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Immobilien Wasserstoff oder Wärmepumpe: Wie werden Gebäude kostengünstig klimaneutral?

Wasserstoff kann einen Beitrag zum ökologisch und ökonomisch sinnvollen Heizen leisten, sagt eine Studie der Gasbranche. Kritiker bezweifeln das.
19.05.2021 - 04:02 Uhr 1 Kommentar
Ist Wasserstoff zu schade, um ihn im Heizungskeller zu verbrennen? Quelle: Fotolia
Heizungsthermostat

Ist Wasserstoff zu schade, um ihn im Heizungskeller zu verbrennen?

(Foto: Fotolia)

Berlin Wie lassen sich die Gebäude in Deutschland langfristig heizen, ohne die Erdatmosphäre weiter zu erwärmen – und ohne Eigentümer und Mieter finanziell zu überfordern? Die Gaswirtschaft hält grünen Wasserstoff für einen Teil der Lösung. Dieser Wasserstoff würde mit Ökostrom erzeugt. Die Gasbranche begegnet der Kritik am Heizen mit Wasserstoff mit einer neuen Studie.

Die Bundesregierung verschärft derzeit die Vorgaben für den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2). Mit dem novellierten Klimaschutzgesetz wird die Latte für den Gebäudesektor höher gelegt: Im Jahr 2030 beträgt die zulässige Jahresemissionsmenge des Sektors 67 Millionen Tonnen CO2. In der bisherigen Fassung des Gesetzes waren es noch 70 Millionen Tonnen.

Zum Vergleich: 2020 trug der Sektor laut Umweltbundesamt 120 Millionen Tonnen zum CO2-Ausstoß bei. Bis zur Klimaneutralität, die die Bundesregierung nun bereits für 2045 anstrebt, bleibt also noch viel zu tun.

Klimaneutraler Wasserstoff sei dabei unverzichtbar. Insbesondere dann, wenn man Eigentümer und Mieter finanziell nicht überfordern wolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Strategieberatung Nymoen für die Brancheninitiative „Zukunft Gas“, in der sich Unternehmen der deutschen Gaswirtschaft zusammengeschlossen haben.

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    „Ein klimaneutraler Wärmemarkt ist ohne Wasserstoff und Gasnetz nicht sozialverträglich erreichbar. Der Markt für den Einsatz von Wasserstoff sollte deshalb nicht vorab auf bestimmte Sektoren beschränkt werden“, heißt es in der Studie. Nur ein breiter und auf alle Sektoren zielender Ansatz führe zu einem umfassenden Einsatz von Wasserstoff.

    Die Studie setzt auf eine möglichst individuelle Betrachtung unterschiedlicher Gebäudetypen. Herausgekommen sind 1760 „optimierte, individuelle und finanzierbare Sanierungsfahrpläne“, schreiben die Autoren der Studie. Die Finanzierungspläne berücksichtigen das Alter eines Gebäudes, seinen Modernisierungszustand und die eingesetzte Heizungsvariante. 

    Den Investitionsbedarf, um das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 zu erreichen, beziffern die Autoren auf 501 Milliarden Euro.

    Langfristig nimmt die Bedeutung von Erdgas ab

    Die Gasbranche steht unter massivem Druck. Das Geschäft der Branche fußt im Wesentlichen auf dem Energieträger Erdgas. Zwar ist unbestritten, dass Erdgas in den kommenden Jahren noch eine wichtige Rolle spielen wird; angesichts der Abschaltung von Kohlekraftwerken dürfte Erdgas zur Stromerzeugung in den kommenden Jahren sogar vermehrt zum Einsatz kommen. Langfristig wird die Bedeutung von Erdgas aus Gründen des Klimaschutzes jedoch abnehmen.

    Die Unternehmen der Gaswirtschaft fokussieren sich daher stark auf klimaneutralen Wasserstoff. Sie argumentieren, Deutschland verfüge mit seiner hervorragenden Gasnetzinfrastruktur über sehr gute Voraussetzungen für den Einsatz von Wasserstoff auch im Wärmesektor. Tatsächlich kann Wasserstoff Erdgas beigemischt werden, es können auch vorhandene Gasleitungen komplett zu Wasserstoffleitungen umgewidmet werden.

    Emissionen

    67

    Millionen Tonnen CO2

    soll der Gebäudesektor 2030 nur noch emittieren dürfen. 2020 waren es 120 Millionen Tonnen. Quelle: Bundesumweltamt

    Die Studienautoren gehen davon aus, dass Wasserstoff bis 2050 Erdgas nahezu komplett ersetzen wird. Es würden künftig vielfach effiziente Technologien wie Brennstoffzellen und Gaswärmepumpen, aber auch Brennwertkessel eingesetzt.

    „Zudem findet Wasserstoff in der Fern- und Nahwärme und zu Teilen auch bei der Stromerzeugung Anwendung“, heißt es in der Studie weiter. Ein deutlicher Einsatz von Wasserstoff sei allerdings erst ab 2030 zu erwarten. Elektrische Wärmepumpen sehen die Autoren in erster Linie in neuen Niedrigstenergiehäusern.

    Kritik von Verfechtern elektrischer Wärmepumpen

    Die von den Autoren unterstellte Beschränkung des Einsatzes elektrischer Wärmepumpen auf besonders gut gedämmte Niedrigstenergiehäuser steht im Widerspruch zu den Annahmen anderer Fachleute, die elektrische Wärmepumpen auch in Bestandsgebäuden für sinnvoll halten.

    Die Studie berührt damit eine zentrale Frage der Debatte über die künftige Rolle von Wasserstoff. Viele Akteure plädieren dafür, klimaneutralen Wasserstoff nur dort einzusetzen, wo es auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität keine Alternativen gibt, also in der Industrie sowie im Schwerlast- und Flugverkehr. Zum Beheizen von Wohngebäuden setzen diese Akteure dagegen insbesondere auf elektrische Wärmepumpen.

    So hält etwa der Thinktank Agora Energiewende allein bis 2030 den Einbau von bis zu sechs Millionen elektrischen Wärmepumpen in den 19 Millionen bestehenden Wohngebäuden in Deutschland für sinnvoll und erforderlich, um dem Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands näherzukommen. Auch die Stiftung Klimaneutralität und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) propagieren elektrische Wärmepumpen.

    Das sehen die Studienautoren anders. Sie verweisen insbesondere darauf, in Bestandsgebäuden werde strombasierte Heizungstechnik „nur in Ausnahmefällen“ zum Einsatz kommen, da dafür eine Sanierung der Gebäudehülle erforderlich sei. Diese Sanierung sei jedoch für die Mehrheit der Eigentümer nicht finanzierbar oder aber im Vergleich der verschiedenen Maßnahmen unattraktiv.

    Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie der Beratungsfirma Frontier Economics. Danach spricht insbesondere die Verschiedenheit des Gebäudebestands in Deutschland dafür, sich technologische Optionen offenzuhalten und nicht allein auf wenige Technologien zu setzen.

    Mehr: Wer bezahlt das Gasnetz? Gasnetzbetreiber wollen Verbraucher zur Kasse bitten

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    • Neuausrichtung der Kernenergie zur Herstellung von grünem Wasserstoff.

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