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IEA-Report Der Ökostrom boomt, aber für die Klimarettung „reicht das noch lange nicht“

Der Investment-Report der Internationalen Energieagentur zeigt, wohin das meiste Kapital fließt – Kohle ist auch noch dabei. Die fünf wichtigsten Trends.
02.06.2021 - 15:20 Uhr 2 Kommentare
Es wird wieder mehr investiert.  Quelle: dpa
Windpark

Es wird wieder mehr investiert. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Fast zwei Billionen Dollar werden 2021 im Energiesektor investiert. Damit sind die Investitionen nach dem pandemiebedingten Rückgang im vergangenen Jahr zwar wieder auf Vorkrisenniveau angekommen, „aber das reicht noch lange nicht“, warnt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem alljährlichen Investmentreport. 

Die Ausgaben für saubere Energie müssten viel schneller steigen, um die Klimaziele zu erreichen, betonte die IEA am Mittwoch. „Basierend auf unserer neuen ‚Net Zero Roadmap‘ müssen sich die Investitionen in saubere Energien bis 2030 verdreifachen“, mahnte IEA-Chef Fatih Birol.

Gleichzeitig stiegen die Genehmigungen für neue Kohlekraftwerke und Investitionen in neue Öl- und Gasprojekte. Die fossilen Energieträger machen einen Großteil der weltweiten CO2-Emissionen aus. Wohin das meiste Kapital fließt und was das für die weltweiten Klimaziele bedeutet – das sind die wichtigsten fünf Erkenntnisse des Reports: 

1. Das meiste Geld fließt in den Stromsektor 

Zum sechsten Mal in Folge fließt weltweit mehr Kapital in Stromprojekte als in die Förderung von Öl und Gas. Insgesamt steigen die Investitionen dieses Jahr um fünf Prozent auf 820 Milliarden Dollar. Knapp 70 Prozent davon fließen in den Ausbau erneuerbarer Energien. Der Rest geht an Stromnetze und Speicheranwendungen. 

Durch Innovationen und Kostensenkungen ist das investierte Geld heute außerdem deutlich mehr wert. So sorgt ein Dollar in Wind- und Solarprojekte heute für viermal mehr Strom als noch vor zehn Jahren. 

Dabei konzentrieren sich die meisten Investitionen allerdings in wenigen Ländern. 2020 wurde, wie auch schon in den Jahren zuvor, besonders in China viel Geld in die Hand genommen, um den Ausbau der Windkraft weiter voranzutreiben. Danach folgen die USA und Europa.

Ohne einen Ausbau der Stromnetze kann die Energiewende nicht gelingen.  Quelle: dpa
Infrastruktur

Ohne einen Ausbau der Stromnetze kann die Energiewende nicht gelingen. 

(Foto: dpa)

Der weltweite E-Auto-Boom, die Elektrifizierung von Prozessen und Wärmeanwendungen und die verschärften Klimaziele vieler Länder trieben die Investitionen zusätzlich in die Höhe.

2. Investitionen in Öl- und Gasprojekte steigen wieder

Nachdem die Ölbranche 2020 das schlimmste Jahr in ihrer Geschichte hatte, erwartet die IEA, dass die Investitionen in neue Öl- und Gasprojekte 2021 wieder um zehn Prozent steigen. Das liegt vor allem daran, dass die Wirtschaft nach der Krise schneller wächst als bislang gedacht. 

Zwar gehen 85 Prozent der Investitionen für fossile Kraftstoffe weiterhin in Öl und Gas. Damit bleiben sie aber deutlich unter dem Niveau vor der Pandemie. Und der Druck auf die fossilen Milliardenkonzerne bleibt trotz gestiegener Ölpreise hoch. 

Erst vor wenigen Wochen hatte die IEA für Aufsehen gesorgt, als sie einen Investitionsstopp für neue Öl- und Gasprojekte forderte, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens, den Anstieg der globalen Erwärmung um maximal 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter, noch zu erreichen.

Branchenkenner sprachen von einem „Dolch im Rücken der Ölindustrie“. Die Agentur mit Sitz in Paris war in den 1970er-Jahren als Antwort auf die globale Ölkrise gegründet worden. Sie sollte Prognosen und Analysen mit Blick auf den internationalen Markt erstellen, um künftig Krisen vorzubeugen. Jahrelang hatte die Organisation den Aufschwung der Erneuerbaren unterschätzt und war dafür heftig kritisiert worden.

Besonders in Europa steht die fossile Industrie unter Druck.  Quelle: dpa
Ölfeld in der Nordsee

Besonders in Europa steht die fossile Industrie unter Druck. 

(Foto: dpa)

In dem Investitionsreport vom vergangenen Jahr warnte die Agentur noch vor zu wenig Investitionen in neue Öl- und Gasprojekte und eine daraus resultierende Knappheit an fossilen Kraftstoffen. Nun kommt also die Kehrtwende. 

Schon jetzt meiden immer mehr Aktionäre und vor allem große Fondsgesellschaften Aktien von nicht nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen, wozu die Ölbranche an vorderster Front zählt. An anderer Stelle versuchen aktivistische Investoren die Unternehmen von innen zum Wandel zu zwingen. In den nächsten Jahren dürfte sich der Druck auf die einstigen Gewinnmaschinen weiter erhöhen.

Immerhin zeigt sich das mittlerweile auch in den Investitionsentscheidungen der Ölmultis. War bislang lediglich ein Prozent der oft zweistelligen Milliardenbeträge in alternative Energiequellen geflossen, erhöht sich der Anteil grüner Investitionen in diesem Jahr auf bis zu vier Prozent. 

3. Kohle ist noch nicht von der Bildfläche verschwunden

Wo Erdöl noch viele Jahre eine wichtige Rolle in der Energiewelt spielen wird, galt das Zeitalter der Kohle schon seit Längerem als beendet. Und obwohl die Genehmigungen für neue Kohlekraftwerke um mehr als 80 Prozent zurückgegangen sind, verzeichnet die IEA 2020 einen leichten Anstieg. 

Getrieben wird der vor allem durch Lockerungen bei Genehmigungen für neue Kohleprojekte in China. Auch in Kambodscha, Indonesien und Pakistan gab es im vergangenen Jahr wieder mehr Genehmigungen für neue Braunkohlekraftwerke. Zusammengenommen haben diese fünf Länder fünf Gigawatt neuer Kohlekapazität auf den Weg gebracht. 

Deutschland hat den Kohleausstieg beschlossen, andere Ländern genehmigen neue Kraftwerke.  Quelle: dpa
Uniper Kohle-Kraftwerk Datteln 4

Deutschland hat den Kohleausstieg beschlossen, andere Ländern genehmigen neue Kraftwerke. 

(Foto: dpa)

Experten gehen trotzdem davon aus, dass bis 2030 acht Prozent weniger Kohle auf dem Markt gefragt sein könnten als noch vor der Pandemie angenommen. Am stärksten geht die Nachfrage in Europa und den USA zurück. Immer mehr Länder wie Deutschland oder Polen steigen komplett aus der Kohle aus. Der einst mächtigste Energieträger ist weltweit auf dem Rückzug.

4. USA sorgen für Schwung bei Energieinvestments

Auffällig ist außerdem, dass immer mehr Regierungen die Investitionen durch die Verhängung schärferer Klimaziele und milliardenstarke Förderprogramme zunehmend in Richtung Erneuerbare lenken. 

In Ländern, wo Regierungen mehr finanziellen Spielraum haben und Kapital zu günstigen Zinssätzen bekommen, fließt auch mehr Geld in den Ausbau von Energieinfrastruktur, Effizienz und grüne Technologien. 

Das beste Beispiel: Stromnetze. Nachdem die Investitionen im vergangenen Jahr zum vierten Mal in Folge gesunken waren, rechnet die IEA 2021 wieder mit einem Anstieg, angetrieben durch Programme in China und Europa.

Der US-Präsident will strengere Klimaziele für sein Land.  Quelle: AFP
Joe Biden

Der US-Präsident will strengere Klimaziele für sein Land. 

(Foto: AFP)

Aber auch die ehrgeizigen Klimapläne des neuen US-Präsidenten Joe Biden könnten für einen Investitionsschub in Netztechnologien sorgen. In Entwicklungsländern bietet sich ein anderes Bild. Aufgrund verhältnismäßig günstiger Kraftstoffpreise fehle hier der Anreiz zum Investieren, warnen die Experten. 

5. Investitionen in erneuerbare Energien müssen sich verdreifachen

Obwohl die Investitionen in grüne Technologien steigen, reicht die Summe bei Weitem nicht aus, um das Pariser Klimaziel von 1,5 Grad zu erreichen. „Es müssen deutlich größere Beträge in grüne Technologien fließen, damit das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 erreicht werden kann“, warnte IEA-Chef Fatih Birol bei der Vorstellung des Reports. 

Mit Abstand am meisten Geld wurde in den Ausbau der Windkraft investiert. Im Vergleich zu 2019 verdoppelte sich die installierte Leistung nahezu auf 114 Gigawatt weltweit. 2021 erwarten die Experten allerdings, dass Investitionen in den Ausbau der Solarenergie das Wachstum am stärksten treiben.

Insgesamt rechnet die IEA in diesem Jahr mit Greentech-Investments in Höhe von 750 Milliarden Dollar. Das sei zwar ermutigend, müsste sich aber in den nächsten zehn Jahren auf 2,2 Billiarden Dollar verdreifachen, damit die globale Erwärmung eingegrenzt werden könne, warnen die Autoren. 

In sonnenreichen Ländern ist Solarenergie schon heute die billigste Art der Stromerzeugung.  Quelle: AFP
Photovoltaik

In sonnenreichen Ländern ist Solarenergie schon heute die billigste Art der Stromerzeugung. 

(Foto: AFP)

„Die Regierungen müssen endlich über Zusagen zur Emissionsreduzierung hinausgehen und konkrete Schritte unternehmen, um Investitionen in marktreife saubere Energielösungen zu beschleunigen und Innovationen bei Technologien im Frühstadium zu fördern“, sagte Birol. 

Klare politische Signale von Regierungen würden die Unsicherheiten im Zusammenhang mit Investitionen in saubere Energie verringern und den Anlegern die langfristige Sichtbarkeit verschaffen, die sie benötigten.

Mehr: „Meilenstein“ für den Energiesektor: IEA-Experten fordern Investitionsstopp für Öl- und Gasprojekte

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  • Kein Mensch bedenkt, das der Zyklus der Eiszeit noch nicht vorbei ist! Die Kaltzeit ist seit 20 000 Jahren zu Ende, aber die Warmzeit dauert noch an. So lange es noch Gletscher und Eis auf Grönland und der Arktis gibt erfolgt die Erwärmung verlangsamt - wir hoffen auf +1,5 °C. Mit zunehmendem Abschmelzen der Resteismassen beschleunigt sich die Erwärmung - ich schätze, dass wir in 150 Jahren bei +3 °C gegenüber 1990 liegen werden. Übrigens: Wir hatten doch alles schon vor einigen 100 000 Jahren! Das Übel ist diesmal die Überbevölkerung, aber....... die Erde hilft sich selbst und wird durch die Erwärmung die Populationsdichte wieder auf ein ökologisch verträgliches Maß zurückschrauben!! Also, nicht aufregen! Tun was notwendig ist und vorbereiten auf die Korrektur der Populationsdichte.

  • die Regierung glaubt in ihrer Ahnungslosigkeit noch, dass sie durch Windräder den Bedarf an Strom abdecken können. Was haben wir nur für Deletanten in der Regierung und keiner der Bürger steht auf. Zivilcourage null

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