorf in Betrieb genommen.

    In allen Städten allerdings ist der Fahrzeugpark eingeschränkt, und es gibt noch den Einzeltransfer. Die Mitarbeiter sind fest angestellt und gehen zum Teil in Kurzarbeit. Clevershuttle bietet seine Fahrdienste derzeit ausdrücklich für „systemrelevante“ Transporte von Patienten, Medikamenten oder Mitarbeitern an. Sixt und Share Now haben ähnliche Angebote.

    Lime geht das Geld aus
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