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Hype um US-Firma Nikola will mit Wasserstoff-Trucks die deutschen Lkw-Riesen ausbremsen

Die US-Firma Nikola will von Ulm aus Daimler und Traton mit Elektro- und Wasserstoff-Trucks angreifen. Anleger hoffen auf ein zweites Tesla.
17.08.2020 - 09:52 Uhr 5 Kommentare
Mit Wasserstoff will das Unternehmen gegen die etablierte Konkurrenz antreten. Quelle: REUTERS
US-Truckhersteller Nikola

Mit Wasserstoff will das Unternehmen gegen die etablierte Konkurrenz antreten.

(Foto: REUTERS)

Denver, München Der Umgangston in der Truck-Industrie kann ziemlich rau sein. Trevor Milton musste das auf die harte Tour lernen. Als der Chef des amerikanischen Elektrofahrzeugherstellers Nikola Motor vor einigen Jahren nach Europa reiste, um einen Partner für den Bau seiner Stromtrucks zu finden, erntete er spöttische Kommentare von den arrivierten Anbietern. „Die meisten haben über uns gelacht“, erinnert sich der 38-Jährige im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die erste Frage eines großen europäischen Truckherstellers an den Nikola-Gründer lautete: „Warum sollten wir ausgerechnet mit Ihnen zusammenarbeiten?“ Milton brach daraufhin das Meeting ab. „Die waren zu arrogant für uns“, sagt der Unternehmer.

Die Folge: Nikola paktiert heute weder mit Daimler Trucks, Traton (MAN, Scania) noch mit Volvo Trucks, sondern mit dem kleinen Anbieter Iveco.

Gemeinsam wollen das US-Start-up und der Nutzfahrzeughersteller im Teilbesitz des italienischen Agnelli-Clans nun die mitunter überheblich auftretenden Branchenriesen vor sich hertreiben. Gelingen soll das mit einem ausgeklügelten Geschäftsmodell, das Kunden deutlich niedrigere Gesamtbetriebskosten verspricht sowie schnell verfügbare Strom- und Wasserstofftrucks.

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    Während die meisten Wettbewerber ihre Sattelzugmaschinen lediglich in Kleinserien elektrifizieren und noch über Jahre hinweg auf Diesel als Kerntreibstoff schwören, sind Nikola und Iveco längst weiter. Ausgerechnet in Ulm, keine eineinhalb Stunden von den Zentralen von Daimler in Stuttgart und Traton in München entfernt, sollen bereits im ersten Quartal 2021 die ersten Batterie-Trucks (Nikola Tre) mit mehr als 400 Kilometer elektrischer Reichweite vom Band rollen.

    Tausende Arbeitsplätze in Ulm

    „Es werden Tausende Jobs entstehen“, verspricht Milton. Auch weil 2023 auf den Strom-Truck ein mit Wasserstoff befeuertes Modell folgt, das bis zu 800 Kilometer Reichweite schaffen soll. Zum Vergleich: Die beiden Marktführer Daimler und Volvo dürften erst Mitte der Dekade mit eigenen Brennstoffzellen-Lkws in größeren Stückzahlen kontern.

    Erlebt nach der Pkw-Branche nun auch die Truck-Industrie ihren Tesla-Moment? Viele Investoren sind davon überzeugt. Obwohl Nikola noch fast keinen Umsatz ausweist, wird die Firma an der Börse bereits mit umgerechnet fast 14 Milliarden Dollar bewertet.

    Grafik

    Prinzipiell sehen auch Experten durchaus Platz für Newcomer wie Nikola in der Nutzfahrzeugwelt. Der Grund: Die EU zwingt die Hersteller, ihren CO2-Ausstoß in der Flotte bis 2025 um 15 Prozent zu reduzieren und bis 2030 sogar um 30 Prozent. „Wer diese Vorgabe verfehlt, zahlt Strafen in dreistelliger Millionenhöhe“, weiß Bernd Heid, Partner bei McKinsey. Die Folge: Auch der Schwerlastverkehr muss elektrifiziert werden. Und hier ist die Brennstoffzelle im Vorteil.

    „Wir gehen davon aus, dass Wasserstoff-Trucks im Jahr 2027 erstmals günstiger sein werden als Diesel-Lkws“, erklärt Branchenkenner Heid. Heute kosten Herstellung, Betrieb und Wartung eines schweren Sattelschleppers mit Brennstoffzelle allerdings noch deutlich mehr als das Verbrenner-Pendant.

    Die sogenannten Total Cost of Ownership (TCO) eines Wasserstofftrucks liegen laut McKinsey derzeit bei rund 1,90 Euro pro Kilometer, jene eines Batterie-Lkw bei 1,70 Euro und jene eines Diesel-Sattelzugs bei 1,20 Euro. Doch bis spätestens 2030 dreht sich das Verhältnis um. Die Gesamtbetriebskosten von Brennstoffzellentrucks dürften dann auf etwa einen Euro pro Kilometer sinken, während die TCO von Diesel- und Akku-Lastwagen um jeweils rund 20 Cent darüber liegen dürften.

    Kapazitäten verhundertfachen sich

    Hauptgrund für den massiven Preisverfall ist die sich anbahnende Großserienproduktion von Brennstoffzellen und Elektrolyseuren, mit deren Hilfe Wasserstoff gewonnen wird. „Die Kapazitäten verhundertfachen sich“, prophezeit Heid. Weil parallel auch Strom aus erneuerbaren Quellen wie Photovoltaik immer günstiger wird, sinken die Herstellungskosten für grünen Wasserstoff erheblich.

    „Aber alles hängt an der Regulierung“, warnt Markus Baum, Autoexperte bei Roland Berger. Sollte Wasserstoff künftig beispielsweise so besteuert werden wie Diesel, dürften Brennstoffzellentrucks auch auf lange Sicht eine Nische bleiben. Umgekehrt gilt freilich: Je höher Kohlendioxid bepreist wird, desto eher rechnet sich Wasserstoff. Und zumindest die EU sieht in der H2-Technologie ein Vehikel, um den Transportsektor zu dekarbonisieren. „Insofern gibt es ein Momentum für Wasserstoff“, sagt Baum.

    Genau dieses Momentum will sich Nikola zunutze machen. Die Firma will nicht nur die modernsten Trucks der Welt bauen, sondern zugleich die nötige Infrastruktur dafür anbieten. Allein in Nordamerika plant der Konzern, 700 Tankstellen zu errichten und den Wasserstoff direkt vor Ort in Elektrolyseuren zu gewinnen. In Europa sollen es gut 50 Stationen werden. Kunden können die Lkws des Start-ups aber nicht kaufen, sondern nur leasen. Im Preis ist dann von Wartung über Reparatur bis hin zum Treibstoff alles inbegriffen.

    „Wir sind ein Energie- und Technologie-Unternehmen, das auch sehr coole Fahrzeuge herstellt“, betont Nikola-Gründer Milton. Dieser integrierte Ansatz soll dabei helfen, die Kosten für die Technologie schneller zu drücken, als die meisten Experten erwarten. Milton peilt einen Leasingpreis zwischen 50 und 75 Cent pro Kilometer in Europa für seine Wasserstofftrucks an, die ab 2023 auf die Straße kommen sollen.

    Möglich werden sollen diese Kampfpreise durch die besondere Kombination von Energie- und Fahrzeuggeschäft. Gut 60 Prozent der Gesamtkosten eines Trucks entfallen schließlich auf den Sprit. „Unsere Wettbewerber werden beginnen, unsere Tankstellen zu nutzen“, glaubt Milton. Ähnlich wie Amazon will der Manager dann früher oder später auch Geld mit seinen Rivalen verdienen. Das mache das Geschäftsmodell von Nikola so einzigartig.

    Hohe Risiken bleiben

    Der Haken dabei: Zunächst sind Investitionen in Milliardenhöhe vonnöten. Und der selbstbewusste Angreifer muss erst einmal liefern. Anfang Juni ging das Start-up in New York an die Börse. Der Hype um den Elektroautobauer Tesla gab auch der Aktie von Nikola Rückenwind. Kurzzeitig war Nikola mehr wert als Ford, obwohl die Firma noch kein einziges Fahrzeug gebaut hat und noch über Jahre Verluste schreiben wird.

    „Es bleibt ein hohes Umsetzungsrisiko“, gibt Emmanuel Rosner, Analyst bei der Deutschen Bank, zu bedenken. Er geht davon aus, dass Nikola 2024 zum ersten Mal einen kleinen Gewinn erzielen wird, bei einem Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar. Danach jedoch soll es kräftig aufwärtsgehen. Bis 2027 soll der Umsatz auf zehn Milliarden Dollar steigen und die Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 0,4 auf knapp 16 Prozent in die Höhe schnellen.

    Anders als Tesla kooperiert Milton intensiv mit anderen Herstellern. Tesla ist Vorbild und Konkurrent zugleich. Beide Unternehmen nehmen mit ihren Firmennamen Bezug auf den Erfinder Nikola Tesla. Doch Tesla-Gründer Elon Musk hält Brennstoffzellen für „fool cells“, also Idiotenzellen, und schwört voll und ganz auf den Batterieantrieb, auch beim Tesla-Semi, einer Akku-Sattelzugmaschine.

    Nikola setzt beim Antrieb dagegen sowohl auf Batterien als auch auf Wasserstoff. Bei der Brennstoffzelle arbeitet das Start-up eng mit Bosch zusammen. Der schwäbische Autozulieferer hatte im vergangenen Jahr 130 Millionen Dollar in die Firma aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona investiert. „Ohne Bosch würde es uns heute nicht geben“, räumt Milton ein.

    Außer bei Trucks will Nikola auch im Pkw-Geschäft Tesla angreifen. Konkret plant die Firma, gemeinsam mit einem etablierten Hersteller einen Elektro-Pick-up mit fast 1000 Kilometer Reichweite zu bauen. Drei Angebote von möglichen Partnern stünden zur Auswahl. In Kürze will Milton bekanntgeben, für wen er sich entschieden hat.

    „Bei aller Euphorie um die neuen Spieler: Bei neuen Produkten werden Probleme auftreten“, warnt McKinsey-Experte Heid. Der wahre Lackmustest für Nikola stehe erst bevor, wenn die ersten Kunden mit ihren Brennstoffzellentrucks liegen bleiben oder in die ganz normale Wartung kommen. „Dann braucht es professionelle Hilfe“, sagt Heid. Der Vorteil der etablierten Truckhersteller ist dabei ihr breites Service- und Ersatzteilgeschäft. „Und das ist ein gewichtiger Vorteil“, meint Heid.

    Mehr: Traton fürchtet Jahresverlust – Scania streicht 5000 Stellen

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    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich bin entsetzt. Nicht nur, dass die unwissenden Börsenspekulanten in NIKOLA investieren. Jetzt berichtet sogar das Handelsblatt im Sinne eines realen Investment Case über dieses Unternehmen. Sind Ihnen die Themen ausgegangen?
      Sie wissen schon, dass Vielzahl an Menschen gibt, die Ihren Berichten Glauben schenken und durch Sie in diese Aktie investieren.

      Dieses Unternehmen lebt von einem Geschichtenerzähler, der allen erzählt, was mal sein könnte und hat noch nichts umgesetzt.

      Wie können Sie mit gutem Gewissen über so ein Unternehmen berichten? Als nächstes erzählen Sie den Lesern, dass Graphen der neue Wunderwerkstoff ist?

    • Wahrscheinlich werden von den etablierten LKW-Herstellern Wasserstoff-Motoren zuerst eingeführt, um die Forderung der EU in Bezug auf CO-2-Emission zu erfüllen. Zur Zeit wird daran gearbeitet. Immerhin hatte man schon früher solche Motore von MAN in Einsatz wie z.B. bei den Busbetrieb der Stadt Berlin. Dies wäre eine Brückentechnik, bis die Brennstoffzelle im LKW und PKW reif für die Großserie ist. Reine Batterie-LKW werden wegen des Gewichts der Batterie nur für den erweiterten Nahverkehr auf absehbare Zeit wirtschaftlich zu betreiben sein. Auch solle man nicht vergessen, daß der Staat aus dem Verkauf von Treibstoff auf Mineralölbasis heute einen hohen Steuerbetrag einnimmt. Auf diese Geld kann er heute bei den homöopathischen Mengen an Stromverbrauch für den Verkehr im Verhältnis zu Benzin oder Diesel verzichten, bei Ausweitung der Strom- wie auch zukünftig der Wasserstoffmengen wird der Staat auf eine Besteuerung der in diesen Energieträgern enthaltenen Energie nicht verzichten können. Wie lautete vor 2 Jahrsehnten noch der Spruch? „ Rasen für die Rente“-die Mineralölsteuer wurde zur Finanzierung der Rente erhöht. Nikola nutzt jetzt eine IVECO-LKW, der auf elektrischen Antrieb umgebaut. Die Front des Wagens erhält ein geändertes Aussehen. Der NIKOLA ist folglich kein technisches Wunderwerk, sondern nur ein abgeändertes Fahrzeug. Elektro-LKWs habe alle namhaften Hersteller in der Erprobung bei Kunden, sind also schon weiter als NIKOLA. Daß man in diesem Kreis Wasserstoff zurückhaltend gegenübersteht beruht auf der fehlenden Infrastruktur und der Tatsache, daß die Umwandlung von Strom zu Wasserstoff nur mit einem Wirkungsgrad von 15% z.Zt. möglich ist. Wie soll der Elektrolyseur bei dem NIKOA-Konzept seinen Strom erzeugen, wenn es regnet oder der Himmel bedeckt ist? Nur aus Solar-, Wind- oder Wasserkraft kann grüner Wasserstoff erzeugt werden.

    • Achtung Scam!!!

      Nikola ist noch mal eine ganz andere Hausnummer als Wirecard.

      Sie geben ihre "Scheingeschäfte" sogar öffentlich zu und leben alleine vom Storytelling. Bestes Beispiel ist laut eigenen Aussagen die hohe Anzahl an Vorbestellungen für besagte Trucks.. Diese kann man jedoch völlig unverbindlich und ohne Anzahlungen vorbestellen. Eine Fake-Mailadresse reicht aus um mehrere Vorbestellungen zu tätigen.

      Es gibt bereits relativ viele professionelle Analystenvideos zu der Aktie. Vielleicht sollte man nicht jede Geschichte glauben die einem an der Börse erzählt wird..


      Das Video ist z.B. sehr interessant:
      https://www.youtube.com/watch?v=6gADU4cQVh8

    • Und auch wenn der Nikola jemals die Strasse sehen würde, was für einen intrinsischen Wert sollte die Firma haben? Die Technologien gehören Bosch oder anderen. Bosch wird dann einen eigenen Komplettunterbau liefern. Software? Das wird man noch sehen, aber bis dahin sind die LKW Bauer auch mit eigenen Produkten ausgestattet. Fahrgestelle? Das können die etablierten Hersteller besser. Bosch bleibt Zulieferer und greift die Wertschöpfung für den intellektual Property ab.
      Nikola wird eine Story Aktie bleiben, gut so, wenn sie den Etablierten Feuer unterm Hintern machen. Aber die Kerntechnologien gehören anderen. Das ist der große Unterschied zu Tesla, mal von der Story und den Effizient Einschränkungen der Brennstoffzelle bei der Uwandlung abgesehen.
      Dekarboniesierung mit Wasserstoff aus Erdgas? What the heck!

    • Elektrische Energie zu speichern ist zu teuer und die Batterien sind derzeit noch viel zu
      schwer. Wasserstoff hat eine wesentlich hoehere Energiedichte - waere also technisch eine
      Option aber vorlaeufig noch viel zu teuer.

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