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Handelsblatt-Serie Köpfe der KI Ralf Herbrich ist der Macher hinter Amazons Maschinenintelligenz

Der Deutsche leitet das Entwicklerteam für künstliche Intelligenz bei Amazon. Eine riesige Aufgabe – mit riesigen Ressourcen ausgestattet.
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Der Deutsche testet zu Hause in seiner Wohnung gleich sechs Exemplare von Amazons Alexa. Quelle: Thomas Einberger für Handelsblatt
Ralf Herbrich

Der Deutsche testet zu Hause in seiner Wohnung gleich sechs Exemplare von Amazons Alexa.

(Foto: Thomas Einberger für Handelsblatt)

DüsseldorfManchmal sind es die scheinbar trivialen Fragen, die künstliche Intelligenz zu großer Form auflaufen lassen. „Wann ist eine Erdbeere reif?“, war eine dieser Fragen, mit denen sich Ralf Herbrich vor dem Start des Lebensmittellieferdienstes Amazon Fresh konfrontiert sah.

Herbrichs Lösung: Da der Computer nicht an der Frucht schnuppern konnte, er aber auch keine künstliche Nase erfinden konnte, ließ er Hunderte von Experten den Reifezustand von Erdbeeren einschätzen und drehte davon Videos. Mithilfe dieser Filme lernte die Maschine – und kann heute in Sekundenbruchteilen eine ganze Stiege mit den roten Früchten beurteilen.

Viele seiner Wissenschaftskollegen hielten ihn anfangs für verrückt. Aber für den Weltkonzern Amazon sind genau solche Details der Schlüssel zum Erfolg. Nur wenn die Kunden sicher sind, dass sie frische Waren bekommen, vertrauen sie dem Lieferdienst genauso wie dem Supermarkt um die Ecke.

Als Leiter der Entwicklungszentren von Amazon Deutschland muss Herbrich die Brücke schlagen zwischen Wissenschaft und unternehmerischer Praxis. Der 44-Jährige leitet für den Konzern zugleich weltweit das Forscher- und Entwicklerteam für künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen mit mehr als 1 000 Mitarbeitern und pendelt zwischen seinem Dienstsitz Berlin und der Zentrale in Seattle.

Ständig ist er in den Universitäten und auf Kongressen auf der Suche nach jungen Talenten für seine Abteilung. Gerade erst hat er eine Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft in Tübingen abgeschlossen. Rund 100 zusätzliche Arbeitsplätze für Spezialisten soll diese neue Forschungseinheit schaffen.

Dabei hilft ihm seine eigene wissenschaftliche Reputation. Er hat seinen Doktor an der Technischen Universität Berlin gemacht, anschließend einige Jahre am Darwin College in Cambridge geforscht. Danach machte sich der Technologiekonzern Microsoft seine Kenntnisse zunutze. Rasch wurde er Leiter des Microsoft-Forschungslabors in Großbritannien, entwickelte durch den Einsatz von KI die Xbox und die Suchmaschine Bing entscheidend weiter. Als sich seine Expertise auch in der Wirtschaft herumsprach, warb ihn Amazon-Boss Jeff Bezos ab.

Aber vielleicht wichtiger noch als sein Fachwissen ist: Herbrich lebt seine Arbeit. So hat er nicht nur legendäre Features wie Drivatar und True Skill für die Xbox entwickelt, er ist auch selbst begeisterter Spieler an der Konsole. Er ist fest davon überzeugt, dass der Einsatz von Technologie die Menschen glücklicher machen kann – wenn sie richtig eingesetzt wird. „Es gibt bereits jetzt mehr Algorithmen als Probleme“, sagt er zuversichtlich. Entscheidend sei, die Forschung und die Produktteams eng zu verbinden.

Große Erwartungen setzt er auch persönlich in die Sprachtechnologie. Er selbst hat gleich sechs Exemplare des Sprachassistenten Amazon Echo in seiner Wohnung verteilt – sogar im Bade- und im Schlafzimmer. Auch in der Küche ist für den begeisterten Hobby-Koch inzwischen die Unterstützung durch den Echo nicht mehr wegzudenken.

Als er studierte, war KI noch ein ziemlich exotischer Bereich der Forschung mit rein theoretischer Bedeutung. Heute hat Herbrich die Möglichkeiten, aus seiner Grundlagenforschung Kapital zu schlagen. Da hilft ihm nicht nur die rasante technische Entwicklung. Auch die finanziellen Ressourcen des Großkonzerns mit einem Umsatz von 180 Milliarden US-Dollar bescheren ihm Kapazitäten, die aus Ideen schnell Anwendungen entstehen lassen.

Für die Zukunft von Amazon ist KI zentral. Deshalb bekommt Herbrich alle Ressourcen, die er braucht. Sein wichtigstes Forschungsfeld ist die Vorhersage von Nachfrage. Heute schon prognostizieren Algorithmen, welche Waren in der kommenden Saison gefragt sind. Der nächste Schritt ist die Vorhersage persönlicher Shopping-Wünsche.

Dann bekommen die Kunden bald Waren zugeschickt, noch bevor sie diese bestellt haben. Alles kein Problem, denn die künstliche Intelligenz, so Herbrichs Erfahrung, lernt verdammt schnell.

Künstliche Intelligenz zählt zu den zentralen Zukunftsthemen: In einer neuen Serie stellen wir die Vordenker dieser technologischen Revolution vor.

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