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Green Tech Dieses isländische Unternehmen verwandelt CO2 in Stein

CO2 einsparen reicht nicht mehr, auch die Speicherung wird immer wichtiger. Ein isländisches Unternehmen könnte den Blick auf die Technik verändern.
03.05.2021 - 15:21 Uhr Kommentieren
Das isländische Start-up will die CO2-Speicherung revolutionieren.  Quelle: Carbfix
Carbfix

Das isländische Start-up will die CO2-Speicherung revolutionieren. 

(Foto: Carbfix)

Düsseldorf Es klingt fast wie aus der Bibel: Nur dass das isländische Unternehmen Carbfix nicht Wasser in Wein verwandelt, sondern CO2 in Stein. Wasser in Wein zu verwandeln, ist chemisch unmöglich. CO2 in Gestein zu verwandeln nicht. In der Natur läuft der Prozess ganz von allein, so wie etwa Bäume CO2 speichern, allerdings sehr langsam. Das klimaschädliche Gas wäre in dieser Form Millionen Jahre fest gebunden und könnte nicht mehr in die Atmosphäre entweichen.

Die Isländer machen sich das bewährte Prinzip zunutze und beschleunigen es. In nur zwei Jahren wird so aus Kohlendioxid Gestein. Wie Carbfix Ende April bekanntgab, soll bis 2030 an der isländischen Küste ein Terminal entstehen, dass bis zu drei Millionen Tonnen CO2 jährlich annehmen und verarbeiten kann.

Was die Isländer vorhaben, könnte den Blick auf die CO2-Speicherung verändern. Anders als bei der herkömmlichen CO2-Speicherung, die in der Regel in einem großen künstlichen Behälter oder in unterirdischen Speicherkammern passiert, wandelt das Unternehmen das Gas so um, dass es nie wieder entweichen kann. Und macht damit Hoffnung auf ein Instrument im Kampf gegen den Klimawandel, das immer wichtiger wird. 

Es führt kein Weg an CO2-Speicherung vorbei

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    Damit die Pariser Klimaziele noch erreicht werden können, reicht es nicht mehr, einfach weniger Treibhausgas in die Atmosphäre zu stoßen.

    Der Weltklimarat hat in seinem letzten Sonderbericht darauf hingewiesen, dass es unausweichlich sei, sogenannte CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage), also die Abscheidung und Speicherung von CO2, anzuwenden, um bereits ausgestoßenes CO2 der Atmosphäre wieder zu entziehen. Anders lassen sich die Klimaziele laut den Experten nicht einhalten. 

    Denn in einigen Industriezweigen ist es unmöglich, den CO2-Ausstoß auf null zu reduzieren. Etwa in der Zement-, Stahl-, Klinker- oder Ammoniakproduktion.

    Das Problem: Bei den bisherigen Speicherverfahren besteht die Gefahr, dass CO2 aus der Lagerstätte entweichen könnte und wieder freigesetzt wird. Etwa wenn das CO2 wie beim norwegischen Projekt „Northern Lights“ unter dem Meer in Sandstein verpresst wird. Das Kohlenstoffdioxid bleibt dort erst einmal gasförmig. Durch ein Leck oder andere Unwägbarkeiten könnte das Gas aber wieder in die Atmosphäre entweichen.

    Grafik

    Gerade in Deutschland werden CCS-Verfahren besonders kritisch gesehen – hier gibt es seit Jahren viele Gegner sogenannter CO2-Endlagerstätten. Die Kritik: CCS-Technologien werden nur vorgeschoben, damit die fossile Industrie ihre Emissionen nicht drosseln muss.

    Und auch die Sorge wegen Lecks bei unterirdisch gespeichertem CO2 bleibt bestehen, gerade weil das Gas dort über Hunderttausende Jahre bleiben soll. Deshalb müssen diese Projekte auch besonders überwacht werden. Nicht so die Technologie der Isländer.

    Funktioniert wie ein Sodastream 

    „Wie elegant“, war das Erste, was Edda Sif Pind Aradóttir dachte, als sie das erste Mal vom Carbfix-Projekt und der Idee, CO2 in Stein zu verwandeln, hörte. Damals war die Idee nicht mehr als ein Stück Papier, eine wissenschaftliche Abhandlung. Gut 15 Jahre ist das jetzt her und Aradóttir wurde von der Doktorandin zur Chefin des jungen Green-Tech-Unternehmens.

    Doch wie genau funktioniert der Prozess? Carbfix löst CO2 in Wasser und leitet es dann in den Boden – wie Sprudelwasser im Sodastream, erklären die Isländer gerne. Kommt das mit CO2 versetzte Wasser in Kontakt mit dem Basalt im Untergrund, lösen sich Metalle aus dem Gestein ins Wasser, verbinden sich mit dem CO2 und formen neue Mineralien, sogenannte Karbonate.

    „Die findet man so auch natürlich in Basaltgesteinen und Fossilien überall auf der Welt,“ sagt Aradóttir. Damit sei das CO2 dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt.

    „Wenn das CO2 so mineralisiert ist, löst es sich ohne Zutun auch nicht wieder. Das ist praktisch eine neue Gesteinsbildung, die da stattfindet“, bestätigt Hans-Joachim Kümpel, Geophysiker und ehemaliger Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. 

    Seit 2014 hat Carbfix in einem ersten Projekt gut 65.000 Tonnen CO2 gespeichert. Das Treibhausgas stammt aus dem angrenzenden Geothermiewerk, das durch die Technik klimaneutral werden soll. Bisher haben die Isländer dabei ein Drittel der ausgestoßenen Menge CO2 aufnehmen können. Doch sie wollen mehr.

    Die Infrastruktur ist der kritischste Punkt

    Nachdem die Technik nun erprobt ist, will Aradóttir das Projekt ausweiten. Wie das Unternehmen Ende April mitteilte, soll ein neues Terminal im Südwesten der Insel gebaut werden. 2025 soll es 300.000 Tonnen CO2 speichern, bis 2030 soll es eine Speicherkapazität von drei Millionen Tonnen jährlich haben.

    Das CO2 wollen sie Unternehmen aus Großbritannien und Nordeuropa abnehmen. Für die könnte das ein guter Deal werden: Für eine Tonne CO2 will Carbfix unter 20 Euro verlangen – für ein Emissionszertifikat bezahlen Konzerne gerade mehr als das Doppelte. Allerdings ist in den Kosten nur die Speicherung enthalten.

    Für den Transport ins Terminal müssen die Unternehmen zusätzlich aufkommen. Das sind je nach Entfernung zwischen 20 und 50 Euro Transportkosten pro Tonne CO2, taxiert Aradóttir.

    Es gibt nur ein Problem: Die passende Infrastruktur fehlt noch. Zwar plant Carbfix mit Schiffen, die das CO2 auf die Insel transportieren können. Doch wie soll ein Unternehmen im Inland sein CO2 abscheiden und zur Küste bringen? „Wir haben schon vorher unsere Infrastruktur umgebaut und das müssen wir auch jetzt wieder tun,“ sagt Kari Helgason, der bei Carbfix den Bereich Forschung und Innovationen leitet.

    In Deutschland und Europa gibt es Pläne für CO2-Pipelines und andere Transportwege. „Wir sollten uns aber darauf einstellen, dass es dauern wird, bis die Infrastruktur aufgebaut ist,“ sagt Experte Kümpel.

    Experten sehen riesiges Potenzial 

    Carbfix rechnet mit Investitionskosten zwischen 190 und 220 Millionen Euro für das Terminal. Das Geld will es von Investoren einsammeln. Bei voller Kapazität soll das Terminal dann zwischen 25 und 45 Millionen Euro im Jahr einbringen.

    „Das Potenzial ist riesig“, beurteilt Geophysiker Kümpel das Projekt. Damit es mehr als nur eine Ergänzung der bisherigen Technologien werde, müsse das aber auf einer noch viel größeren Basis passieren.

    Die drei Millionen Tonnen CO2, die ab 2030 gespeichert werden sollen, seien „noch überschaubare Mengen“. Allein die deutsche Industrie emittiere jährlich zwischen 40 und 80 Millionen Tonnen unvermeidbares CO2, „die entweder genutzt oder gelagert werden müssen“.

    Allein das Basaltvorkommen in Island könnte theoretisch alles CO2 der Welt speichern. Aber: „All das CO2 nach Island zu bekommen, ist nicht möglich“, sagt Carbfix-Forscher Helgason.

    Die Technologie der Isländer könnte aber auch in anderen Teilen der Erde umgesetzt werden, eben überall dort, wo reaktive Steinschichten wie Basalt vorhanden sind. 

    Mehr: Norwegen buhlt um deutsches Kohlendioxid

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